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Inhabergeführte Geschäfte:Krisensicher

Fahrradfahren liegt im Trend, und das wird so bleiben. Davon ist Ingo Ruhland, Inhaber eines Radl-Geschäfts mit angeschlossener Werkstätte, überzeugt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Seit Jahren liegen Fahrräder im Trend. Ingo Ruhland, Inhaber eines gleichnamigen Geschäfts an der Vöttinger Straße, glaubt, dass diese Tendenz in der Zukunft anhalten wird. Darum macht sich der passionierte Radfahrer um die Zukunft seines Ladens keine Sorgen

Von Johannes Schmid, Freising

Ingo Ruhlands Fahrradladen Radl Ruhland an der Vöttinger Straße 17 steht hoch im Kurs. Auf die Frage, ob sie denn ihr Fahrrad reparieren lassen könne, bekommt eine Kundin die Antwort, dass sie sich wohl knapp vier Wochen gedulden müsse. Aber das Ganze hat seinen Grund, wie sich kurz darauf zeigt. Eine andere junge Dame wird von Ingo Ruhland fachkundig über Fahrradscheinwerfer aufgeklärt, wobei er sich viel Zeit nimmt, um die best mögliche Lösung für den Kunden zu finden.

Der Laden ist nunmehr in zweiter Generation in Familienbesitz. "Mein Vater hat in der Fünfzigerjahren seinen Job in München aufgegeben, um hier in Freising ein pleite gegangenes Geschäft zu übernehmen", sagt Ruhland. Dann sei irgendwann direkt gegenüber ein Haus zum Kaufen gebaut worden. "Und seit dem 1. April 1957 existiert der Laden hier", erinnert sich Ruhland. Aber aller Anfang war schwer. "Damals hat ein reiner Fahrradladen nicht zum Leben gereicht, alles war motorisiert." Sie hätten damals noch zusätzlich mit Mofas und Motorrädern gehandelt, erzählt Ruhland aus den Anfängen des Geschäfts.

Somit ist er ein echtes Freisinger Urgestein. Er könne sich noch daran erinnern, wie der erste Supermarkt in den Siebzigern nach Lerchenfeld gekommen sei. "Dann sind die Tante-Emma-Läden alle langsam verschwunden", sagt er. Mit der Zeit ging der Fahrradladen immer besser und von 1990 an wurde nur noch mit Fahrrädern gearbeitet. Seitdem scheint der Trend stabil zu bleiben. In den vergangenen Jahren waren die E-Bikes stark am durchstarten. "25 Prozent der verkauften Fahrräder in Deutschland sind E-Bikes, und prognostiziert wird, dass es noch auf 50 Prozent steigt. Und das obwohl, dass die E-Bikes um ein vielfaches teurer sind als die normalen Fahrräder", meint Ruhland. Das E-Bike mache dem Auto immer stärker Konkurrenz. Auf zehn Kilometern Strecke sei es ebenbürtig, auf fünf sogar überlegen, findet Ruhland. Schade sei nur, dass die alten Fahrräder der E-Bike-Nutzer dann meistens verstaubten.

Er selber ist ein überzeugter Radfahrer, "Seit 30 Jahren fasse ich kein Auto mehr an", erzählt der fachkundige Fahrradhändler. Auch zu der Debatte um die Fahrradhelme, die in den vergangenen Jahren wieder aufflackerte, kann Ingo Ruhland interessante Einblicke geben. "Die Fahrradhelme waren früher einfach nicht schön. So langsam werden sie optisch ansprechender, weshalb auch mehr Leute wieder zu einem Helm greifen." Er selber empfiehlt dringend, einen Helm zu tragen, auch wenn man nur kurz einkaufen muss. "Wenn man sich da Statistiken anschaut, läuft es einem kalt den Rücken runter und man greift zum Helm", sagt Ruhland. Aber eine Helmpflicht einführen, das könne der Gesetzgeber nicht machen, das würde den Radverkehr zu stark ausbremsen, meint Ruhland.

Das Geschäft verzeichnet eine steigende Nachfrage nach E-Bikes.

(Foto: Marco Einfeldt)

Was die Konkurrenz durch den Onlinehandel angeht, bleibt er eher gelassen. "Natürlich merkt man es. Das Bestellen ist so schön gemütlich." Aber die kleinen Geschäfte seien davon nicht so stark betroffen, meint er, denn "das Internet repariert nicht". Neben besagtem Reparieren von Fahrrädern bietet Ruhland Kurse für Laien an, die selbst an ihrem Drahtesel Hand anlegen wollen: "Und wenn der Kurs den Leuten gefallen hat, gewinnen wir dadurch noch Kunden", sagt Ruhland.

Neben ihm selbst arbeiten in seinem Laden noch fünf festangestellte Mitarbeiter, aber seit es keinen Seniorchef mehr gibt, ist es kein Familienbetrieb mehr. Trotzdem suchen sie nach weiteren Angestellten. Über den Sommer seien sie nämlich restlos ausgebucht "Für die Reparatur haben wir über drei, vier Monate eine Vorlaufzeit von fast vier Wochen", aber im Winter ginge ihnen saisonbedingt irgendwann die Arbeit aus, gibt Ruhland Einblicke in seine Geschäftswelt.

Zu der Debatte, was den Bau von Fahrradstraßen angeht, hat Ruhland einen klaren Standpunkt. Man müsse nicht unbedingt neue Straßen schaffen, sondern die existierenden anders nutzen. "Der private Autoverkehr sollte stark eingeschränkt werden. Viele Leute nutzen das Auto für unnütze kurze Fahrten. Die könnten problemlos mit dem Fahrrad gefahren werden. Solchen Leuten muss das schwer gemacht werden", man brauche eine Steuer oder ähnliches.

In seinen langen Jahren in Freising hat Ruhland einiges erlebt. Zum Beispiel wie der Stadtverkehr wegen des Flughafens stark zunahm oder wie immer mehr Supermärkte die kleinen Läden ersetzten. Nun entwickle sich das Ganze in die andere Richtung "Es gibt wieder mehr kleine Läden in der Stadt. Ein Supermarkt an der Bahnhofsstraße ist zwar super, vor allem da er leicht zu erreichen ist", aber sobald man weitere Strecken zurücklegen müsse, um einkaufen zu gehen, wäre das was anderes. "Wenn ich am Rindermarkt wohne will ich auch in der Nähe einkaufen", sagt Ruhland. Letzten Endes wirkt sich das wieder auf den Fahrradverkehr aus, da die Leute für die kurzen Strecken kein Auto brauchen. Dementsprechend ist das Geschäft von Ingo Ruhland sehr zukunftssicher, "Ich will in Zukunft wenig anders machen". Er habe auch nicht vor, wie andere Geschäfte mit seinem Laden woanders, wie zum Beispiel ins Industriegebiet, zu gehen. "Das Geschäft bleibt hier", stellt Ruhland abschließend klar.

© SZ vom 30.04.2019
Inhabergeführte Geschäfte in Freising

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