Energiewende im Landkreis Freising:"Wir brauchen die Freiflächenanlagen, koste es, was es wolle."

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Energiewende im Landkreis Freising: Auch im Landkreis Freising sind deutlich mehr Photovoltaik-Freiflächenanlagen notwendig, um die Energiewende zu schaffen.

Auch im Landkreis Freising sind deutlich mehr Photovoltaik-Freiflächenanlagen notwendig, um die Energiewende zu schaffen.

(Foto: Claus Schunk)

Will der Landkreis Freising die Energiewende bis 2035 meistern, muss der Ausbau der erneuerbaren Energien stark forciert werden. HSWT und Landratsamt habe eine Studie erarbeitet, die aufzeigt, welche Gebiete für Photovoltaik-Freiflächenanlagen geeignet sind. Der Hallbergmooser Bürgermeister Josef Niedermair befürchtet, dass nun zwei Großprojekte platzen könnten.

Von Petra Schnirch, Freising

Will der Landkreis Freising die Energiewende bis 2035 meistern, muss der Ausbau der erneuerbaren Energien stark forciert werden. Zusätzliche 400 bis 500 Hektar für Photovoltaik-Freiflächenanlagen werden dafür benötigt, zudem eine Verdreifachung der PV-Anlagen auf Dächern plus 30 bis 40 Windräder, das machte Energiebeauftragter Moritz Strey am Donnerstag bei einem Pressegespräch deutlich. Für Freiflächen-PV-Anlagen zeigt eine Studie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) nun auf, wie dies gelingen könnte. Einer allerdings ist stinksauer: der Hallbergmooser Bürgermeister Josef Niedermair (CSU). Denn zwei Großprojekte, die in seiner Gemeinde zeitnah umgesetzt werden sollten, befinden sich im roten Bereich und gelten laut Studie als Tabuflächen.

Die Ergebnisse seien Empfehlungen und eine Entscheidungshilfe für die Kommunen, betonte Stefanie Fritz, Mitarbeiterin an der HSWT, bei dem Pressegespräch im Landratsamt. Im Hallbergmooser Rathaus ist das Papier bereits am Dienstag eingegangen. "Es ist alles rot bei uns", schimpfte Niedermair im Gespräch mit der SZ, "ich bin erschrocken, ich habe einen dicken Hals." Was ihn besonders ärgert: Seit Dienstag versuche er, den Landrat zu erreichen, der aber rufe nicht zurück. Während die Gemeinden zu Stillschweigen verpflichtet worden seien, setze das Landratsamt eine Pressekonferenz an.

Seit einem Jahr liegt der Antrag im Landratsamt

Eine zehn Hektar große PV-Anlage soll in Hallbergmoos, so die Vorstellung der Gemeinde, in der Nähe des Gewerbegebiets entstehen, zwischen Bundesstraße 301 und S-Bahn. Das Problem: Das Areal liegt ebenso im Landschaftsschutzgebiet wie ein 37 Hektar großes Gebiet im Anschluss daran. Bereits vor einem Jahr sei die Herausnahme der zehn Hektar im Landratsamt beantragt worden, sagte Niedermair. Passiert sei: nichts. Die Gemeinde bekomme keine Auskunft. Inzwischen habe man viel Zeit verloren. Dabei handele es sich um kein wertvolles Naturschutzgebiet. Dort werde Mais angebaut, gedüngt und gespritzt. "Da geht mir die Hutschnur hoch." Der Investor, die Vispiron Energy, habe sogar angeboten, die Anlage nach 30 Jahren zurück zu bauen.

Landrat Helmut Petz (FW) betonte in dem Pressegespräch, dass man Freiflächen-PV-Anlagen für eine Übergangszeit benötige. Die Studie solle einen Überblick liefern, wo im Landkreis Potenzial besteht. 24 angehende Landschaftsarchitekten und -architektinnen - Studierende im sechsten Semester - werteten unter der Regie von Professor Markus Reinke, Stefanie Fritz und Walter Demel vom Landschaftsinformationszentrum an der HSWT für das Projekt mit Namen "Pfiffig" Daten aus und waren teilweise auch vor Ort.

Eine Ampel für PV-Freiflächenanlagen

Herausgekommen ist ein Ampelsystem. Als gut geeignet gelten demnach knapp 10.000 Hektar, das sind 12,4 Prozent der Fläche im Landkreis. Auf einen mittleren Wert kommen 10.277,5 Hektar oder weitere 12,8 Prozent, davon befinden sich 1361 Hektar in Landschaftsschutzgebieten. Diese könnten einer Detailprüfung durch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt unterzogen werden - dazu zählen "vorbelastete" Flächen mit weniger als 500 Meter Abstand zur Autobahn oder 200 Meter zu Hauptschienenwegen. "Wir wollen einen Mehrwert generieren", sagte Strey. Es sei jetzt Aufgabe der Gemeinde, sich die Ergebnisse anzuschauen und zu erkennen, wo es Schwierigkeit geben könnte und wo Chancen bestehen. "Das heißt nicht, dass die Entscheidungen schon gefallen sind", ergänzte Petz.

Sehr fruchtbare Böden seien in der Studie für eine Photovoltaik-Nutzung ausgeschlossen worden, erklärte Stefanie Fritz. Auf Erosionsflächen könnten die Module, unter denen Gras wächst, zusätzliche, positive Effekte haben. Abgesehen davon, dass nicht alle als geeignet identifizierten Grundstücke in öffentlicher Hand sind, gibt es einen großen Haken: Der Netzzugang ist vielerorts schwierig, hier seien Bund und Länder gefragt, sagte Petz. Der Netzausbau "sei ein wunder Punkt".

Niedermair vermisst Entscheidungsfreude

"Wir brauchen die Freiflächenanlagen", bilanzierte der Landrat, "koste es, was es wolle." Niedermair hält dagegen, dass Hallbergmoos etwas tun wolle, mittlerweile aber Monate verloren habe. In der Nähe der geplanten, zehn Hektar großen Anlage sei ein Umspannwerk, der in Bau befindliche Surfpark soll angeschlossen werden.

Grüne Bereiche weist die Studie auch für Hallbergmoos aus. Allerdings dort, wo die Gemeinde eine Vergrößerung des Gewerbegebiets plant, sowie weiter im Süden. Von dort aus müssten drei bis vier Kilometer lange Leitungen in den Munich Airport Business Park verlegt werden. Er vermisst bei vielen Politikern den Mut, einfach anzupacken und Entscheidungen zu treffen. Weniger skeptisch sind die Reaktionen in anderen Kommunen, in Freising verspricht man sich positive Effekte. "Das ist ein roter Faden", sagt Pressesprecherin Christl Steinhart, "für den wir sehr dankbar sind."

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