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Kommunalwahl in Neufahrn:Besser, schöner, einträglicher

Sieben Parteien und politische Gruppierungen bewerben sich in Neufahrn um die Gemeinderatsmandate. Sie alle wollen das Ortszentrum attraktiver machen und die Ansiedlung neuer Betriebe fördern. Denn es geht auch um Arbeitsplätze, die seit der Schließung von Müller Brot fehlen.

Es ist ein Bild mit Symbolcharakter: In den letzten Amtsmonaten von Bürgermeister Rainer Schneider wird auf dem Schulgelände am Fürholzer Weg alles platt gemacht. Ein Stück Neufahrner Geschichte geht damit zu Ende, aber es wird auch "Platz gemacht für Neues", wie der scheidende Rathauschef es ausdrückt. Wer der oder die Neue ist, für den oder die er selbst mit seinem Rückzug aus der Gemeindepolitik Platz macht, wird womöglich erst eine Stichwahl zeigen. Was am Fürholzer Weg Neues entsteht, ist indessen nach jahrelangen Diskussionen und Planungen genau vorgegeben.

Der Schulneubau dort ist das größte Projekt der Gemeinde in nächster Zeit. Der Komplex umfasst einen Klassenzimmertrakt sowie ein Gebäude für die Mittags- und Ganztagsbetreuung. Die Errichtung des zunächst ebenfalls geplanten Fachklassentrakts wurde vorerst aus Kostengründen aufgeschoben. "Abgespeckt" wurde auch bei der Tiefgarage: Statt 57 werden es nun nur noch 42 Stellplätze. Trotzdem belaufen sich die Kosten für das gesamte Projekt nach den derzeitigen Planungen auf mehr als 17 Millionen Euro. Läuft alles wie erhofft, ist der Neubau bis zum Schuljahr 2015/16 fertig.

Das Großprojekt schluckt die Rücklagen der Gemeinde und engt den finanziellen Spielraum weiter ein, weitere Kredite sind nötig - und ein Thema, das allen ohnehin mehr als bewusst ist, tritt noch stärker in den Vordergrund: Die Einnahmen im Gemeindehaushalt müssen dringend erhöht werden, und alle Bürgermeisterkandidaten haben da die Gewerbesteuer im Blick. Während andere Gemeinden ähnlicher Größenordnung locker achtstellige Summen einfahren, sind es in Neufahrn immer nur um die fünf Millionen Euro. Deshalb ist man sich einig: Die Wirtschaftsförderung muss intensiviert werden. Um neue Betriebe auch jenseits des Logistikgewerbes anzuwerben, müssen bereits ansässige Unternehmen besser betreut und weitere Abwanderungen verhindert werden. Kontrovers diskutiert wird allenfalls die Frage, welchen Umfang die Wirtschaftsförderung haben soll und inwieweit man dabei auch auf die Unterstützung externer Profis setzen will.

Für die Neufahrner geht es nicht nur um Geld, sondern auch um Arbeitsplätze. Schließlich gab es da in jüngerer Zeit empfindliche Einbußen: Mit "Müller-Brot" und "Avon" haben zwei Traditionsunternehmen dicht gemacht, von den Folgen hat sich der örtliche Arbeitsmarkt bis heute nicht erholt. Und immer noch ist offen, wie die Gebäude und Grundstücke künftig genutzt werden sollen. Zumindest für "Avon" hat ein Investmentfonds in nicht-öffentlicher Sitzung inzwischen Vorschläge präsentiert. Im Fall von "Müller-Brot" ist nur bekannt, dass ein Stuttgarter Investor das Gelände erworben hat. Was er damit vorhat, ist - zumindest für die Öffentlichkeit - noch unklar.

Eine weitere Herausforderung für die Kommunalpolitik der nächsten Jahre ist die Gestaltung von Neufahrns "guter Stube": Das Ortszentrum soll noch attraktiver werden, nicht zuletzt um den Einzelhandel im Ort zu stärken. Ein gutes Stück Arbeit wird dem Gemeinderat in dem Zusammenhang auch noch der Bebauungsplan für Marktplatz und Bahnhofstraße machen. Schließlich sollen dort Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt werden. Ein Beispiel: Im Gespräch ist, bei künftigen Bebauungen für Gebäude dies- und jenseits der Bahnhofstraße Mindestabstände vorzuschreiben, damit vielleicht irgendwann einmal genug Platz für einen Radweg entlang der viel befahrenen Hauptstraße ist.

Schon gestellt sind die Weichen für ein Neubaugebiet im Süden. Noch nicht ganz so weit gediehen sind die Vorbereitungen für ein deutlich größeres Vorhaben im Osten: Dort sollen auf 17,5 Hektar über 600 Wohneinheiten entstehen. Danach wäre Neufahrn am östlichen Rand auf einer Länge von 700 Metern um 200 Meter "breiter" und hätte im Bereich zwischen der Grünecker Straße, der Max-Anderl-Straße und dem Kurt-Kittel-Ring 1500 Einwohner hinzubekommen. Auch mit den Folgen für die Infrastruktur muss sich dann der neue Gemeinderat auseinandersetzen.

Ein schweres Erbe treten "die Neuen" in Hetzenhausen an: Die Dorfbewohner sind noch immer verärgert über den geplanten Straßenausbau, für den sie auch selbst ordentlich zur Kasse gebeten werden. Zudem fühlen sie sich überfahren von den Planungen und deren Größenordnung. Mehr Bürgerbeteiligung - in Hetzenhausen wie überhaupt in der ganzen Gemeinde - haben sich auch mehrere Gruppierungen ausdrücklich zum Ziel für die nächste Legislaturperiode gesetzt, und bei den Gemeinderatssitzungen soll die Stimmung ebenfalls wieder besser werden. Das Rathaus, das momentan saniert wird, soll eben nicht nur äußerlich aufgehübscht werden.