Hier bedient der Chef noch selbst "Letzten Endes machen wir unser Geschäft mit der Sucht"

Seit drei Jahren führen Norbert Göbel und seine Frau Monika den Kiosk "Lotto-Tabak-Presse" am Veitsmüllerweg in Freising. Die Geschichte des kleinen Geschäftes reicht zurück bis in das Jahr 1954. Das Angebot hat sich nur unwesentlich verändert.

Von Johannes Schmid, Freising

Seit drei Jahren führen Norbert Göbel und seine Frau Monika den Kiosk "Lotto-Tabak-Presse" am Veitsmüllerweg 3. Sie traten die Nachfolge von Angelika Ziegler an, die den Laden zuvor betrieben hatte. Das Geschäft, das man durchaus als Institution in Freising betrachten kann, gibt es schon seit geraumer Zeit. Die Anfänge machte der Laden noch unter dem Namen "Kiosk Schmatz". "Früher stand der Kiosk da, wo jetzt der Brunnen ist", erzählt Göbel. Der Kiosk wurde 1954 gegründet, damals handelte er vor allem mit Lottoscheinen, Printmedien, Süßwaren und allem, was man sich bei einem Kiosk so vorstellen kann.

Adi Schmatz, der Gründer des Kiosks, betrieb diesen dann, bis er in Rente ging. 1985 musste er aus verkehrstechnischen Gründen abgerissen werden. In dem jetzigen Geschäft lebt die Geschichte des Kiosks aber weiter. Die Göbels sind allerdings mehr zufällig zu dem Laden gekommen: "Unsere Tochter hat sich in einen Freisinger Professor verliebt und ist dann zu ihm gezogen". Norbert und Monika Göbel sind dann nachgezogen, "und da wir früher schon Läden hatten, und dieser gerade frei geworden ist", habe sich das angeboten, hier in Freising weiterzumachen, erzählt Norbert Göbel. Er selbst ist gebürtiger Hesse, dann verschlug es ihn nach Bamberg und der Kinder zuliebe nach München und im Alter schließlich nach Freising. Den Kiosk betreiben Monika und Norbert primär als Hobby, die beiden sind Rentner. "Wir wollen unter Leuten sein", so Göbel.

Im Kiosk wird alles angeboten, was man sich von einem solchen Geschäft erwartet. Vor allem Studenten und ältere Menschen gehören zu den Stammkunden von Norbert und Monika Göbel.

(Foto: Andreas Gebert)

Das Angebot habe sich in der ganzen Zeit nicht fundamental verändert: Auch heute werden dort noch Tabakwaren, Lottoscheine, Zeitschriften und Zeitungen angeboten. Nur ein großer Fernseher ziert jetzt die Wand, auf dem die aktuellen Lottozahlen angezeigt werden, allerdings mehr aus einer Notwendigkeit heraus: "Der Umsatz von Lotto wird weniger, dementsprechend wollen sie modernisieren." Der Konzern hinter Lotto fordere diese Arbeiten von den Anbietern und "in den nächsten Jahren wird da auch noch einiges kommen, da müssen wir leider in den sauren Apfel beißen", so Göbel. Woran der Umsatzeinbruch liegen könnte, kann Norbert Göbel auch benennen: "Viel liegt an den Sportwetten." Der Spielraum sei eng. "Wir sind stark reguliert und können unsere Lizenz schnell verlieren", gibt Norbert Göbel Einblicke in das Geschäftsleben. "Viele spielen auch noch im Internet, vor allem die jungen Leute", fügt er hinzu. Allerdings habe er auch schon viele gute Erfahrungen mit dem Lotto gemacht: "Es ist egal, ob die Leute zwei oder 1000 Euro gewinnen, sie gehen hier immer positiv raus. Das macht uns dann auch Freude, das Geld auszuzahlen."

Der höchste Gewinn im Kiosk in Freising: 3000 Euro

In seiner langen Zeit als Kioskbesitzer in verschiedenen Städten konnte er auch schon einige Lottospieler sehr glücklich machen: "Ab 2500 Euro steht bei uns im System dann nur noch Zentralgewinn. Wenn uns der Kunde darum bittet, können wir anhand der Aushänge überprüfen, wie viel er gewonnen hat." Der höchste Betrag der ihm untergekommen ist, belief sich auf 18 000 Euro, hier in Freising waren es immerhin schon 3000 Euro, erzählt Göbel. Seine Stammkundschaft besteht zu großen Teilen aus älteren Leuten und Studenten.

Der kleine Kiosk am Veitsmüllerweg 3 in Freising hat eine lange Geschichte.

(Foto: Andreas Gebert)

Was den Konsum von Tabak oder alternativen Ersatzstoffen angeht, seien die junge Leute bei ihm aber eher traditionell als modern veranlagt: "Wir sind vor einem Jahr bei den E-Zigaretten eingestiegen, das geht aber so gut wie gar nicht." Kautabak hingegen scheine bei Studenten sehr beliebt zu sein, erklärt Norbert Göbel. In der jüngsten Zeit kam aber dann doch ein neues Standbein dazu, der Laden ist ein Paketshop "wobei das auch manchmal schwierig ist", erzählt der Inhaber. So kam es schon vor, "dass eine Kundin einen unverpackten Vorhang vorbeigebracht hat und dann wollte sie den so zurückschicken." Das hätten sie dann aber nicht annehmen können, so Norbert Göbel. Generell sei der Paketshop aber schon eine gute Sache, denn er generiere Kunden, fügt er hinzu.

"Wir überlegen jeden Tag, ob wir etwas neu machen können"

Das Einzige, was ihn an seinem Beruf störe, sei der Mittwoch, da kämen die vielen Boulevardmagazine: "Die berichten immer entweder über Florian Silbereisen, Helene Fischer oder Boris Becker. Wenn man sich da allein schon die Titelblätter anschaut..." Und wenn es sonst nichts zu berichten gibt, bekämen ein paar Prominente laut Magazin ein Kind, im nächsten stehe dann, dass sie sich schon wieder scheiden ließen.

In Zukunft wollen die Göbels wenig bis gar nichts anders machen, allerdings sei das auch schwierig: "Wir überlegen jeden Tag, ob wir etwas neu machen können. Aber letzten Endes machen wir unser Geschäft mit der Sucht, da ist es schwer, irgendetwas zu verändern", so Norbert Göbel.

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