Freisinger Krankenhaus Grippewelle legt Klinikum lahm

Wegen der Auswirkungen der Grippewelle musste im Freisinger Krankenhaus ein kurzzeitiger Aufnahmestopp verhängt werden (Symbolbild).

(Foto: dpa)

Der ärztliche Direktor muss einen kurzzeitigen Aufnahmestopp verfügen. Die Situation belastet Patienten, Ärzte und Sanitäter.

Von Ann-Kathrin Kapteinat, Freising

Die Grippewelle macht sich in der Region breit, das bekommen derzeit vor allem die Krankenhäuser und Rettungsdienste zu spüren. Doch nicht nur das hohe Patientenaufkommen, auch die krankheitsbedingten Personalausfälle und der allgemein bekannte Pflegekräftemangel sorgen aktuell für Probleme. Denn auch Mitarbeiter in Krankenhäusern bleiben vor den Viren nicht verschont - für Albert Söhl, Geschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes in Freising, Hauptgrund für die Überlastung, durch die es derzeit immer wieder zu Schwierigkeiten kommt, wie etwa am Dienstag, 6. März, im Freisinger Klinikum.

In Münchens Krankenhäusern waren an diesem Tag alle Betten belegt, nichts ging mehr. Deshalb mussten in Freising viele zusätzliche Patienten aufgenommen werden, wie Pressesprecher Christoph Wenzel bestätigte. Letztendlich sei es zum Dominoeffekt gekommen und auch das Klinikum Freising habe sich bei der Leitstelle des Rettungsdienstes abmelden müssen. Nach Absprache mit dem ärztlichen Direktor Christoph Metz sei es im Zeitraum von 17 bis 19 Uhr zu einem Aufnahmestopp gekommen. Dieser sei notwendig gewesen, um eine angemessene Versorgung der bereits wartenden Patienten gewährleisten zu können. Von 19 Uhr an hätten die Einsatzkräfte das Klinikum Freising dann wieder anfahren können.

Nach der Erstversorgung in Freising wurde eine Patient mit dem Hubschrauber nach Nürnberg geflogen

Aktuell sei das Patientenaufkommen zwar noch sehr groß, weggeschickt werde aber niemand, versicherte Wenzel. Die Patienten müssten sich aber auf Wartezeiten einstellen. Für Notfallpatienten stünden neben den Betten auf der Intensivstation auch noch Monitorbetten in der Schlaganfallstation zur Verfügung.

Schwebt eine Person in akuter Lebensgefahr, übernimmt das Klinikum in jedem Fall die Erstversorgung. Ist der Patient stabil, kann er anschließend notfalls in ein anderes Krankenhaus gebracht werden, das noch ein Bett frei hat. Söhl berichtete zum Beispiel von einem Fall, bei dem ein Patient nach der Erstversorgung in Freising mit dem Hubschrauber nach Nürnberg geflogen worden sei.

Der Rettungsdienst muss Patienten aus dem Landkreis Freising manchmal bis nach Ingolstadt bringen

Die problematische Situation dürfte auch an den Kilometerzählern der Einsatzfahrzeuge abzulesen sein. Bis nach Ingolstadt muss der Rettungsdienst seine Patienten manchmal bringen, wenn in Freising und Umgebung kein Platz mehr ist. Belastend ist das nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Sanitäter. Hinzu kommt, dass in dieser Zeit die Einsatzkräfte hier in Freising fehlen, wie Söhl weiß. Stehe im Notfall mal kein Einsatzfahrzeug zur Verfügung, müssten Rettungskräfte aus einem anderen Landkreis oder ein Hubschrauber anrücken, was dementsprechend länger dauere. Beim Roten Kreuz gibt es zum Glück Ehrenamtliche, die nachts und am Wochenende zur Verfügung stehen und die Rettungskräfte entlasten. Unter der Woche, während die Ehrenamtlichen ihrer regulären Arbeit nachgehen, "ist es aber schwierig", sagt Söhl.

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Neben Notaufnahme und Rettungsdienst gibt es natürlich noch andere Anlaufstellen für Patienten. Bei Symptomen, die schon länger vorliegen, oder bei Erkältungssymptomen empfiehlt es sich, zuerst einen Hausarzt zu konsultieren. Damit ersparen sich die Patienten stundenlange Wartezeiten. Nachts, am Wochenende und an Feiertagen sorgt der ärztliche Notdienst (unter der Nummer 116 117) für eine gute medizinische Versorgung im Notfall. Bei manchen Bereitschaftsärzten besteht zudem die Möglichkeit eines Hausbesuchs, was vor allem für ältere Menschen und Kinder von Vorteil ist. In Kürze soll Söhl zufolge zudem eine Notfallpraxis im Klinikum Freising zur Verfügung stehen und die Notaufnahme entlasten.