Freisinger Fotograf Dritte Startbahn: Stumme Zeugnisse des Widerstands

"Mama; Wann schlafen wir, wenn die 3. Startbahn kommt?". Eins der Fotoprojekte von Johannes Lesser ist der Protest gegen die Flughafenerweiterung.

(Foto: Johannes Lesser)

Der Freisinger Johannes Lesser hat mit seinen Fotos den zweiten Platz beim Jugendkulturpreis erreicht. Er studiert Foto-Design und arbeitet in der Freizeit an einem Fotoprojekt, das die Reste des Flughafenwiderstands dokumentiert.

Von Alexander Huber, Freising

"Meine Mama hat gesagt, ich soll mal rausgehen", beschreibt Johannes Lesser den Beginn seiner Leidenschaft. Und weil in den Sommerferien in Freising nun mal sonst nicht viel los sei, habe er dann eben Fotos gemacht. 2014 war das, erinnert sich der 22-Jährige. Heute, etwa fünf Jahre nach der genervten Aufforderung seiner Mutter, fotografiert Lesser immer noch leidenschaftlich, mittlerweile auch im Rahmen seines Fotodesign-Studiums an der Hochschule München.

Im Mai diesen Jahres folgte mit dem zweiten Platz beim Jugendkulturpreis des Freisinger Jugendkreistags dann ein vorläufiger Höhepunkt seiner Karriere als Fotograf. "Es war wahnsinnig cool, auch in Freising Anerkennung für die Arbeit zu bekommen", freut sich Lesser. Er habe den Anruf mit der Mitteilung während einer Vorlesung bekommen, erinnert er sich. Und am Tag darauf sei direkt wieder eine Abgabe fällig gewesen. "Viel Zeit zum Feiern war da nicht." Das werde aber bald im Sommer nachgeholt.

Fotograf Johannes Lesser gewann den zweiten Platz beim Jugendkulturpreis.

(Foto: Andreas Gebert)

Eigentlich wollte Lesser politische Artikel schreiben

Lesser stammt eigentlich aus Augsburg, lebt jedoch seit 2010 in Freising. Ab 2015 habe er den Plan gefasst, irgendwann auch professionell zu fotografieren. Damals ging er in Freising auf die Fachoberschule, bei der dortigen Schülerzeitung "Zoom" wollte er eigentlich politische Artikel schreiben. "Meine Fotostrecken sind dann aber besser angekommen als die recht trockenen Texte", erinnert er sich. In den ersten Jahren fotografierte Lesser vor allem Landschaften, die meisten davon in und um Freising. In der Natur könne man das Fotografieren nun einmal am besten lernen. "Landschaften laufen nicht weg und haben keine Erwartungen an deine Fotos", erklärt er, warum. In seiner Freizeit ist Lesser immer noch gerne zum Fotografieren in der Natur unterwegs. "Landschaften fotografieren ist super, um den Kopf frei zu kriegen", meint er.

Der nächste Schritt als Fotograf ist für ihn jedoch die Porträtfotografie. Zum Üben fährt Lesser meist nach München - als Models müssen Freunde und Bekannte herhalten. Ein Hobby ist das nicht mehr. "Ich ordne alles der Fotografie unter", stellt der 22-Jährige klar. In seinen Fotos stecke jede Menge Arbeit. Wenn er mit seiner Kamera losziehe, habe er schon durchschnittlich drei bis vier Stunden mit der Vorbereitung des Shootings verbracht, rechnet Lesser vor. In dieser Zeit liest er Wetterkarten und sucht nach den perfekten Bedingungen für seine Aufnahmen. Das eigentliche "Shooten", wie er das Fotografieren nennt, gehe dann meist relativ schnell. Das anschließende Nachbearbeiten der Bilder dagegen kann schon mal mehrere Tage dauern - hin und wieder gehe für eine Aufnahme auch ein ganzes Wochenende drauf. Lesser hat damit kein Problem, "wenn es das am Ende wert ist".

Eins seiner Projekte: Der Widerstand gegen die Dritte Startbahn

Einen Großteil seiner Fotos macht er mittlerweile für sein Studium. In letzter Zeit beschäftigte er sich dabei unter anderem mit dem Widerstand gegen die dritte Startbahn in Freising und Umgebung. "Ich wollte wissen, was noch vom Kampf gegen die Startbahn übrig ist", erklärt Lesser die Idee hinter dem Fotoprojekt. Der junge Fotograf machte sich also mit dem Fahrrad auf den Weg durch die Stadt und die umliegenden Gemeinden und dokumentierte die Banner, und Transparente, die an einigen Orten noch zu sehen sind. Diesen stummen Zeugnissen des Widerstands - viele davon schon alt und verwittert - wolle er in der Fotoserie die gigantischen modernen Bauprojekte am Flughafen gegenüber stellen. Es sehe dabei nicht danach aus, als hätten die Verantwortlichen beim Flughafen den Bau der dritten Start- und Landebahn aufgegeben.

Im Gegenteil: Im vergangen Jahr hatte die Landesregierung zwar verlauten lassen, fünf Jahre lang, also bis 2023, nicht mit dem Bau der Bahn zu beginnen. Mit seiner Expansionspolitik, glaubt Lesser, wolle der Flughafen aber die Erweiterung nach Ablauf des Moratoriums dann mehr oder weniger erzwingen. Lesser ist klar dagegen. "Ich will kein Drehkreuz bei uns in der Stadt", macht er deutlich. Es brauche schlicht kein zweites solches Drehkreuz nur wenige Zugstunden vom Flughafen in Frankfurt am Main entfernt. Das Fotoprojekt zum Thema, betont er, sei noch nicht abgeschlossen - er arbeite weiterhin in seiner Freizeit daran.

Sein Tipp für Anfänger: Viel ausprobieren

Lesser möchte auch in Zukunft in Freising leben, wenn sich das mit seinem Berufswunsch vereinbaren lässt. Er fühle sich pudelwohl in der Domstadt, dementsprechend sei er auch nicht für sein Studium nach München gezogen. Die viele Pendelei mache ihm nicht aus - die vielen Zugfahrten seien schließlich eine optimale Gelegenheit zum Lesen.

Fotografieanfängern rät der frischgebackene Preisträger: Viel üben und ausprobieren, Speicherplatz koste heutzutage schließlich nichts mehr und auch mit verhältnismäßig kostengünstigem Equipment könne man schon viel erreichen. Wohin genau seine eigene Zukunft geht, weiß Lesser indes noch nicht. Zunächst einmal wolle er sich ganz auf sein Studium konzentrieren. Die Konkurrenz auf dem Fotografenmarkt sei heute schließlich groß. "Ich bin da durch Glück reingefallen, das ist für mich eine Riesengelegenheit", betont Lesser. Im Moment ist er auf gutem Weg, sie zu nutzen.

Wer sich für Johannes Lessers Bilder interessiert, wird fündig unter www.instagram.com/jorizon/?hl=de sowie unter www.500px.com/johannes-lesser.

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