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Kommunalwahl in Freising:ÖDP gewinnt Startbahngegner Binner für ihre Liste

Demo gegen dritte Startbahn

Hartmut Binner (rechts), hier mit Florian Herrmann (CSU) bei einer Demonstration, ist eines der Gesichter des Widerstands gegen die Startbahn. Die ÖDP hat ihn jetzt auf ihre Stadtratsliste gesetzt.

(Foto: Lukas Barth)

Die Ökodemokraten können mit Hartmut Binner eines der Gesichter des Widerstands gegen die Startbahn für ihre Kandidatenliste gewinnen. Ob die Partei in Freising einen eigenen OB-Kandidaten aufstellt, ist noch offen

Der ÖDP ist ein Coup gelungen: Sie hat Hartmut Binner, eines der Gesichter des Widerstands gegen die Startbahn, für ihre Stadtratsliste gewonnen. Er kandidiert auf Platz fünf. Vor drei Jahren hatte Binner sein Amt als Sprecher des Aktionsbündnisses "Aufgemuckt" aufgegeben. Den Kampf gegen das Großprojekt bezeichnete er als seine "Lebensaufgabe". Deshalb würde er künftig gern als "Wächter" im Stadtrat die weitere Entwicklung im Auge behalten, wie er am Mittwochabend im Hofbrauhauskeller bei der Aufstellungsversammlung der ÖDP sagte. "Ich bleibe hellwach und kampfbereit." Noch sei der Bau einer dritten Startbahn nicht vom Tisch, warnte er, auch wenn einige Gegner des Projekts davon ausgingen.

Derzeit stellt die ÖDP in Freising zwei Stadträte. Ulrich Vogl, der dem Gremium bereits seit 24 Jahren angehört, steht wieder auf Platz eins der Liste. Als "Herzensanliegen" bezeichnete er den Umbau Freisings in eine "Fahrradstadt". Außerhalb der Innenstadt "gibt es null Fahrradinfrastruktur", kritisierte er. Auf Platz zwei bewirbt sich Emilia Kirner um einen Sitz im Stadtrat, sie möchte dort "die Stimme der Jugend" sein. Beim öffentlichen Personennahverkehr sieht Kirner, die stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Ökologen ist, "extremen Verbesserungsbedarf", was die Taktung angeht. Außerdem seien die Busse in Freising sehr "bahnhofszentriert" ausgerichtet, das würde sie gerne ändern.

Die Kandidaten

1. Ulrich Vogl, 2. Emilia Kirner, 3. Reinhold Reck, 4. Peter Helfert, 5. Hartmut Binner, 6. Elke Düsberg, 7. Karl Auerswald, 8. Bianka Mikan, 9. Sophie von Brühl, 10. Josef Beck, 11. Werner Zacharias, 12. Johanna Stadler, 13. Markus Kelnhofer, 14. Monika Hobmair, 15. Paul Fiegert, 16. Dorothea Fleckhammer, 17. Hans-Jürgen Scheifele, 18. Annabell Babl, 19. Sascha Marterer, 20. Rebecca Leister, 21. Martin Bauer, 22. Gunnar Wende, 23. Uta Hunsicker, 24. Hubert Sailer, 25. Sylvia Fiegert, 26. Matthias Biederbeck, 27. Annelie Schwarz, 28. Ludger Rickert, 29. Hedwig Bauer, 30. Stefan Hobmair, 31. Barbara Engl-Schweiger, 32. Hans-Georg Schwarz, 33. Anneliese Vogl, 34. Kurt Diller, 35. Eva-Maria Müller, 36. Dieter Wittmann, 37. Gisela Zinkernagel, 38. Herbert Rauch, 39. Wilhelm Albrecht, 40. Wolfgang Reinhardt. Ersatz: Alfred Schinhammer, Monika Winhart. psc

Reck wirbt mit genossenschaftlichem Wohnen, Hobmair will Jüngeren den Vortritt lassen

Der ÖDP-Ortsvorsitzende Reinhold Reck folgt auf Platz drei. Er stellte bei der Versammlung ein Drei-Säulen-Modell zur Verbesserung der Wohnungssituation in Freising vor. Die Stadt müsse ihre Bautätigkeit ausbauen und sich vor allem im geförderten Wohnungsbau stark engagieren. Wiederbelebt werden sollte das genossenschaftliche Wohnen, forderte Reck. Eine weitere Option seien Bauherrengemeinschaften. Allerdings sollte Freising keine städtischen Grundstücke mehr veräußern, die Projekte sollten jeweils über Erbpacht realisiert werden.

Monika Hobmair, für die im April 2020 ihre zweite Amtszeit als Stadträtin zu Ende geht, hat sich bewusst nicht ganz nach vorne auf die Liste setzen lassen. Sie kandidiert nur auf Platz 14, um im Stadtrat "Platz für Jüngere" zu machen, wie sie sagte. Ob die ÖDP in Freising einen eigenen OB-Kandidaten aufstellen wird, ist laut Ulrich Vogl noch offen. Ebenfalls unklar sei, ob die Partei einen Bewerber für das Amt des Landrats ins Rennen schicken wird.

Zu Beginn zog der Ortsvorsitzende eine positive Bilanz. 2o19 sei ein recht erfolgreiches Jahr, sagte er und verwies auf das Artenschutz-Volksbegehren. Auch den Wiedereinzug ins Europaparlament habe die ÖDP geschafft. In der Amtszeit des aktuellen Stadtrats in Freising sei viel gebaut worden, Reck nannte als Beispiel die Westtangente. Freising habe in den vergangenen Jahren viel "in Beton und Sand investiert", jetzt aber kämen durch den Klimawandel andere Herausforderungen. Es müsse gelingen, "unsere gesamte Lebensweise massiv zu verändern", sagte er. "Die Dramatik der Situation kommt so langsam in der Bevölkerung an." Neu sei dieses Wissen nicht, vieles habe der Club of Rome schon vor 50 Jahren aufgezeigt. Reck sprach sich dafür aus, dass die Stadt Freising den Klimanotstand beschließen solle. Auch die übrigen Kandidaten nannten überwiegend den Klimaschutz und Verbesserungen beim ÖPNV und Fahrradwegen als Ziele.

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