Freising Berufswunsch: "Irgendwas mit Tieren . . ."

Wer Metzger wird, so wie Steffen Schütze, der kann logischerweise den ganzen Tag "mit coolen Säuen abhängen".

(Foto: Marco Einfeldt)

Metzgermeister Steffen Schütze ist mit seiner Image-Kampagne zum Facebook-Star geworden.

Von Christian Gschwendtner, Freising

Da steht er also hinter der Theke, der "coolste Fleischer Deutschlands", und spießt Namensschilder in seine Produkte. Es ist Freitagnachmittag. Im Zehn-Sekunden-Takt schwingt die Edelstahltür hinter der Verkaufsvitrine auf und zu, es ist gerammelt voll im Laden von Steffen Schütze. Die Leute wollen Fleisch.

Genau genommen wollen sie das Fleisch der Metzgerei Hack. Steffen Schütze, 35, ist der Inhaber. Und also solchem ist ihm nun gelungen, was bisher wohl noch keinem Vertreter seiner Zunft gelungen ist: Der Metzgermeister Schütze ist ein Facebook-Star geworden - gewissermaßen über Nacht.

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Vor dem Ruhm stand aber zunächst die Verzweiflung. Denn Anfang des Jahres befand sich Steffen Schütze in einer äußerst misslichen Lage. Er suchte Lehrlinge für seinen Betrieb, fand aber keinen Einzigen. Also tat er das eigentlich Naheliegende: Schütze fing damit an, dort um die Gunst des Nachwuchses zu werben, wo dieser bevorzugt seine Lebenszeit verbringt: auf Facebook (FB).

Seit dem 20. März feuert die Freisinger Metzgerei Hack daher auf ihrer FB-Seite eine Image-Kampagne ab, die unter Handwerksbetrieben ihres gleichen sucht. Das Blog "Schlecky Silberstein" mit seinen 110 000 Followern findet die Aktion "fett". Ganz besonders in Zeiten, in denen jeder Teenager als Berufswunsch "Youtuber" angebe.

Genau auf diese Misere zielt auch der jüngste FB-Coup der Metzgerei Hack. Statt irgendwas mit Medien zu machen, legt man der Jugend einen anderen Berufswunsch ans Herz: "Irgendwas mit Tieren ..." Auf dem dazugehörigen Bild ist dann folgerichtig eine Metzgerei-Fachverkäuferin zu sehen, die einen Mett-Igel mit ihrer ganzen Zärtlichkeit beschenkt. "Großes Tennis" sei das, was da in Freising gerade gespielt wird, befand der Fake-Harald-Schmidt auf Twitter, der ähnlich viele Leute erreicht, wie das Blog "Schlecky Silberstein".

Bereits vor seinem legendären Mett-Igel-Post hatte Steffen Schütze die versammelte FB-Gemeinde gefragt: "Du willst mit coolen Säuen abhängen?" Nur um die Antwort dann gleich vorwegzunehmen: Falls ja, lieber Jugendlicher, dann komm bitte zu uns. Ein so eingeschlagener Karriereweg wäre im firmeneigenen Sprachkodex, logisch, der "Highway to Hack!".

Weil aber Steffen Schütze nicht nur verstanden hat, wie das Internet funktioniert, sondern auch noch weiß, wie die junge Generation tickt, umgarnt er potenziellen Azubis mit mehr als nur netten Bildern. Während der Ausbildung wird jeder Lehrling mit einem iPhone 6 inklusive Flatrate ausgestattet. "Früher war das Auto wichtig, heute ist es das iPhone", glaubt der Metzgermeister. Ganz falsch dürfte er damit nicht liegen. Seit dem Start der Aktion haben sich immerhin schon zwei Interessenten bei ihm gemeldet.

Doch nicht allen gefällt der Trubel, den die Metzgerei Hack da auf Facebook ausgelöst hat. Gegner des Fleischkonsums sehen in der Kampagne einen billigen Manipulationsversuch. "Was für eine peinliche Werbung", schreibt eine Nutzerin. Andere finden den Humor wahlweise geschmacklos oder zynisch. Das Thema Fleisch spaltet die Gemüter.

Auch Steffen Schütze weiß um das schlechte Image des Metzgerberufes. "Als Metzger muss man damit leben, dass man von militanten Veganern angefeindet wird", sagt der Chef. Prinzipiell hätte er aber gar nichts dagegen, in seinem Laden auch vegane Wurst anzubieten. Die müsste dann nur handwerklich produziert sein. Industrieware lehnt Steffen Schütze kategorisch hab. Sein Fleisch bezieht er von einer bäuerlichen Erzeugergemeinschaft aus Schwäbisch Hall. Keine genmanipulierten Futtermittel, keine Wachstumshormone, das ist ihm wichtig.

Ganz allgemein ist der Freisinger Fleischer angetreten, um dem Metzger-Handwerk zu neuem Glanz zu verhelfen. "Ich will es wieder sexy machen", sagt Steffen Schütze. Ob ihm das gelingt, wird sich Ende August zeigen. Bis dahin hofft Schütze, endlich zwei neue Lehrlinge gefunden zu haben. Mindestens solange wird die Facebook-Werbetrommel noch fleißig weiter gerührt. "Es kommen noch einige Posts, es ist noch lange nicht Schluss", verspricht Schütze.

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