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Ausblick auf das Jahr 2021:In Freising bewegt sich einiges

Ein virtueller Stadtspaziergang mit dem Oberbürgermeister zeigt: Viele Großprojekte kommen gut voran.

Von Kerstin Vogel, Freising

"Schnell geht in der Kommunalpolitik gar nichts", hatte Freisings Oberbürgermeister Anfang 2015 festgestellt, als er mit der Freisinger SZ erstmals zu einem "Stadtspaziergang" aufgebrochen war, um zum Jahresbeginn die großen Bauprojekte je nach Fortschritt mit einer Plus- oder einer Minus-Bewertung zu versehen. Drei Jahre in Folge war Tobias Eschenbacher danach jeweils zum Jahreswechsel mit der Lokalzeitung von Station zu Station spaziert, um nach einer Pause in den Jahren 2019 und 2020 heuer nun Corona-konform aus der Ferne über den Fortschritt in Freising zu urteilen.

Immer noch steht am Ende die Erkenntnis: Es geht zwar nicht schnell - aber es geht. Vieles steht derzeit naturgemäß zudem unter einer Art "Corona"-Vorbehalt, weil niemand wirklich sagen kann, wie sich die Finanzen der Stadt entwickeln und ob alle Bauvorhaben im geplanten Zeitrahmen umgesetzt werden können. Und auch wenn Eschenbacher einigermaßen optimistisch ist, dass die Stadt "mit einem blauen Auge aus der Krise kommt", rechnet er mit ein bis zwei Jahren Verzögerung bei einigen Projekten.

Kombibad

Die Erfolgsgeschichte des Fresch-Bades ist durch Corona unterbrochen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Ausgangspunkt des Spaziergangs war in all den Jahren stets das neue Kombibad am Rabenweg in Lerchenfeld. Anfang 2018 von Eschenbacher zuletzt mit einem "dicken Plus" versehen, wurde das kombinierte Hallen- und Freibad im März 2019 eröffnet - nicht ganz drei Jahre nach dem ersten Spatenstich im April 2016. Statt der kalkulierten 32 Millionen kostete der Neubau knapp 40 Millionen - die sich schon Ende 2019 abzeichnende Erfolgsgeschichte wurde 2020 indes durch Corona ausgebremst. Wann der Betrieb 2021 wieder anläuft, steht entsprechend in den Sternen.

Bahnposten 15

"Das bringe ich in dieser Amtszeit nicht mehr fertig", hatte Eschenbacher Anfang 2018 über den barrierefreien Umbau der Unterführung am ehemaligen Bahnposten 15 gesagt und das Projekt mit einem Minus bewertet - eine richtige Einschätzung, wie man heute weiß. Inzwischen stellt sich eher die Frage, ob das unschöne Nadelöhr für alle, die zu Fuß oder mit dem Rad von Lerchenfeld in die Innenstadt wollen, wenigstens in seiner zweiten Amtszeit wird beseitigt werden können. Die hat am 1. Mai 2020 begonnen und dauert sechs Jahre, doch die komplizierten Eigentumsverhältnisse und Eingriffe in Privatgrund, die dort erforderlich wären, geben nach wie vor nicht unbedingt Anlass zu großer Hoffnung - selbst wenn es auch im neuen Stadtrat wohl niemanden gibt, der das Projekt nicht sofort angehen würde.

Aktuell läuft ein Bebauungsplanverfahren, um eine Rechtsgrundlage für den Umbau der Unterführung zu schaffen - und laut Eschenbacher hängt nun viel davon ab, ob es juristische Schritte gegen den Bebauungsplan gibt oder sich "vielleicht doch alles in Wohlgefallen auflöst". Im Haushalt der Stadt für 2021 ist wie in jedem Jahr eine Summe eingeplant, die zur Verfügung steht, falls eine kurzfristige Verbesserung umgesetzt werden könnte.

Und was grundsätzlich eine verbesserte Erreichbarkeit des Stadtteils Lerchenfeld für Radler angeht, so werden laut Eschenbacher nicht nur Verbesserungen an den beiden "Mauselöchern", also den kleinen Unterführungen zum Volksfestplatz und an der Esso-Tankstelle geprüft, sondern die Stadt will 2021 auch die Kappen-Verbreiterung an der Isarbrücke in Angriff nehmen - immerhin ein 40-Millionen-Euro-Projekt.

Untere Altstadt

Beim Umbau der Altstadt ist inzwischen der Bereich von der Heiliggeistgasse bis zum östlichen Ende der Unteren Hauptstraße und den Übergängen in die Weizengasse und die General-von-Nagel-Straße fertig. Mit der verkehrsrechtlichen Anordnung einer Spielstraße wird hier auch seit geraumer Zeit das künftige Verkehrskonzept für die Innenstadt getestet: Es soll Schrittgeschwindigkeit gefahren und nirgends geparkt werden. Die Umsetzung allerdings lässt bisher zu wünschen übrig, was 2020 bereits wieder den Ruf nach einer Fußgängerzone für die Freisinger Innenstadt hat laut werden lassen - auf dem Fuß gefolgt von den hinlänglich bekannten Gegenargumenten.

Die Entscheidung über die entsprechenden Anträge könnte nun eine der ersten des neuen Jahres werden. Oberbürgermeister Eschenbacher könnte sich persönlich durchaus eine Fußgängerzone für Freising vorstellen, wenn sich Lösungen für den Lieferverkehr, die Erreichbarkeit der Arztpraxen und die Anwohner finden ließen. Allerdings denkt er, dass der Umbau der Innenstadt zunächst komplett fertiggestellt werden sollte. "Es ist schwierig so ein neues Konzept noch in der Bauphase zu beurteilen."

Angerbaderareal

Für das Angerbaderareal unterhalb der Hochtrasse will die Stadt Freising bereits seit Jahren einen Bebauungsplan aufstellen, weil in diesem Bereich letzte Flächen für fehlende Einzelhandelsangebote oder beispielsweise ein kleines Programmkino frei wären. Außerdem soll hier städtebaulich ein weiterer Eingang in die Innenstadt geschaffen werden. Die Maßnahme stehe wie 22 andere in der einstimmig beschlossenen Innenstadtkonzeption, bestätigt Eschenbacher, "daran hat sich insgesamt ja nichts geändert." Unabhängig von all den Überlegungen hinter den Kulissen hat hier zuletzt ein Supermarkt wieder aufgemacht, damit ist zumindest die Kritik der Innenstadtbewohner wegen mangelnder Einkaufsmöglichkeiten ein wenig verstummt.

Asamgebäude

Mit einem "schönen Zwischen-Plus" hatte der Oberbürgermeister 2018 die Sanierung des Asamgebäudes und dessen Umbau in ein modernes Kultur- und Bürgerhaus versehen. Dass das Projekt, das zu dem Zeitpunkt noch im Zeit- und Kostenplan lag, jedoch Ende 2020, Anfang 2021 fertig werden könnte, erwies sich als zu optimistische Hoffnung - und tatsächlich hatte Eschenbacher schon damals eingeschränkt, dass das natürlich unter anderem von der Zuteilung der erwarteten Zuschüsse und anderen Faktoren abhänge. Die Kosten für das Projekt haben sich unterdessen auf knapp 52 Millionen Euro erhöht und mit einer Fertigstellung rechnet der Oberbürgermeister unter den neuen Bedingungen nun erst 2022. Mit der Inneneinrichtung könne es auch 2023 werden, auf jeden Fall aber werde man vor dem "Korbiniansjahr" 2024 fertig.

Moosachöffnung

Die Moosachöffnung wird in diesem Jahr vorangetrieben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Bauarbeiten zur Öffnung der Stadtmoosach an der Oberen Hauptstraße haben unübersehbar begonnen und werden 2021 mit Hochdruck vorangetrieben. "Das ist schon eine echt massive Baustelle", räumt Eschenbacher ein, "aber ich glaube, das wird toll". Nach wie vor habe er auch den Eindruck, dass die Unterstützung der Bevölkerung für dieses spezielle Projekt sehr groß sei, "sogar unter den Betroffenen". In der Stadtverwaltung stehe wirklich jeder dahinter, versichert der Oberbürgermeister und man sei guter Dinge, bis 2022 fertig zu werden. Dann stehe nur noch die Mittlere Altstadt aus, deren Zeitplan aber mit den Feierlichkeiten und der Landesausstellung im Korbiniansjahr koordiniert werden solle: "Zu diesem Anlass muss man sich ja in der Stadt bewegen können."

Wie erwartetet hätten sich auch zahlreiche Anwohner der Innenstadt von den Bauarbeiten dazu animieren lassen, ihrerseits Sanierungsarbeiten zu beginnen, hat Eschenbacher festgestellt. Inwieweit einzelne nun von der Corona-Krise betroffen seien, müsse man abwarten. "das ist alles immer ein wenig unberechnbar - und einige trifft es wirklich hart."

Bushaltestelle Johannisstraße

Zu der Bushaltestelle an der Johannisstraße soll es Details geben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Etwas vorangehen dürfte 2021 dagegen bei der ebenfalls aus der Innenstadtkonzeption stammenden Idee, an der Johannisstraße einen eigenen Halt für Touristenbusse einzurichten. Die 2017 erstmals dazu vorgelegte Planung war zunächst von einigen Stadträten, vor allem aber von einer eigens gegründeten Bürgerinitiative als überdimensioniert empfunden worden. Einer abgespeckten Variante hat der Planungsausschuss des Stadtrats im Herbst vergangenen Jahres zugestimmt - wenn auch mit einer nur knappen Mehrheit. Eschenbacher erwartet, dass 2021 zumindest die Detailplanung fertiggestellt werden kann.

Parkhaus im Westen

Der Bau eines neuen Parkhauses im Westen der Altstadt galt lange als wichtiger Punkt aus der neuen Innenstadtkonzeption. Die Umsetzung allerdings erwies sich schnell als schwierig, weil der Stadt der geeignete Grund fehlte. Und auch wenn die Stadt laut Eschenbacher inzwischen ein größeres Areal in dem in Frage kommenden Bereich gekauft hat und deshalb "besser agieren kann", wäre man für eine Umsetzung immer noch auf Privateigentümer angewiesen. Tatsächlich erwartet der Oberbürgermeister für diesen einen Punkt der Innenstadtkonzeption möglicherweise auch noch mal eine politische Diskussion, "weil einige zuletzt ja eher wegwollten von der Schaffung zu vieler neuer Parkplätze".

Westtangente

Ein Haken kann in diesem Jahr hinter ein wahres "Jahrhundertprojekt" gesetzt werden. Im Spätsommer oder Frühherbst soll die in Freising seit Jahrzehnten heiß umstrittene Westtangente fertig werden - für am Ende wohl knapp 134 Millionen Euro. Immer wieder war in den vergangenen Jahren um die ständigen Kostensteigerungen gestritten worden, vor allem die Grünen hatten deshalb teilweise gegen den gesamten Haushalt der Stadt gestimmt - bis nun der Etat für 2021 erstmals seit langem einstimmig verabschiedet werden konnte. An der Existenz der Straße nebst mittlerweile fertiggestelltem Tunnel unter Vötting lässt sich auch schlicht nicht rütteln.

Bis zur endgültigen Freigabe in der zweiten Jahreshälfte muss noch der Bau des Kreisels zur Anbindung der Staatsstraße St 2084 (Freising - Allershausen) an Weihenstephaner Ring, Griesfeld- und Thalhauser Straße zu Ende gebracht werden. Von diesem Wochenende an wird deshalb die in einer ersten Phase gesperrte Thalhauser Straße wieder in beide Fahrtrichtungen nutzbar sein. Im Gegenzug werden in der neuen Ausbauphase der Weihenstephaner Ring sowie die Griesfeldstraße komplett gesperrt.

Oberbürgermeister Eschenbacher hofft, dass die erwartete Entlastung der Freisinger Innenstadt durch die Westtangente dann möglichst bald spürbar wird, damit sich die Verkehrspolitik künftig vor allem auf Maßnahmen für die Fahrradfahrer in der Stadt selber konzentrieren kann - und dass sich bereits umgesetzte Vorhaben wie etwa die Fahrradspur an der Kammergasse zunehmend als richtig und sinnvoll erweisen.

Dass für die Stadt Freising das nächste Problem mit dem nur zweispurigen Nadelöhr an der Schlüterbrücke quasi schon wartet, weist Eschenbacher zurück: Die Brücke gehöre dem Landkreis, die Stadt Freising sei beim ausstehenden Ausbau des Knotenpunktes dort höchstens "Juniorpartner". Was den ebenfalls geplanten Isarsteg im Süden der Stadt angeht, so sieht es damit für Eschenbacher aktuell "ganz gut aus". Man habe die Variante mit dem geringstmöglichen Eingriff in die Isarauen gefunden und wolle 2021 eine endgültige Version beschließen, als "wichtige Verbindung nach Lerchenfeld und als Beitrag zum Klimaschutz".

Schulen im Steinpark

Mit dem Bau der neuen Schulen im Steinpark ist 2020 noch ein weiteres millionen-schweres Großprojekt hinzugekommen, das aus dem Stadtsäckel bezahlt werden muss. Immerhin 71 Millionen Euro sind aktuell für das Projekt veranschlagt - die finanziell gesehen größte Hochbaumaßnahme in der Stadtgeschichte.

Neben der Grund- und einer Mittelschule entstehen am Steinpark eine Dreifachturnhalle mit Tribüne sowie eine Tiefgarage. Die Halle soll auch für Veranstaltungen und für den Vereinssport genutzt werden. Außerdem erhält die Stadtverwaltung im Untergeschoss dringend benötigte Lagerflächen. Wenn der Rohbau wie geplant im Frühjahr 2021 fertig wird, geht es mit den Ausbauarbeiten los. Läuft auch hier alles nach Plan, sollen in den neuen Schulen von September 2022 an etwa 1100 Schüler in 44 Klassenzimmern unterkommen. Für ein Projekt dieser Größenordnung und dafür, dass Corona natürlich auch den Bau behindere, "läuft das ganz gut", sagt Oberbürgermeister Eschenbacher.

Generell sei die Stadt an einem Punkt, an dem sich die zahlreichen Großprojekte der vergangenen Jahrzehnte langsam der Vollendung nähern oder - wie das Kombibad - fertig gestellt sind. Neben den Steinpark-Schulen und den Kitas, die ohnehin laufend ausgebaut werden müssten, könne deshalb in den kommenden Jahren auch in andere Schulen investiert werden, schildert der Oberbürgermeister und zählt unter anderem den Neubau und die Erweiterung der Schule in Vötting für gut 40 Millionen Euro sowie die Erweiterung der Schule St. Lantpert und die Sanierung der St.- Korbiniansschule auf.

Wohnungsbau

Gezählt sind die Tage der Wohnblöcke an der Oberen Pfalzgrafstraße.

(Foto: Marco Einfeldt)

Investieren wird die Stadt auch im neuen Jahrzehnt in den Wohnungsbau. Nach dem Bau von 115 städtisch geförderten Wohnungen an der Katharina-Mair-Straße sollen nun die städtischen Mehrfamilienhäuser mit 64 teilweise bereits nicht mehr nutzbaren Wohnungen an der Johann-Braun-Straße abgerissen und durch eine neue Anlage für gefördertes Wohnen ersetzt werden. Insgesamt werden hier in zwei Bauabschnitten 82 neue Wohnungen entstehen, die alten Gebäude sollen in zwei Stufen abgerissen werden.

Nicht ohne Stolz listet der Freisinger Oberbürgermeister zudem das neues Wohnprojekt an der Oberen Pfalzgrafstraße auf, das als Modellprojekt für klimaangepasstes und nachhaltiges Bauen mit finanzieller Unterstützung des Freistaats umgesetzt werden soll. Insgesamt geht es hier um acht bebaubare, städtische Grundstücke, auf denen aktuell noch fünf stark sanierungsbedürftige Wohnhäuser mit 68 geförderten Wohnungen stehen. Der Planungsausschuss des Stadtrats formulierte als Ziel eine "zeitgemäße und qualitätsvolle Neubebauung des Areals mit etwa 100 Wohnungen" und einem Grünzug samt Fuß- und Radweg entlang des Angerbachs.

Was Themen wie klimaangepassten Wohnbau angehe, sei die Stadt Freising "sehr weit vorne", lobt Eschenbacher die Anstrengungen auf diesem Gebiet, die möglicherweise auch in anderer Hinsicht noch einmal wichtig werden könnten. Denn wenn Eschenbacher auch denkt, dass die Stadt selber einigermaßen glimpflich durch die Corona-Pandemie kommen wird: Dass es Bürgerinnen und Bürger gibt, die von der Krise wirklich schwer getroffen werden, ist ihm natürlich nicht entgangen. Manch einer könne wirklich in existenzielle Schwierigkeiten bis hin zum Verlust der Wohnung geraten - und dann sei es an der Stadt, möglicherweise mit bezahlbarem Wohnraum zu helfen.

© SZ vom 16.01.2021
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