SZ-Serie: Hier bedient der Chef noch selbst Unternehmer mit mehreren Standbeinen

Bunt und vielseitig: Als Atelier für Grafik und Gestaltung war der Foto-Copy-Service von Wolfgang Metzner vor mehr als 30 Jahren an den Start gegangen. Das einfache Kopiergeschäft ist mit der Zeit weggefallen. Umso wichtiger sind Spezialaufträge.

(Foto: Marco Einfeldt)

Wolfgang Metzner betreibt an der Vöttinger Straße in Freising einen Foto-Copy-Service. Er hat das Auf und Ab der Branche erlebt.

Von Johannes Schmid, Freising

Seit mehr als 30 Jahren führt Wolfgang Metzner den Foto-Copy-Service an der Vöttinger Straße 34 a in Freising. Ums Kopieren ging es allerdings nicht von Anfang an: "Begonnen habe ich mit einem Atelier für Grafik und Gestaltung, danach kam der Foto-Service, eine Annahmestelle für Fotoarbeiten mit Fotostudio. Meine eigene Dunkelkammer hatte ich auch", erzählt Metzner.

Ganz einfach war die Weg dorthin nicht. Als er seinen Standort von der Johannisstraße an die Vöttinger Straße verlegte, habe er auch einen Leasingvertrag für einen Kopierer unterschrieben. "Aber diesen konnte ich Gott sei Dank noch widerrufen, nachdem ich gemerkt habe, dass der Copyshop, der einen Monat vor mir aufgemacht hatte, noch wesentlich besser aufgestellt war als ich", schildert Metzner. Dieser Shop habe sich dann mit einem anderen Laden preismäßig "bis zum Nullpunkt" bekriegt. "Die Kopien kosteten da teilweise nur noch ein, zwei Pfennig", erinnert sich Metzner. Dann habe einer der Copyshops einen neuen Besitzer bekommen, der mit dem Inhaber des anderen Geschäfts befreundet war - und "über Nacht waren die Preise wieder normal".

Zunächst nur ein Fotogeschäft

Ihm selber sei das Ganze aber damals nicht so nahe gegangen, "ich habe ja nur mein Fotogeschäft gehabt", erzählt Metzner von den Anfängen seines Ladens. Die Konkurrenz sei mit der Zeit verschwunden: Der eine Copyshop habe ein paar krumme Dinger mit manipulierten Zählerständen an den geleasten Druckern gedreht. Als das herauskam, sei der Laden schnell weg gewesen.

Bunt und vielseitig: Als Atelier für Grafik und Gestaltung war der Foto-Copy-Service von Wolfgang Metzner vor mehr als 30 Jahren an den Start gegangen. Das einfache Kopiergeschäft ist mit der Zeit weggefallen. Umso wichtiger sind Spezialaufträge.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Kopiererei sei dann schnell mehr geworden. "Ich habe mir größere, schnellere Geräte reingestellt." Textildruck nahm er mit dazu. Das mache er heute noch, erzählt Wolfgang Metzner. Inzwischen aber hat sich vieles verändert: Bis vor 15 Jahren seien die Studenten noch täglich vorbeigekommen, "man hat sich gekannt". Aber seit alles online gestellt ist, "ist die Kopiererei quasi gestorben". Das Kopieren mache noch vielleicht fünf Prozent aus, der Rest sei Drucken.

Wolfgang Metzner führt das Geschäft ganz allein

Sein ergiebigstes Geschäft sei mittlerweile das mit den Abschlussarbeiten der Studenten: "Das geht von Seminar- über Masterarbeiten bis hin zur Dissertation und Habilitation", was er übrigens ebenfalls im Haus macht. Er habe dafür moderne, spezielle Maschinen, die ihm viel Arbeit abnehmen, "deshalb kann ich das hier auch alleine machen", erzählt Wolfgang Metzner, der sein Geschäft komplett allein führt. Die Hochschulen machten ungefähr 50 Prozent seiner Kundschaft aus, die andere Hälfte seien Privatpersonen, Architekten und Firmen, auch eine große Airline zähle zu seinen Kunden, die in München nur über eine Außenstelle verfüge und daher keine eigenen Maschinen zum Drucken von Postern oder ähnlichem am Standort habe.

Der Foto-Copy-Service hat seinen Sitz in der Vöttinger Straße.

(Foto: Marco Einfeldt)

Metzner hat sich zudem extra einen Plandrucker zugelegt, um Architekten und andere Nischen bedienen zu können: "Das war die teuerste Anschaffung seit Langem", schildert er, aber es habe sich gelohnt. Da er ein sehr schnelles Gerät habe, komme er an Aufträge, die andere nicht machen können: "Wenn du innerhalb eines Tages 250 Quadratmeter Papier bedrucken musst", gehe das mit einem normalen Drucker nicht.

Shirts für Junggesellenabschiede

Generell legt Metzner viel Wert auf hochwertiges Equipment. Der Laden ist voll mit modernen Druckern, die Wände zieren Regale, gefüllt mit Papier in allen Farben, Formen und Größen. Bedrucken kann er alles, von Papier bis Textilien: "Da kommen meistens Junggesellenabschiede oder Abschlussklassen, die einen Mottopulli oder ein T-Shirt haben wollen", die Technik habe sich in den vergangenen Jahren stark verbessert, so Metzner. Qualität zu fairen Preisen sei ihm wichtig. Deshalb kämen viele Studenten zu ihm, um ihre Arbeiten drucken zu lassen: "Teilweise kommen sie aus anderen Copyshops mit Arbeiten, die halb auseinanderfallen", um die Exemplare bei ihm vernünftig binden zu lassen. Aber mitunter reizten die Studenten ihre Abgabefristen etwas zu sehr aus: "Wenn einer eine halbe Stunde vor Abgabe kommt und fünf gebundene Ausgaben seiner Masterarbeit haben will", sei das kaum möglich. Die Leute müssten Zeit mitbringen. "Der Zeitdruck ist das einzige, was mir nicht so viel Spaß macht. Ansonsten bin ich mit Leib und Seele dabei", erzählt Metzner. "Und wenn die Leute dann auch noch das falsche Dateiformat haben, ist das Ganze noch problematischer." Er brauche immer PDF-Dateien, keine Word- oder Exceltabellen", so Metzner.

Für die Zukunft prognostiziert Metzner ein weiteres Wegfallen von Papier: "Sollten die Abschlussarbeiten in Zukunft nur noch digital abgegeben werden, dann wird's vielleicht irgendwann mal knapp." Vor 15 Jahren habe er zum Semesteranfang pro Monat 150 000 Blatt Papier verbraucht, "Heute komm ich zwei, drei Monate mit 100 000 Blatt aus", bilanziert er.

Da er nun mehr als 30 Jahre lang im Geschäft ist, denkt Wolfgang Metzner langsam über den Ruhestand nach: "Ich bin jetzt 61. Mit 65 würde ich gerne aufhören. Aber es ist schwer, einen Nachfolger zu finden."