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Flughafen München:Dritte Startbahn kostet eine Milliarde Euro

Die Gegner bereiten schon neue Proteste vor: Der Flughafen München will die dritte Startbahn. Die Bausumme will er selbst aufbringen. Die Baugenehmigung könnte schon bald vorliegen.

Marco Völklein

Die geplante dritte Start- und Landebahn am Münchner Flughafen wird etwa eine Milliarde Euro kosten. Diese Zahl nannte Flughafen-Chef Michael Kerkloh am Montag bei der Vorstellung der Verkehrszahlen fürs erste Halbjahr 2011. Bislang hatte die Betreibergesellschaft keine konkreten Kosten genannt und nur von einem Betrag im "hohen dreistelligen Millionenbereich" gesprochen. Die Bausumme will der Flughafen selbst aufbringen; "das Geld haben wir", erklärte Kerkloh.

Passagierrekord am Muenchner Flughafen im ersten Halbjahr

Der Flughafen München will die dritte Startbahn bauen - und könnte diese auch selbst finanzieren.

(Foto: dapd)

Um international als Drehkreuz für große Fluggesellschaften attraktiv zu bleiben und Boden gegenüber der Frankfurter Konkurrenz gutzumachen, brauche München eine dritte Start- und Landebahn, sagte Kerkloh. Der Flughafen-Chef untermauerte seine Forderung mit einer neuen Rekordmarke beim Passagieraufkommen. So stieg im ersten Halbjahr 2011 die Zahl der abgefertigten Fluggäste auf 17,9 Millionen - das waren 13,4 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2010.

Noch dynamischer entwickelte sich die Luftfracht: Hier verzeichnete der Flughafen im Erdinger Moos einen Zuwachs von 13,9 Prozent auf 144.000Tonnen. Die Zahl der Starts und Landungen kletterte im ersten Halbjahr um 9,2 Prozent auf 202.000 - liegt damit aber weiterhin unter den Rekordwerten aus dem Jahr 2008 (damals wurden 216.651 An- und Abflüge gezählt) und dem Jahr 2007 (210246 Flugbewegungen). Im Juni 2011 verzeichnete der Airport sogar einen leichten Rückgang der Flugbewegungen von einem Prozent.

Diese Tatsache hoben die Grünen hervor und warfen Kerkloh "Schönfärberei" vor. Ein Ausbau der Start- und Landekapazitäten sei nicht nötig, erklärte der Landtagsabgeordnete Christian Magerl. Der Zuwachs bei den Passagieren könne auch durch den Einsatz größerer Jets kompensiert werden. Dies wies Kerkloh zurück: Viele Airlines hätten zuletzt ihre Flotten auf größere Maschinen umgestellt, die Nachfrage nach weiteren Start- und Landerechten (vor allem zu den Stoßzeiten) sei trotzdem nach wie vor hoch, so der Flughafen-Chef: "Die gegenwärtige Kapazität ist zu den Hauptverkehrszeiten restlos ausgeschöpft."

Der Flughafen rechnet damit, dass die Regierung von Oberbayern noch in diesem Sommer mit einem Planfeststellungsbeschluss die Baugenehmigung für die neue Start- und Landebahn erteilt. Sie soll den Planungen nach im Jahr 2015 in Betrieb gehen - also gemeinsam mit dem geplanten zusätzlichen Abfertigungsterminal, das Lufthansa und Flughafen gemeinsam bauen.

Die Investitionssumme von einer Milliarde Euro setzt sich laut Kerkloh nur etwa zur Hälfte aus den reinen Baukosten zusammen - die anderen 500 Millionen Euro müsse der Flughafen für die Erschließung von Flächen, für Lärmschutz- und andere Ausgleichsmaßnahmen aufwenden. Zudem werde man "vor dem Beginn von Baumaßnahmen voraussichtlich noch Gerichtsverfahren abzuwarten haben", sagte Kerkloh.

Tatsächlich bereiten sich die Gegner des geplanten Ausbaus auf eine Verschärfung der Auseinandersetzung vor. Insbesondere im Umland des Flughafens gibt es massiven Widerstand gegen den Ausbau: Anwohner fürchten eine "Lärmhölle", Gemeinden wie Eittingermoos und Schwaigermoos droht die Absiedlung. 85000 Einwendungen gegen den Bau gingen bei der Bezirksregierung ein. Sollte sie den Bau erlauben, wollen die Gegner weitere Aktionen starten: Unter anderem wollen sie Finanzminister Georg Fahrenschon und Oberbürgermeister Christian Ude jeweils zu Hause mit einem "Fluglärmgenerator" besuchen. Und den Politikern so zeigen, was auf die Anwohner zukommt.

© SZ vom 12.07.2011/bica
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