bedeckt München 17°

Aus Eching nach Berlin:Leon Eckert will in den Bundestag

Leon Eckert will für die Grünen in den Bundestag.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Freisinger Kreisverband der Grünen empfiehlt den 25-jährigen Kreis- und Gemeinderat als Kandidaten für den Wahlkreis 214. Konkurrenz aus den eigenen Reihen ist nicht in Sicht.

Von Klaus Bachhuber, Eching

Die Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl im Herbst 2021 sind noch nicht nominiert - aber für die Stimmkreiskandidatur im Wahlkreis Freising/Pfaffenhofen ist bereits der erste Finger gehoben. Der Echinger Gemeinde- und Kreisrat Leon Eckert bewirbt sich um die Direktkandidatur der Grünen. Bei einer live online gestreamten Bewerbung am Donnerstag im Echinger ASZ meldete der 25-Jährige seine Ambitionen auf die Kandidatur an. "Bereit machen - Für den Wechsel" ist sein erstes Wahlplakat betitelt.

Der immens frühe Start in die mögliche Kandidatur ist zunächst den internen Parteistrukturen geschuldet. Bereits Anfang September nominiert die Grüne Jugend Bayerns ihre Kandidatenliste für den Bundestag - und da bewirbt sich Eckert als Spitzenkandidat. Die Listenführer der Grünen Jugend werden bei der Landesliste der Grünen dann in der Regel unter den Top 20 eingereiht; ein chancenreicher Listenplatz, den ein Kandidatenneuling aus einem unspektakulären Stimmkreis ansonsten eher nicht anvisieren könnte.

Bei der Grünen Jugend hatte Eckert mit 16 seinen politischen Weg gestartet - als Vorsitzender des Kreisverbands Freising. 2015 bis 2017 gehörte er dem Landesvorstand der Grünen-Nachwuchsorganisation an. 2014 wurde er 19-jährig erstmals in den Echinger Gemeinderat gewählt, 2020 dann auch in den Freisinger Kreistag. Nach seiner Wiederwahl in den Echinger Gemeinderat wurde er dort im Mai dieses Jahres außerdem zum Dritten Bürgermeister bestimmt.

Nach je einem Bachelor-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre an der TU und Geschichte und Politikwissenschaft an der LMU absolviert Eckert derzeit einen Masterstudiengang in Management und Technology an der Technischen Universität München, dazu arbeitet er bei Grünen-Parteiorganisationen, unter anderem als Kommunalreferent.

Die Langstrecke, zu der er seinen Wahlkampf mit dem frühen Start gemacht hat, will Eckert positiv nutzen. Man habe nun "die Zeit, uns stärker vorzubereiten", sagte er, außerdem wolle er "im Wahlkampf Formate nutzen, die noch ungewöhnlich sind". Das Streamen der Bewerbung zum Beispiel gleich mal als Anfang. Bis zur Nominierungsversammlung der Grünen des Wahlkreises 214, Freising/Pfaffenhofen, mutmaßlich im Oktober, will sich Eckert nun bei den Parteigremien in den Kreisen bekannt machen, aber auch Netzwerke intensivieren: beim Bund Naturschutz etwa, oder beim ADFC, ein Heimspiel für den engagierten Fahrradbeauftragten der Gemeinde Eching.

Sollte es klappen mit der Nominierung als Stimmkreiskandidat, möchte Eckert im Winter "eine sehr breite Themendebatte" führen. Sein Wahlkampf werde sich "sehr stark mit Inhalten befassen", kündigte er an. Als erste Schwerpunktthemen nannte er die öffentliche Daseinsvorsorge und die Infrastruktur. Außerdem wolle er nahe an den Menschen agieren. Im Wahlkampf wolle er sich in jeder Gemeinde im Stimmkreis präsentieren, so sein ehrgeiziges Ziel, außerdem wolle er Klinken putzen und potenzielle Wähler zuhause besuchen.

Dass sich bei den Grünen noch Konkurrenten um die Stimmkreiskandidatur bewerben, ist möglich, allerdings gibt es bislang wohl keine Signale in diese Richtung. Pfaffenhofens Grüne nominieren für die diversen Wahlgänge schon häufig die üblichen Verdächtigen, sodass dort kein geborener Bewerber erkennbar wäre; und für den Kreisverband Freising hat sich Sprecher Max Breu schon klar hinter Eckert gestellt. Als herausragende persönliche Qualitäten würdigte er am potenziellen Kandidaten, dass er "unter Beweis gestellt hat, dass er Geduld im Bohren dicker Bretter hat" und darüber "immer seine Freundlichkeit und seinen Humor behält".

An ersten Inhalten skizzierte Eckert, "für Klimagerechtigkeit unsere Mobilität neu zu denken und Strukturen zu schaffen, die allen Menschen ermöglichen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen". Für eine extrem vielfältige Region wie seinen Stimmkreis etwa gebe es "ganz unterschiedliche Bedürfnisse nach Strukturen", analysierte Eckert, vom Verkehrskollaps im Großraum München bis zur limitierten Mobilität auf dem Land. Hier sei die Aufgabe, "sich Gedanken zu machen, was die Forderung nach gleichwertigen Lebensverhältnissen 2020 bedeuten kann".

Öffentliche Grundversorgung vom Trinkwasser bis zum Krankenhaus müsse möglichst demokratisch und unmittelbar organisiert bleiben oder werden, so sein Credo, mit dem er seine Bewerbung bei der Grünen Jugend einleitet. Dass die Privatisierung dieser Einrichtungen "ihre Heilsversprechen nicht eingelöst" habe, habe nicht zuletzt die Corona-Krise gezeigt: "Da war es sehr wichtig, die Klinikkapazitäten zu haben, deren Abbau jahrzehntelang gepredigt wurde."

© SZ vom 28.08.2020 / vo
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema