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SZ-Serie: Freising im Krisenmodus, Teil 3:Die Nerven liegen blank

Der Flugverkehr ist durch die Corona-Krise stark eingeschränkt. Shuttleunternehmen, wie dieses in Attaching, haben große Einbußen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Taxifahrer und Shuttledienste sind in ihrer Existenz bedroht.

Die harten Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie treffen auch die Menschen im Landkreis Freising auf den unterschiedlichsten Ebenen. Für manche bedeuten sie nur Einschränkungen in ihrem Freizeitverhalten, die weitaus meisten haben aber konkrete Sorgen - ob es nun um Gefahren für die eigene Gesundheit, um die schwierige Betreuung der Kinder oder die Rettung des eigenen Geschäfts oder Unternehmens geht. Die Freisinger SZ will in einer kleinen Serie in den kommenden Tagen Einblicke in das Leben der Menschen im Krisenmodus geben.

Der Taxiunternehmer

Bei den Taxifahrern in Freising liegen die Nerven blank. Man solle sich doch bloß mal am Freisinger Bahnhof umsehen, dann wisse man, wie es derzeit ausschaut. Im übrigen habe er keine Zeit, Anrufe zu beantworten, die nichts mit einem Auftrag zu tun hätten, ließ ein Taxiunternehmer wissen. Man blockiere nur die Leitung und solle sie doch bitteschön frei machen. Mohammed Umar Muzaffa, Geschäftsführer der Taxizentrale Freising, hat Verständnis dafür, dass seine Mitbewerber derzeit so angespannt sind. Auf die Frage, wie denn das Geschäften in Zeiten der Corona-Krise so laufe, antwortet er nur mit einem Wort. "Beschissen."

Etwa sechs Stunden Wartezeit muss ein Taxifahrer derzeit am Freisinger Bahnhof in Kauf nehmen, um einen Kunden an sein Ziel befördern zu dürfen. Das Geschäft sei um etwa 80 Prozent zurückgegangen, schildert Muzaffa. Nach und nach müsse er Autos stilllegen, weil die Versicherungskosten nicht mehr bezahlt werden können. Das Geschäft ist komplett zusammengebrochen, seitdem es die Ausgangsbeschränkungen gibt. Das Taxiunternehmen fährt quasi nur noch auf Vorbestellung. Darunter fallen etwa ältere Menschen, die zum Arzt, ins Krankenhaus oder zum Einkaufen müssen. Die rufen an und werden abgeholt. Zusätzliche Fahrten entfallen derzeit mehr oder weniger ganz. Wie etwa zum Flughafen im Erdinger Moos. Flüge in den Urlaub sind ohnehin passé. "Und die Businessleute fahren auch nicht mehr", ergänzt Muzaffa. "Die sind total auf Home-Office." Abgesehen davon sind die meisten Flüge annulliert.

14 Fahrer beschäftigt die Freisinger Taxizentrale im Normalfall. Die meisten davon seien jetzt in Kurzarbeit, sagt Muzaffa. Andere Kollegen wiederum verzichten in diesen Zeiten aus Sorge um ihre Gesundheit sowieso lieber ganz aufs Taxifahren. Klar, keiner will sich anstecken. Muzaffa hat für diese Haltung Verständnis. "Gesundheit geht vor", bekräftigt der Geschäftsführer der Freisinger Taxizentrale.

Taxifahrer hatten in den vergangenen Tagen ohnehin bereits eine Reihe von Auflagen zu beachten. Sie sollten möglichst wenig mit dem Kunden reden und während der Fahrt schon mal das Fenster zum Lüften aufmachen. "Nach jeder Fahrt wurde das Fahrzeug desinfiziert", beschreibt Muzaffa den zusätzlichen Aufwand. Die Existenz der Taxizentrale und die seiner Mitbewerber sieht Muzaffa gefährdet, vor allem, wenn die Ausgangsbeschränkungen noch verschärft werden oder auf lange Sicht gelten sollten. Das sieht der Geschäftsführer der Freisinger Taxizentrale realistisch. "Dann geht es in Richtung Insolvenz."

Freising im Krisenmodus

Die Corona-Krise betrifft alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, im Öffentlichen wie im Privaten. In der Serie fragt die Freisinger SZ bei Menschen im Landkreis Freising nach, wie es ihnen in der Krise geht und wie das Coronavirus ihren Alltag verändert.

Teil 1: Kino, Sport und Seelsorge - "Man hängt total in der Luft"

Teil 2: Apotheke, Drogerie und ein Bürgermeisterkandidat - Erstaunlich ruhig

Teil 3: Taxifahrer und Shuttledienst - Die Nerven liegen blank

Teil 4: Schachspieler und Zahnarztpraxis - Nicht ohne Schutz

Teil 5: Marktbeschicker, Kirchenmusikdirektor und Tanzlehrer - Im Zwangsurlaub

Der Shuttledienstbetreiber

Ludwig Amann betreibt den Flughafen-Pendeldienst Park Fly and Repair an der Kulturstraße im Freisinger Stadtteil Lerchenfeld. Seine Situation ist ähnlich trist wie diejenige der Taxiunternehmen. "Das Geschäft ist auf Null zurückgegangen", sagt Amann. Aktuell hat er am Montag noch auf zwei Maschinen gewartet, die Urlauber aus ihren Feriendomizilen abgeholt haben und zum Flughafen im Erdinger Moos bringen. "Das war es dann", sagt Amann resigniert.

Der Fuhrpark des Freisinger Shuttleunternehmers umfasst zwölf Autos. Verantwortlich ist Amann als Unternehmer für zwei Festangestellte und fünf Aushilfen. Als solcher hat er versucht, für seine Mitarbeiter Kurzarbeit zu beantragen. Das Frustrierende daran ist, dass Amann keinen Kontakt herstellen konnte, weder per Telefon noch per Fax. Wahrscheinlich sieht es so aus, dass die Festangestellten wohl in den Genuss finanzieller Unterstützung kommen können. Für die Aushilfen schaut es dagegen mit Kurzarbeitergeld schlecht aus.

Das Shuttleunternehmen hatte in den vergangenen Tagen unter den zunehmend härteren Einschränkungen gelitten. Normalerweise sind Amanns Autos für die Beförderung von acht Personen und einem Fahrer ausgerichtet. Um den gebotenen Sicherheitsabstand im Auto zu wahren, waren zuletzt nur noch zwei Personen plus den Fahrer in einem Wagen unterwegs. Selbst das Angebot, das Fahrzeug des Kunden zum Flughafen zu fahren, so dass dieser nur noch einzusteigen braucht, hat kaum Zuspruch gefunden, obwohl nur minimaler Kontakt bei der Übergabe des Autoschlüssels stattfindet. Zehn Euro verlangt Amann für diesen Überführungsservice. Die gibt er dem Fahrer. Er selbst muss mit einem weiteren Wagen hinterherfahren, um den Fahrer wieder nach Freising zurückzubringen.

Auch Ludwig Amann sieht sein Unternehmen stark in seiner Existenz bedroht. Denn mittelfristig ist keine Besserung der Situation in Sicht. Zumindest nicht unter den Bedingungen der derzeit geltenden Ausgangsbegrenzungen. Die Urlaubsflüge, mit denen viele in den Osterferien in wärmere Gefilde flüchten, werden in diesem Jahr wohl ausfallen. Das erlauben die aktuellen Reisebeschränkungen nicht. "Und wer weiß, was im Sommer ist", fügt Amann hinzu.

Gerne hätte der Freisinger Shuttleunternehmer am Montag mit der bayerischen Staatsregierung ein Gespräch geführt. Allerdings ohne Erfolg, es war kein Durchkommen am Telefon für ihn möglich. Amann war nämlich eine Idee gekommen, wie dem derzeitigen Notstand an Einmalhandschuhen abzuhelfen wäre. Zumindest kurzfristig. Er verweist darauf, dass schließlich alle Verbandskästen in Fahrzeugen mit solchen Hygieneartikeln ausgerüstet sind. Darauf wollte er die Staatsregierung hinweisen. Diese könnte ja immerhin an Autofahrer appellieren, diese Einmalhandschuhe den Krankenhäusern und Ärzten zu überlassen. Das wäre nach Amanns Einschätzung eine Option, dem Mangel an diesen Hygieneartikeln ein wenig abzuhelfen.

© SZ vom 24.03.2020
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