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Bürgermeisterwahl in Hohenkammer:Nur 70 Stimmen mehr

Anerkennung in Zeiten von Corona: Susanne Hartmann gratuliert Mario Berti zu seinem Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl in Hohenkammer.

(Foto: Marco Einfeldt)

Mario Berti (CSU) ist neuer Bürgermeister von Hohenkammer. Er punktet bei der Stichwahl vor allem wieder in den Ortsteilen, während Susanne Hartmann (FDP) ihre Anhängerschaft im Hauptort hat.

Von Alexandra Vettori, Hohenkammer

Die Bürgermeister-lose Zeit in Hohenkammer ist vorbei. Am Sonntag haben sich die Wählerinnen und Wähler in der Stichwahl zwischen Susanne Hartmann (FDP) und Mario Berti (CSU) für den 31-jährigen CSU-Kandidaten ausgesprochen. Am Ende lag er allerdings nur mit 70 Stimmen vorne. Auf Mario Berti entfielen insgesamt 666 Stimmen oder 52,8 Prozent, Susanne Hartmann kam auf 596 Stimmen oder 47,2 Prozent. Von den 2025 Wahlberechtigten gingen am Sonntag 62,8 Prozent zu den Urnen.

Schon bei der ersten Bürgermeisterwahl vor zwei Wochen hatte sich ein gespaltenes Bild gezeigt. Während im Hauptort Hohenkammer die 58-jährige Susanne Hartmann die Nase vorn hatte, punktete Mario Berti in den Ortsteilen. Der Zimmerermeister selbst kommt ebenfalls aus einem Ortsteil, aus Unterwohlbach. Dieses Bild bestätigte sich bei der Stichwahl. Berti kam in den Ortsteilen auf 64,5 Prozent, Hartmann nur auf 35,5 Prozent. Im Hauptort Hohenkammer dagegen entfielen auf die FDP-Kandidatin 60,6 Prozent, im Briefwahllokal 55,5 Prozent. Berti kam hier nur auf 39,4 Prozent, beim Briefwahllokal im Hauptort auf 44,5 Prozent.

Der frischgebackene Bürgermeister, der seit 2013 im Gemeinderat sitzt, erklärte sich das Ergebnis ganz einfach: "Ich komme aus einem Ortsteil, habe mich immer für die Ortsteile eingesetzt, ich bin hier geboren, man kennt mich eben. Das heißt aber nicht, dass mir am Hauptort nichts liegt." Was er jetzt, da er den Chefsessel im Rathaus besetzen wird, mit seiner Zimmerei mache, dafür habe er natürlich einen Plan, antwortete er auf die Frage zurückhaltend. Aber es gebe jetzt noch einiges zu regeln. Am Montag werde er aber auf jeden Mal schon mal im Rathaus vorbei schauen, kündigte der neue Bürgermeister an.

"Ja natürlich bin ich enttäuscht, aber das ist Demokratie. Und ich bin eine großartige Verliererin", sagte Susanne Hartmann, nachdem das vorläufige Endergebnis fest stand. Sie sei eine rheinische Frohnatur und werde sich nun einfach weiter auf die Sachpolitik im Gemeinderat und im Freisinger Kreistag konzentrieren. Dem Gemeinderat gehört Susanne Hartmann immerhin seit zwölf Jahren an. Eine kleine Spitze in Richtung ihres Kontrahenten konnte sie sich am Ende aber nicht verkneifen: "Hohenkammer meint, die Zukunft ist jung, anstatt kompetent und erfahren."

Nach der ersten Bürgermeisterwahl am 13. September waren von den vier Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Hohenkammerer Bürgermeisters noch zwei übrig, die von CSU und FDP. Mario Berti hatte vor zwei Wochen 33,8 und Susanne Hartmann 27,5 Prozent geholt.

Dass Hohenkammer nicht wie der Rest Bayerns am 29. März gewählt hatte, lag daran, dass der damalige CSU-Bürgermeisterkandidat kurz vor dem Wahltermin starb. Der Wahlkampf wurde abgebrochen, der Wahltermin zunächst auf Ende Mai verschoben. Wegen des Corona-bedingten Versammlungsverbots aber konnte die CSU im Frühjahr keine neue Aufstellungsversammlung abhalten, sodass schließlich der 13. September als neuer Termin angesetzt wurde. Im Rathaus hielten derweil Zweiter Bürgermeister Alexander Stampfl und Dritter Bürgermeister Michael Loy die Stellung - ehrenamtlich.

© SZ vom 28.09.2020

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