Auch ist die Farbbrillanz je nach Hersteller unterschiedlich. Deshalb entschieden sich Sammler und Verleger, die Fotos nach dem Einscannen einer digitalen Farbkorrektur und Fehlerbeseitigung zu unterziehen und zum Teil per Hand nachzubessern. So fehlt den Bildern eine vielleicht erwartete Patina, die Bildstrecken wirken farblich mitunter wie aus einem Guss. Das kann man mögen, muss man aber nicht. Dafür freut man sich aber über die knallig roten Geranien und Verkehrsschilder, eine Bluse, ein Kleid oder einen Hut, die wie Farbkleckse aus dem Nachkriegsgrau herausleuchten. Und dem Foto von der Tankstelle in Nymphenburg hat das Reinigen sogar womöglich gut getan. So Stephen-Shore-mäßig sehnsüchtig, wie das im Buch rüberkommt, dient es perfekt als Projektionsfläche für eine schöne, neue Zeit.

(im Bild: Die Einmündung der Elisenstraße in die Dachauer Straße um 1955. Um einen fließenden Übergang zur Marsstraße herzustellen wurde die leicht nach Süden geknickte Elisenstraße später begradigt.)

Sebastian Winkler und Franz Schiermeier: München farbig 1946-1965, Ausstellung bis 16. September, Architekturgalerie, Türkenstraße 32, Mo.-Fr. 9-19 Uhr, Sa. 9-18 Uhr; das Buch ist erschienen im Franz Schiermeier Verlag, München

Bild: Sebastian Winkler und Verlag Franz Schiermeier 28. August 2018, 14:402018-08-28 14:40:34 © sz.de/imei