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Fotografie:Der Traum vom Zuhause

Lindokuhle Sobekwa in Kooperation mit Cyprien Clément-Delmas: „Daleside: Static Dreams“.

(Foto: Lindokuhle Sobekwa/Fotodoks)

Die zehnte Ausgabe der "Fotodoks" stellt unter dem Titel "A house is a house is a house" Fragen nach einem heimatlichen Lebensgefühl.

Von Evelyn Vogel

Kaum jemals haben so viele Menschen so oft und so intensiv darüber nachgedacht, was das eigenen Zuhaus bedeutet, als in Zeiten von Corona und Home-Office. Ob mit relativ viel Freiheit im Haus auf dem Land mit großem Garten oder eingezwängt in ein 19-Quadratmeter-Apartment ohne Balkon. Daher hätte die zehnte Ausgabe der Fotodoks, einem Festival für aktuelle Dokumentarfotografie, kaum ein passenderes Thema wählen können, als das diesjährige: "A house is a house is a house".

Dabei denken die eingeladenen Fotografinnen und Fotografen aus Deutschland, Südafrika, Russland, Indien, Afghanistan, den Niederlanden und den USA aber nicht nur über individuelle Perspektiven und architektonische Situationen nach. Es geht auch und vor allem um gesellschaftliche Fragen wie der nach prekären Lebensbedingungen, tradierten Familienbildern, der Gefahr von Gewalt und Obdachlosigkeit, um Zugehörigkeit, Diskriminierung und Einsamkeit.

In der Langzeitstudie "Daleside: Static Dreams" porträtieren beispielsweise die Fotografen Lindokuhle Sobekwa und Cyprien Clément-Delmas das Örtchen Daleside, einen Vorort von Johannesburg in Südafrika. Sobekwas Mutter arbeitete bis zum Ende der Apartheid 1994 in diesem industriellen, nur Weißen vorbehaltenen Arbeiterviertel als Hausangestellte. Wohin der "Group Areas Act" von 1950 Daleside geführt hat, und welche Ismen heute dort vorherrschen, haben Sobekwa und Clément-Delmas einzufangen versucht. Oder Buck Ellison: Der US-Fotograf zeichnet in scheinbar makellosen, sterilen Fotografien das Milieu der sogenannten W.A.S.P. - Weiße Angelsächsische Protestanten - nach. Während sich Nanna Heitmanns Fotoreihe "Pandemic in Russia" tatsächlich den ersten Monaten der Pandemie widmet. Heitmann zeigt erschöpftes Krankenhauspersonal, ins Koma versetzte Menschen in Bauchlage neben Bilder von dicht gedrängten Menschengruppen der russisch-orthodoxen Gemeinschaft am Osterfest.

Das hybrid geplante Festival, das alle zwei Jahre stattfindet und längst in der Lothringer 13-Halle ein festes Zuhause gefunden hat, startet am Montag, 7. Juni, um 19 Uhr. Der Kern ist die Ausstellung in der Lothringer 13 sowie im Netz, das Festivalprogramm bietet darüber hinaus Vorträge, Lesungen und Gespräche sowie eine umfangreiche Publikation. Gemeinsam reflektieren alle Beiträge das gegenwärtige Verständnis von Zuhause.

Fotodoks Festival und Ausstellung: A house is a house is a house, 7. Juni bis 4. Juli, Mi.-So. 11-19 Uhr, Lothringer 13 Halle, Lothringer Str. 13, sowie online unter www.fotodoks.de

© SZ vom 02.06.2021
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