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Foto-Band zum Olympiadorf:Das Dorf in der Stadt

Einfach nur eine hässliche Betonwüste? Im Münchner Olympiadorf waren einst die Sportler untergebracht, jetzt ist es eine beliebte Wohngegend. Als schön gilt das Viertel trotzdem nicht. Diese Fotos könnten das ändern.

Von Elisa Britzelmeier

9 Bilder

Olympiadorf

Quelle: Nick Frank/Christian Vogel/ Volk Verlag

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Eine Betonwüste, ohne Zweifel. "Aber in jeder Wüste blüht und lebt auch etwas, das nur entdeckt werden will." Das Olympiadorf entdecken - seine Gebäude und seine Bewohner - , darum geht es Nick Frank, Christian Vogel und Anne Berwanger. Die beiden Fotografen und die Autorin wollen mit einem Bildband mit den Vorurteilen über das Olympische Dorf aufräumen. Denn es ist leicht, sich in Haidhausen oder das Glockenbachviertel zu verlieben. Das "Oly-Dorf" dagegen muss eher darum bitten, toll gefunden zu werden. Dabei präsentiert es sich, wie es im Vorwort heißt, als "vergessener Schatz".

Olympiadorf

Quelle: Nick Frank/Christian Vogel/ Volk Verlag

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Mit ihrem Buch "Habitat - Das Olympische Dorf in München" wollen Berwanger, Frank und Vogel zeigen: Hier gibt es zwar viel Beton, doch das Viertel ist alles andere als eine Wüste. Der Bildband entfaltet an Hand der Architektur Schönheit und Charakter des Olympiadorfs, die Symmetrie, die Details, das Unerwartete.

Olympiadorf München

Quelle: Nick Frank/ Christian Vogel/ Volk Verlag

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Auf den Bildern gibt es Bekanntes aus einem neuen Blickwinkel zu sehen, und Bereiche, die beim Schlendern durch das Viertel sonst verborgen bleiben. Bei einem Spaziergang entstand auch die Idee für das Buch: an einem heißen Sommertag mit "wenigen Menschen auf nicht vorhandenen Straßen", schreiben die drei in ihrem Nachwort.

Olympiadorf München

Quelle: Nick Frank/Christian Vogel/ Volk Verlag

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Und so dominieren Außenaufnahmen ohne Menschen, nur hin und wieder sind Bilder der Bewohner eingestreut, im Studentenbungalow oder vor der Bücherwand in den größeren Wohnungen. Sie erzählen von den Besonderheiten dieses Dorfes in der Stadt, in dem von Zwetschgendatschi bis Radlanhänger alles getauscht wird, von Mini-Kneipen, vom Leben ohne Autos und dem Bewusstsein, an einem geschichtsträchtigen Ort zu wohnen.

Olympiadorf München

Quelle: Nick Frank/Christian Vogel/ Volk Verlag

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Denn das Olympiadorf ist mit dem Attentat von 1972, bei dem 17 Menschen ums Leben kamen, untrennbar verbunden. Eine Gedenktafel vor den Reihenhäusern in der Connollystraße erinnert daran, und der berühmteste Film, der im Olympiadorf spielt, heißt "München" und dreht sich um die Geiselnahme. In "Habitat" wird das Ereignis ausgespart. Es sei "bereits oft und unter Berücksichtigung zahlreicher Facetten" erzählt worden.

Olympiadorf München

Quelle: Nick Frank/ Christian Vogel/ Volk Verlag

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Historisches bleibt trotzdem nicht außen vor. Auf den ersten Seiten des Buches sind Entwürfe des Olympiageländes aus dem Archiv zu sehen. Heute wohnen 6100 Menschen im Olympiadorf, 1800 sind Studenten. 3500 Wohneinheiten stehen hier auf 255.324 Quadratmetern, es sind Ein-Zimmer-Apartments in den Hochhäusern, größere Wohnungen mit hängenden Gärten vor dem Fenster, und die berühmten Bungalows, die vom Studentenwerk verwaltet werden. Nebenan: das Sportgelände der beiden Münchner Universitäten.

Olympiadorf München

Quelle: Nick Frank/ Christian Vogel/ Volk Verlag

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Schon bevor München den Zuschlag für die Olympischen Spiele 1972 bekam, gehörte das Gelände auf dem Oberwiesenfeld dem Studentenwerk. Der Architekt Werner Wirsing wurde mit der Planung von Studentenwohnungen beauftragt. Einen bereits genehmigten Entwurf verwarf er, als ihm die Idee kam: Jeder soll sein eigenes Häuschen haben. Während der Olympischen Spiele wohnten in den Bungalows die Sportler, bevor anschließend wieder die Studenten einzogen. Von 2007 bis 2010 wurden die Bungalows abschnittsweise abgerissen und neu errichtet - eine energetische Sanierung der Sichtbetongebäude erschien nicht sinnvoll. Um mehr Wohnraum zu schaffen, mussten die Häuschen kleiner werden. Beliebt sind sie nach wie vor. Wer einziehen will, muss sich bewerben und auf eine Warteliste setzen lassen.

Olympiadorf München

Quelle: Nick Frank/Christian Vogel/ Volk Verlag

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Nicht nur die Studenten prägen das Olympische Dorf. Hier leben Familien, Rentner, Kreative. Und viele Menschen mit Behinderung, wie Martin Stadler. In "Habitat" erzählt er, dass er das Olympiadorf wegen der zahlreichen Sportmöglichkeiten schätzt und gerne in der Olympia-Schwimmhalle schwimmt. Das Viertel gilt als barrierefrei, auch wenn Stadler sagt, dass das nicht ganz stimmt, in Nebenstraßen gibt es doch auch kleine Treppen. Autofrei ist es aber. Die Autos fahren unten durch, das Fundament des Viertels ist eine Mischung aus riesiger Parkgarage und Tunnelsystem.

Olympiadorf

Quelle: Nick Frank/Christian Vogel/ Volk Verlag

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"Es ist irgendwie wirklich wie in einem Dorf auf dem Land", findet Bewohner Korbinian Gesele. Eines, in dem die Zeit manchmal stehen zu bleiben scheint. Frank, Vogel und Berwanger stellen bei den Interviews für ihr Buch fest, dass die meisten der "Olympianer" begeistert sind. Das Dorf sei wie eine Einladung: "Komm her und fühl dich zu Hause." Aber es gibt nicht nur Positives zu lesen. Ja, sie müssen sich manchmal rechtfertigen, nach außen übertrage sich der Charme ihres Viertels einfach nicht, sagen die einen. Dass sie nicht ewig hier bleiben werden, ist klar für die anderen. Einig sind sich alle: Das Olympiadorf steht für ein ganz besonderes Lebensgefühl.

"Habitat - Das Olympische Dorf in München", Volk Verlag München, 192 Seiten, 29,90 Euro, ISBN 978-3-86222-190-5,

© SZ.de/bica

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