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Flüchtlingshilfe:Wie Einwanderer Flüchtlingen die Integration erleichtern

Als sie selbst nach Deutschland kamen, mussten sie sich ohne Hilfe zurecht finden. Auch deshalb engagieren sich Einwanderer nun im Netzwerk Münchner Migrantenorganisationen.

Deutsch unterrichten, bei Behördengängen übersetzen, über das hiesige Rechtssystem aufklären - es gibt viele Ansätze, Migranten und Geflüchteten zu helfen.

Im Netzwerk Münchner Migrantenorganisationen (Morgen) haben sich 70 Vereine und Initiativen zusammengeschlossen, das erklärte Ziel: "Wir wollen die Migrantenorganisationen in ihren Strukturen stärken", sagt Koordinatorin Friederike Junker. Der Zusammenschluss will die einzelnen Vereine mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenbringen, um Migranten die Integration zu erleichtern.

Ein Hindernis dafür sehen die Vertreter in der Bürokratie, die vielen Flüchtlingen unbekannt ist. "Dadurch nehmen sie Dinge wie Behördenfristen, Verkehrsregeln oder Hausordnungen manchmal auf die leichte Schulter", sagt Yosief Embaye, Vorstandsmitglied von Morgen und Mitbegründer der Eritreischen Union. Sein Verein übersetzt Behördenbriefe für Eritreer.

Auch Firouz Bohnhoff von Yalla Arabi, einer Münchner Initiative für arabische Sprache und Kultur, betont, dass Geflüchtete Hilfe bräuchten, sich im System zurechtzufinden: "Aus Unwissenheit fahren sie beispielsweise schwarz, weil man hier in Deutschland nicht nur das Ticket kaufen, sondern es eben auch abstempeln muss." Im Netzwerk "Morgen" engagieren sich auch Einwanderer, die selbst keine Hilfe hatten, als sie nach Deutschland kamen. Vier Helfer erzählen von ihren Erfahrungen und wie sie heute Migranten die Integration erleichten wollen.

Mahabuba Maqsoodi, 60 Jahre, Vorsitzende des Vereins Afghanische Frauen in München

Mahbuba Maqsoodi ist Vorsitzende des Vereins "Afghanische Frauen in München".

(Foto: Stephan Rumpf)

In den Neunzigern war die Künstlerin mit ihrem Mann nach München gekommen, beide lernten im Goethe-Institut die deutsche Sprache. Als sie beobachtete, wie zuvor im Heimatland sehr eigenständige Afghaninnen sich in Deutschland auf ein Dasein als Mutter und Ehefrau beschränkten, beschloss sie 2003, einen Verein zu gründen.

"Die Gleichberechtigung war für mich wie ein Licht", sagt die 60-Jährige über sich. "Afghanische Frauen in München" soll Frauen durch Beratung helfen, ihre Rechte zu kennen und sich ihres eigenen Wertes bewusst zu werden. Auch ihr selber habe zunächst die Erfahrung gefehlt, sich im System zurechtzufinden, sagt Maqsoodi. Zu Anfang sei sie einmal zu ihrer Versicherung gegangen und habe ihre Beiträge zurückgefordert - schließlich sei sie nie beim Arzt gewesen.

"Da haben die mir erklärt: Das ist die Realität, du zahlst, egal ob du hingehst oder nicht." Damals habe es im Vergleich zu heute viel weniger Unterstützung für Migranten gegeben. In ihrer persischen Landessprache heiße es auch: "Du musst dich bewegen, dass Gott dir auch hilft. Man kann vieles selber erreichen."

Firouz Bohnhoff, 57 Jahre, Mitglied von Yalla Arabi

Firouz Bohnhoff ist Mitglied von "Yalla Arabi".

(Foto: Stephan Rumpf)

Als die Palästinenserin vor mehr als 30 Jahren von Jerusalem erst nach Hamburg, dann nach München kam, fand sie sich unwissend in einem neuen Land. Um keine Rechnungen offenzulassen, bezahlte sie zu Beginn jahrelang Lotterie-Mitgliedschaften, Zeitschriftenabonnements und Spendenbeiträge - "ich wusste ja nicht, dass das alles freiwillige Sachen waren", erzählt sie. Damals habe es noch keine Integrationskurse gegeben.

2011 begründete sie mit anderen die Initiative für arabische Sprache und Kultur Yalla Arabi, "damit Kinder ihre Muttersprache auch außerhalb von Religionsunterricht erlernen können". Diese sei die wichtigste Voraussetzung, um eine zweite Sprache wie Deutsch zu lernen und sich erfolgreich zu integrieren. Sie findet nicht, dass die Flüchtlingsarbeit sich merklich verändert hat, seit 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen: "Die Skepsis der Skeptischen mag sich verstärkt haben, aber die Optimisten helfen weiter."

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