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FKK:Im Englischen Garten liegen immer weniger Nackte

Viel Platz für freie Körperkultur, aber wenn da nur zwei Personen liegen, stellt sich die Frage: Wo sind die Nackten?

(Foto: Robert Haas)
  • Es gibt keine offiziellen Zahlen, aber der Unterschied ist augenfällig: In diesem Sommer liegen viel weniger Nackte im Englischen Garten.
  • Als Gründe werden etwa gaffende Touristen oder Generationenunterschiede genannt.

Im Englischen Garten brennt die Sonne auf den Rasen. Studenten drängen sich im Schatten der Bäume, essen Eis und trinken Bier. Einige hundert Meter entfernt rennen Kinder mit hochroten Köpfen einem Fußball hinterher, er rollt zwischen den Badetüchern Richtung Bach.

Dazwischen: eine große Wiese, auf der nur zwei Personen liegen. Ein Mann, der liest. Eine Frau, die schläft. Viele Spaziergänger machen einen Bogen um sie. Der Grund? Womöglich das Schild am Rand des Rasens: "Liegewiese für Nacktbader", steht dort. Viel Platz für freie Körperkultur, aber wenn da nur zwei Personen liegen, stellt sich die Frage: Wo sind die Nackten?

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"Es gibt deutlich weniger Nackerte", sagt Cordula Mauß von der Bayerischen Seen- und Schlösserverwaltung. Statistiken liegen zwar - natürlich - nicht vor, aber ein Blick auf Fotoaufnahmen aus den Siebzigerjahren verrät: Damals tummelten sich die Nackerten im Englischen Garten, das Nacktbaden gehörte zum Protest gegen das Establishment. Heute steht die Nacktbadewiese im Englischen Garten in Touristenführern, als Sehenswürdigkeit. Ist das ein Grund, warum dort nur noch so wenige Unbekleidete liegen?

"Hier sind öfter Gaffer", antwortet Diana Kießlinger, "die starren und machen manchmal auch Bilder". Sie ist mit ihrem Freund im Park. Heute trägt sie ein helles Sommerkleid, sonst legt sie sich auch gerne nackt auf die Wiese. "Ich finde es gut, dass FKK hier respektiert wird", sagt sie, "und wenn keine Gaffer da sind, fühle ich mich dabei auch wohl."

Die Studentinnen Sophia Weingold und Christina Seemüller liegen wenige Meter entfernt - und haben eine ganz andere Einstellung. Gerade haben sie den Platz gewechselt, weil sie beim Eisessen nicht direkt neben einem nackten älteren Herrn sitzen wollten. Sich unbekleidet im Englischen Garten zu zeigen, können sich die 21-Jährigen nicht vorstellen. "Das macht man heute nicht mehr, vielleicht eine Generationenfrage?", vermutet Christina Seemüller. Tatsächlich sind die wenigen Nackten hier fast ausschließlich im Rentenalter.

Ob nun wirklich die Touristen und ihre Handykameras ein Grund sind, warum nicht mehr so viele Nackte im Englischen Garten liegen, wer weiß das schon. Viele fürchteten aber schon, sich plötzlich in sozialen Medien wiederzufinden, vermutet Cordula Mauß. Karoline Graf vom Tourismusamt bestätigt: Eine Touristenattraktion sind die Nackerten durchaus. "Es steht in einigen Reiseführern, bei Führungen durch den Englischen Garten ist es aber kein Programmpunkt. Meistens fragen Gäste danach, die ihre Reise mit Hilfe von Reiseführern vorbereitet haben."

Sind die Nackten weitergezogen?

Pamela Pape, Touristin aus Virginia, hat von den nackten Sonnenanbetern im Englischen Garten im Internet gelesen. Sie ist jedoch nicht zum Gaffen gekommen. Sie gehört mit ihrem Mann David selbst zu den Nackerten. "Wir machen das auch zu Hause, aber da geht es nicht in öffentlichen Parks", sagt Pamela Pape. "Hier ist es sehr entspannt, keiner schaut", ergänzt ihr Mann David. Allerdings liegen die Besucher aus den USA auch nicht auf der gekennzeichneten Nacktbadewiese, sondern einige hundert Meter entfernt unter einem großen Baum. Um sie herum: noch ein paar weitere Nackte.

Vielleicht sind die Nackerten also gar nicht verschwunden, sondern wollen nur nicht länger mitten im Englischen Garten liegen? Oder sie sind gleich ein Stück weiter weg gezogen, wie Karoline Graf meint: "Das Ufer der renaturierten Isar südlich des Stadtzentrums bietet schöne Plätze, wo auch FKK erlaubt ist. Möglicherweise ist man dort als Nacktbadender ungestörter."

© SZ vom 25.08.2017/bhi
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