Jazz:Mit Nachdruck

Fiona Grond

Gerade in den letzten Zügen ihres Masterstudiums: Sängerin und Komponistin Fiona Grond.

(Foto: Ralf Dombrowski/oh)

Eine Künstlerbetreuerin betritt die Bühne: Die Jazz-Sängerin Fiona Grond arbeitet im Team des Jazzclubs Unterfahrt. Jetzt steht sie dort an drei Abenden auf der Bühne.

Von Ralf Dombrowski, München

Stimme ist ein Bekenntnis. Instrumente kann man sich bauen lassen, Blech und Hölzer wechseln. Die Stimme hingegen ist fest im Menschen verankert, ein Teil der Persönlichkeit und als solcher auch immer eine Option auf Intensität und Originalität. "Das Schöne am Musikstudium ist ja unter anderem, dass man viel Einzelunterricht hat und viel daher auch individuell arbeiten kann," meint Fiona Grond, Sängerin, Master-Studentin in den letzten Zügen der Ausbildung und Leiterin eines ungewöhnlichen Trios mit Stimme, Gitarre und Saxophon. "Ich habe zum Beispiel einiges über Gesangstechnik gelernt, über Improvisation und Tradition. Aber es wurde auch viel darüber gesprochen, was man eigentlich persönlich machen will, welche Musik und wie man dorthin kommt. Es ist nicht nur die Aneignung von Wissen, sondern ebenso Persönlichkeitsentwicklung. Ich habe vor dem Studium lange Querflöte gespielt, aber hatte oft das Gefühl, dass etwas zwischen mir und dem steht, was ich mit dem Instrument transportierten will." Deshalb habe sie also mit dem Gesang begonnen. Zunächst habe es sich angefühlt, als stelle man sich nackt vor die Leute. Sich dabei wohlzufühlen, musste Grond lernen.

Fiona Grond kam ohne Erwartungen nach Bayern. Und wurde überraschenderweise hier an der Musikhochschule genommen

So ein Prozess kann schon eine Weile dauern. Seit 2014 studiert Fiona Grond an der Hochschule für Musik und Theater München, Lehrerinnen wie Sanni Orasmaa und Anne Czichowsky haben sie durch die Kurven des Vokal-Bachelors gelotst, Kollegen wie Gregor Hübner und Christian Elsässer sind seitdem als Spezialisten für Fragen der Komposition im Masterstudium hinzugekommen. Der Weg nach München selbst war hingegen von Zufällen bestimmt. Grond ging in Zürich auf ein musisches Gymnasium, bewarb sich an zahlreichen Universitäten und folgte ihrer Mitabiturientin Hannah Weiss eher ohne die Erwartung nach Bayern, dort auch an der Hochschule genommen zu werden. Als es aber klappte, fand sie schnell Anschluss, Bands und Jobs unter anderem als Künstlerbetreuerin im Team des Jazzclubs Unterfahrt, wo sich die internationalen Koryphäen die Klinke in die Hand geben: "Die Arbeit dort hatte für mich viele wichtige Effekte. Denn sie inspiriert enorm, weil ich nicht nur zu Konzerten gehe, die ich mir sonst eh anschauen würde, sondern auch solche betreue, die ich vielleicht nicht gehört hätte. Und da habe ich viele tolle Sachen entdeckt. Ich unterhalte mich mit den Künstlern, die nach München kommen, und es entstehen neue Kontakte, andere Erfahrungen, alles sehr spannend."

So setzen sich die Puzzleteile zusammen, die aus Studium, Inspirationen und Kontakten über die Monate und Jahre hinweg eigene Projekte ergeben. Im Sommer erschien Fiona Gronds Album-Debüt unter eigenem Namen "Interspaces" (Unit). Es ist ruhige, balladeske, in kammerjazzige Gefilde führende Musik, ein Portfolio mit Raum im Klang, das in enger Kommunikation mit den Triopartnern Moritz Stahl und Philipp Schiepek entstand, die mit Tenorsaxophon und Gitarre die gesanglichen Texturen ergänzen: "Es ging mir zunächst weniger um die Instrumente. Ich habe mir überlegt, mit wem ich als Person und Musiker gerne zusammenarbeiten würde. Ich bin mit Moritz und Philipp an sich schon gut befreundet, und so lag es nahe, das einmal auszuprobieren. Am Anfang waren viele Experimente dabei. Wir haben Standards gespielt, uns an das Repertoire angenähert und mit der Zeit ist etwas anderes daraus geworden. Außerdem haben wir uns überlegt, wie wir die klassischer Rollenverteilung durchbrechen können - Gitarre spielt Akkorde, ich singe Thema, Saxophon spielt Solo - und Konzepte entwickelt, wie beispielsweise das Saxophon begleitet oder die Stimme nur leise im Hintergrund agiert." Es war ein wechselhafter Prozess mit vielen Experimenten. Manches wurde versucht und wieder verworfen, bis sich eine Arbeitsweise herausschälte, mit der alle Beteiligten glücklich sind.

Außerdem veränderten sich die künstlerischen Umstände. Bei Moritz Stahl etwa nahmen Bands wie Ark Noir Fahrt auf, Philipp Schiepek startete in eine zunehmend erfolgreichen Karriere als Solo-Künstler, und auch Fiona Grond war mit Kolleginnen und Kollegen von der Jazzrausch Big Band bis zur Pianistin Svetlana Marinchenko unterwegs. Die Corona-Bremse zügelte zwar einige Aktivitäten, die Band an sich aber konnte sie nicht stoppen, und daher stellt das Fiona Grond Trio seine Musik im Rahmen der Jazz Summer Weeks von Dienstag Abend bis zum Donnerstag mit drei Konzerten vor. Als Gast ist außerdem der Kölner Schlagzeuger Fabian Arends mit auf der Bühne, seinerseits einer der avancierten Klangraumnavigatoren, der es gewohnt ist, auch mit fragilen und luftigen musikalischen Strukturen umzugehen. So ist Stimme weiterhin ein Bekenntnis, das sich in diesem Team aber ebenso freimütig wie nachdrücklich entwickeln kann.

Fiona Grond, Dienstag, 7. Sep., bis Donnerstag, 9. Sep., je 20.30 Uhr, Jazz Summer Weeks im Jazzclub Unterfahrt, Einsteinstraße 42

© SZ/arga/by
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