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Film "Waves":Besser als der Durchschnitt

Kleine Schwester: Emily (Taylor Russell) rückt im Laufe des Films immer mehr in den Mittelpunkt.

(Foto: Courtesy of A24)

In seinem pulsierenden Film "Waves" erzählt der Regisseur Trey Edward Shults von den Sorgen einer schwarzen Familie.

Von Anke Sterneborg

Wie wild kreiselt die Kamera durch die Enge des Autos, feiert die jugendliche Euphorie des Lebens und der Liebe, spielt aber auch auf die Gefahren an, denen sie ausgesetzt ist. Als Schwarzer müsse man immer ein bisschen besser sein, bläut der Vater Tyler ein: "Du kannst es dir nicht leisten, durchschnittlich zu sein!" Unerbittlich trainiert er mit ihm für die Ringkämpfe, die nach dem Highschool-Abschluss das Stipendium sichern sollen. Die Schmerzen in der Schulter betäubt er mit Tabletten. Feiern, ringen, lernen, lieben: Immer höher wird der Druck auf Tyler - und dann ist auch noch seine Freundin schwanger.

Komplizierte Familienstrukturen sind das wiederkehrende Thema von Trey Edward Shults, der die eigentlich in einer weißen Familie angesiedelte Geschichte ins schwarze Mittelstandsmilieu verlegt hat, um die Rolle des Tyler mit Kelvin Harrison Jr. besetzen zu können. Was das für die Erzählung bedeutet, lässt er in diesem lange vor dem Tod von George Floyd gedrehten Film auf unterschwellige Weise einfließen. Die Wellenbewegung des Titels läuft durch die Erzählung, die in der ersten Hälfte von Tylers Drama erzählt und in der zweiten von seiner kleinen Schwester. Sie durchdringt auch den filmischen Stil, in einem visuellen Rausch, der von Terrence Malick inspiriert ist, aber auch einer eigenen Vision folgt, mit Formatveränderungen, delirierenden Kamerafahrten, frenetischem Schnittrhythmus und einem pulsierenden Soundtrack von Trent Reznor und Atticus Ross.

Waves, Regie: Trey Edward Shults

© SZ vom 15.07.2020

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