bedeckt München 10°

Steinhöring:Wohnen im Denkmal

Denkmalschutzmedaille für Hofna-Hof St. Christoph

Rosemarie Oberschätzl-Kopp und Maximilian Kopp haben ihren Bauernhof in Sankt Christoph behutsam umgestaltet. Dabei bewahrten sie vieles Historisches.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Rosemarie und Max Kopp sind für die Renovierung ihres historischen Hofes ausgezeichnet worden

Von Daniela Gorgs, Steinhöring

Wenn Maximilian Kopp erzählt, wie der Putz an den Wänden der guten Stube aufgetragen wurde und wie viel Wochen allein das gedauert hat, bekommt man eine Ahnung, was für ein immenser Kraftakt es ist, einen denkmalgeschützten Bauernhof zu renovieren. Zentimeter für Zentimeter arbeitete eine Restauratorin den historischen Putz im dem alten Bauernhof in St. Christoph bei Steinhöring auf, bis unter der Decke endlich die alte Laubmalerei wieder aufgetragen werden konnte. Auf einer knapp 400 Quadratmeter großen Fläche wurden alte Balken in mühseliger Kleinarbeit abgebürstet, Säulen entrostet, Wände aus Stein und Kies aufgefüllt und verfestigt. Fenster wurden nachgebaut und mit Isolierglas versehen, Holzböden geschrubbt, Türen abgebeizt.

Die Anstrengung ist Maximilian Kopp nicht anzumerken. Im Gegenteil. Entspannt sitzt er auf dem weichen Lodenpolster vor dem Kachelofen, hält seinen fünf Monate alten Sohn Leonhard im Arm, blickt auf die mintgrünen Wände und erklärt die Bordüre unterhalb der Decke: "Oben ist die Bemalung geometrisch, unten floral - so wie früher."

5000 reine Arbeitsstunden allein von ihm und ein hoher sechsstelliger Betrag stecken in dem Projekt, zu dem ihn seine Frau erst überreden musste. Die Familie, Vater Joseph Kopp, Schwager Jürgen Oberschätzl, Schwiegervater Johann und viele Freunde packten mit an, um die Kosten zu verringern. Heute, nachdem der Umbau des gesamten Hofes abgeschlossen ist, Baggerspuren beseitigt sind und vor der Tür wieder Gras wächst, sagt der gelernte Bankkaufmann: "Ich würde es genauso wieder machen." In Eigenregie und im ständigen Austausch mit dem Denkmalamt machten Maximilian Kopp und seine Frau Rosemarie Oberschätzl-Kopp, eine Agraringenieurin, aus dem Einfirsthof mit dem Hofnamen "Zum Hafna" in der Ortsmitte ein Schmuckstück und gaben ihm den bayerischen Namen "Hofna". Rosemarie erbte den Hof von ihren Eltern, die das Anwesen von der Bäuerin Elisabeth Mair auf Leibrente übernommen hatten.

Der Hof wurde 1779 als Gebäude errichtet, das alle drei notwendigen Funktionen - Wohnhaus, Stall und Tenne - hintereinander vereint. Der Einfirsthof war einer der ersten in Bayern, die unter Denkmalschutz gestellt wurden. Den früheren Stall und die Tenne baute das Ehepaar zur Loft-Wohnung auf zwei Ebenen für sich selbst um. Das alte Wohnhaus daneben, mit der guten Stube der Hofna-Lis, wie die Bäuerin genannt wurde, verwandelten sie in eine Ferienwohnung. Für die behutsame Instandsetzung des geschichtsträchtigen Hofes ist das Ehepaar jetzt mit der bayerischen Denkmalschutzmedaille geehrt worden. Der Kreisheimatpfleger Thomas Warg, der mit seinen beiden Kollegen die Familie Kopp für den Preis vorgeschlagen hatte, ist mächtig stolz. Zum ersten Mal hat ein Baudenkmal aus dem Landkreis Ebersberg diese Medaille verliehen bekommen. Warg weiß, dass bei dieser Auszeichnung die Messlatte sehr hoch hängt und die Konkurrenz groß ist. Im Fall der Steinhöringer Familie erkannten Kunstminister Bernd Sibler und Generalkonservator Mathias Pfeil die Besonderheit und lobten explizit, dass das Ehepaar Kopp "mit viel Eigenleistung, besonderem Engagement und Ideen ein altes Bauernhaus in die Moderne gehoben hat. Ihr gelungenes Projekt wirkt auch als Vorbild für andere".

Bevor die Kopps im Jahr 2016 einen Bagger kauften und fortan jeden Urlaub auf der hauseigenen Baustelle verbrachten, holten sie die Genehmigungen für den Umbau ein - und setzten dabei Maßstäbe. Viele Bauherren scheuen die Auflagen der Denkmalschutzbehörde. Die Eheleute Kopp kommunizierten jeden Schritt des Umbaus. Ihr Gedanke war, möglichst wenig an der bestehenden Fassade des Gebäudes zu verändern und den Charakter der alten Hofstelle zu erhalten. Dahinter errichteten sie nach dem Plan des Wörther Architekten Reinhard Lindner ein neues Gebäude. Um dem Denkmalamt die Ideen besser zu veranschaulichen, baute Kopp ein 1:50-Modell des Haus-im-Haus-Konzepts. Das begeisterte das Denkmalamt. Am Ende erlaubte die Behörde den Kopps sogar, Fenster in das geschlossene Dach einzubauen, damit sie genügend Licht hineinbringen.

Wer jetzt vor dem "Hofna" steht, fühlt sich wie im Urlaub. Ein prachtvoller Geranienbalkon ziert das Bauernhaus, neben einem Brunnen, der vor sich hinplätschert, sprießen Salat und Kräuter im Bauerngarten, der mit einen Holzlattenzaun umrandet ist. Ein Weg aus groben Pflastersteinen führt ins Haus.

Mit viel Liebe zum Detail haben die Kopps auf 150 Quadratmetern eine Ferienwohnung oder besser gesagt ein Gästehaus eingerichtet. Bilder der Künstlerin Katharina Schmidmayer aus dem Chiemgau hängen an den Wänden. Sie zeigen in dezenten Farben Männer und Frauen in bayerischer Tracht. Es ist Kunst, die Tradition mit Moderne verbindet - und damit genau dem Ansatz der Eheleute Kopp entspricht: Historisches erhalten und gleichzeitig den Umbruch in die Moderne bewerkstelligen. "Der Gast möchte ja nicht einem Museum wohnen", sagt Kopp, während er die knarzende Treppe hinauf in den ersten Stock führt und oben gleich warnt. "Obacht, Kopf einziehen." Die Tür zu den Schlafzimmern hat eine Durchgangshöhe von 1,55 Metern.

Das moderne Boxspringbett im stilvollen Hellgrau könnte auch in einem Sterne-Hotel stehen, die zwei restaurierten Holzbetten im Nachbarzimmer erinnern an die Zeit der Großeltern. In der Kommode unter den Kastenfenstern ist ein Fernseher versenkt, der mit einer Fernbedienung nach oben gefahren wird. Auch diese Idee stammt von Kopp. Er möchte den Blick auf die rustikalen Blockbauwände, die vom alten Leben erzählen, nicht durch modernes Gerät stören und den Gästen dennoch sämtliche Annehmlichkeiten bieten. Die freistehende Wanne im großzügigen Badezimmer neben den Schlafzimmern, die auf ein Podest gebaut ist, gehört eigentlich nicht zur Ausstattung einer Ferienwohnung.

Der alte, liebevoll restaurierte Holzofenherd in der Küche unten neben der Stube auch nicht. Auf dem hat schon die Hofna-Lis gekocht. Wie man den Holzofen befeuert und im Backrohr einen traditionellen Schweinebraten zubereitet, erklärt der Hausherr gerne auf Wunsch. Keine Sorge, die Küche verfügt ebenfalls über einen modernen Herd mit Induktionskochfeld, Backofen und Geschirrspülmaschine. Schlichte Bänke und Tische aus hellem Holz, roter Ziegelboden in Küche und Speisekammer, schwarze Steckdosen und Drehlichtschalter aus Bakelit, geradlinige Lampen aus Metall. Nach all diesen Details haben die Kopps lange gesucht und sind meist in der Region fündig geworden.

Wer hier zu Besuch kommt, fühlt sich ein bisschen wie aus der Zeit gefallen. Der Einfirsthof liegt eingebettet in den beschaulichen kleinen Ort in der ländlichen Umgebung Steinhörings. Ab und zu fährt ein Auto vorbei. Ansonsten ist es so still, dass man die Vögel zwitschern hört. Wenn man dann abends im Garten in der selbst gebauten "Hot Tub" im knapp vierzig Grad heißen Wasser liegt und auf die beleuchtete Wallfahrtskirche blickt, kann man sich wohl bestens erholen. Max Kopp hat das ausprobiert. "Das ist wirklich sehr idyllisch", sagt er und lächelt.

Auf der Webseite hofna.de erhalten Interessierte Informationen über das Wohnen im Denkmal.

© SZ vom 10.06.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema