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Buch am Buchrain:Einendes und Trennendes

Amtsinhaber Ferdinand Geisberger will seinen Chefsessel im Bucher Rathaus erneut gegen Martin Kern verteidigen. Für den 52-jährigen Postbeamten Geisberger wäre es die vierte Amtsperiode.

(Foto: Peter Bauersachs)

In Buch am Buchrain kommt es zur Neuauflage des Duells um den Bürgermeistersessel. In einigen Punkten sind sich Amtsinhaber Ferdinand Geisberger und Herausforderer Martin Kern einig

In Buch gibt es eine Neuauflage des Duells um den Bürgermeistersessel: Wie 2014 treten Bürgermeister Ferdinand Geisberger (CSU) und Martin Kern (Parteifreie Bürger/SPD) gegeneinander an. Die Wählergruppe Buch am Buchrain hält sich wie vor sechs Jahren heraus. Für den 52-jährigen Postbeamten Geisberger wäre es die vierte Amtsperiode. Er tritt außerdem auch wieder auf Platz 13 der CSU-Kreistagsliste an. Das Duell um den Bürgermeistersessel war 2014 klar zugunsten von Geisberger ausgegangen: Er holte 59,47 Prozent der Stimmen, Martin Kern 40,53 Prozent. Der 36-jährige Realschullehrer Kern ist seit 2014 Gemeinderat und SPD-Kreisvorsitzender. Er kandidiert auf dem zweiten Platz der SPD-Kreistagsliste.

2014 stand die Debatte über den Bau von Windkraftanlagen im Mittelpunkt, dieses Thema ist jetzt vom Tisch. Stattdessen sind die Trinkwasserversorgung der Gemeinde und der Lärmschutz für Anwohner der A94 die wichtigsten Themen, dazu kommen Kinderbetreuung, neue Baugebiete, kommunaler Wohnungsbau, das Glasfasernetz, neue Energiekonzepte und die Neugestaltung der Dorfmitte und der Ortsdurchfahrt. Bisher stellt die CSU neben dem Bürgermeister fünf Gemeinderäte: Birgit Hipper, Bernhard Blasi, Thomas Steidler, Axel Krämer, Martin Ostermeier. Die SPD/Parteifreien Bürger sind mit drei Gemeinderäten vertreten: Kern, Matthias Steutzger und Robert Ulzhöfer. Dieses Mal heißt die Liste Parteifreie Bürger/SPD. Unter den elf Kandidaten findet sich auch der mit 84 Jahren älteste Gemeinderatskandidat und frühere SPD-Ortsvorsitzende Jörg Menzinger. Vier Vertreter - Martin Kunstwadl, Martin Dondl, Josef Auer und Margit Kunstwadl - hat die Wählergruppe Buch am Buchrain im Gremium. Bündnis 90/Die Grünen tritt in Buch nicht mit einer eigenen Liste an, auf der Liste der Wählergruppe Buch kandidiert jedoch die 40-jährige Carola Bock. Die Verwaltungsleiterin der Bucher Kindertagesstätte steht auch auf der Liste der Grünen für den Kreistag.

Ferdinand Geisberger (CSU).

(Foto: Renate Schmidt)

Ein großer Umbruch ist in Buch ohnehin nicht zu erwarten: Elf der zwölf Gemeinderäte treten wieder an. Nur der bisherige zweite Bürgermeister Martin Kunstwadl hört auf. Auf dem vierten Listenplatz der Wählergruppe bewirbt sich zum ersten Mal der frühere Sprecher der Genossenschaftsbanken im Landkreis, Friedrich Reiser um einen Sitz im Gemeinderat.

In Buch tut sich einiges: Das neue vier Millionen Euro teure Feuerwehrhaus soll realisiert werden. Ein Wald-Naturkindergarten, der Ausbau der Kindertagesstätte und kommunaler Wohnungsbau sind geplant. Das Breitband- und Kanalnetz wurden ausgebaut, der Hammerbach renaturiert und Blühflächen geschaffen. Noch nicht aus der Diskussion ist jedoch die Trinkwasserversorgung, und hier ist Eile geboten. 2022 läuft die Genehmigung für den alten Brunnen aus. Seit Jahren wird über einen neuen Standort oder den Anschluss an das Forsterner Netz auch zwischen Geisberger und Kern gestritten. Der Gemeinderat hatte sich mehrheitlich für einen eigenen Brunnen entschieden, Kern ist damit nicht zufrieden. Die SPD/Parteifreien-Räte fordern, Alternativen zu prüfen, denn das Trinkwasser weist relativ hohe Nitratwerte auf. Geisberger steht dagegen zum Mehrheitsbeschluss, der in zwei Jahren realisiert werden könnte. Nach Rücksprache mit Wasserwirtschaftsamt und Gesundheitsamt ist ihm zufolge der eigen Brunnen am neuen Standort die beste Lösung. Benachbarte Wasserversorger könnten Buch nicht die benötigte Wassermenge liefern. Die Werte des Wassers am neuen Standort seien sehr gut, auch die Nitratwerte seien in Ordnung. Durch die Ausweisung von neuen Wasserschutzgebieten und bei guter Zusammenarbeit mit den Landwirten ist sich Geisberger sicher, wie er sagt, dass die Nitratwerte verbessert werden könnten. Die Wasserversorgung sollte in der Hand der Gemeinde bleiben.

Martin Kern (Parteifreie Bürger/SPD).

(Foto: Renate Schmidt)

Kern sieht das anders, er ist mit den Ergebnissen einer Studie zum Trinkwasser nicht zufrieden, die Daten seien als Entscheidungsgrundlage zu spärlich gewesen. Er forderte, über das Thema noch einmal öffentlich zu diskutieren. Drei Jahre lang sei hinter verschlossenen Türen diskutiert worden. Derzeit sei Buch bei der Nitratbelastung des Trinkwassers Spitzenreiter im Landkreis.

Beim Thema Energieversorgung haben beide Kandidaten Ideen: Beide setzen auf Photovoltaikanlagen. Davon gibt es bereits einige auf Sport- und Schützenheimdächern und an der Kläranlage. Auf dem Dach des Kindergartens und dem Bauhof-Areal wären weitere Anlagen möglich. Kern möchte zudem neue Baugebiete von einem Blockheizkraftwerk am Bauhof-Areal über Nah- und Fernwärmeleitungen mit Strom und Wärme versorgen. Zudem könnte ein Solarpotenzialkataster für Dachflächen erstellt werden. Beide Kandidaten wollen darüber hinaus E-Mobilität und den Bau neuer Radwege fördern.

Einig sind sich die Kandidaten auch darin, dass entlang der A94 einen besseren Lärmschutz für Anwohner verwirklicht werden müsse. In Hammersdorf war Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zu Besuch und hatte dort das inzwischen eingeführte Tempolimit auf 130 Stundenkilometer angekündigt. Geisberger und Kern fordern weitere Nachbesserungen beim Lärmschutz an der A 94. Und sie wollen, dass geprüft wird, ob bei der Bauausführung von den Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses abgewichen worden sei.

Geisberger will seine "solide Haushaltspolitik" fortsetzen, und das ist auch Kern wichtig. Er macht sich aber auch für einen Badesee mit der Nachbargemeinde Forstern als Freizeitgelände stark. Dazu würde er gerne den Erholungsflächenverein München einbinden, dessen Mitglied Buch werden müsste. Zudem will Kern in Buch einen Seniorenbeirat gründen.

CSU: Ferdinand Geisberger, Birgit Hipper, Bernhard Blasi, Thomas Steidler, Axel Krämer, Martin Ostermeier, Georg Kreuzer, Michael Rappold, Andreas Hietl, Michael Stanner, Monika Roth, Iva Hirth, Christian Tremmel, Martin Ommer, Martin Geisberger, Josef Stein, Alexander Hoffmann, Georg Krojer, Ulrich Baumann, Andreas Greissl, Michael Simon. Wählergruppe Buch am Buchrain: Martin Dondl, Josef Auer, Margit Kunstwadl, Friedrich Reiser, Ludwig Obermaier, Carola Bock, Joachim Paul Hornstein, Günther Herbst, Albert Rappold, Bernhard Stanner, Alfred Hobelsberger, Johann Brunner. Parteifreie Bürger/SPD: Martin Kern, Matthias Steutzger, Robert Ulzhöfer, Rebecca Greckl, Georg Wust, Elke Kast, Thorsten Frank, Anna Huber, Günter Pichl, Konrad Huber, Jörg Menzinger

© SZ vom 27.02.2020
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