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Neustrukturierung:Doppelter Gewinner

Landwirtschaftsamt wird größer und die Schule bleibt erhalten

Von Florian Tempel, Erding

Aus der Neustrukturierung der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geht Erding als doppelter Gewinner hervor. Zum einen vergrößert sich der Zuständigkeitsbereich durch die Zusammenlegung mit dem Landwirtschaftsamt Ebersberg. Das neue Amt ist fortan für die Landkreise Erding, Freising, Ebersberg und München zuständig. Gleichwohl geht es hierbei vor allem um interne Behördenprozesses, da die bisherigen Ämterstandorte bestehen bleiben. Anders ist das bei der Landwirtschaftsschule. Erding ist als Zukunftsstandort ausgewählt worden, während etwa die Landwirtschaftsschulen in Landshut, Fürstenfeldbruck und Töging (Kreis Mühldorf) geschlossen werden. Im Herbst wird laut Auskunft von Amts- und Schulleiter Otto Roski dennoch kein neuer Studiengang in Erding beginnen.

Die Nachfrage nach einer Ausbildung an einer Landwirtschaftsschule ist zuletzt dramatisch gesunken. Schon im vergangenen Herbst waren die Anmeldezahlen so gering, dass die Lehrgänge der sogenannten Winterschule in Erding und Fürstenfeldbruck auf der Kippe standen. Als Mindestanzahl pro Jahrgang sind eigentlich 16 Studierende Pflicht. Nur mit einer Sondererlaubnis von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) durften 2019 in Erding und Fürstenfeldbruck Klassen mit je zwölf Schülerinnen und Schülern gebildet werden.

In diesem Jahr ging die Zahl der Interessenten bayernweit allerdings noch weiter zurück. Es sind aktuell so wenige, dass weder in Erding, noch in den benachbarten Landwirtschaftsschulen in Landshut und Töging in diesem Herbst neue Klassen zusammenkommen. Schulleiter Roski ist aber zuversichtlich, dass es nach einem Jahr Pause in Erding wieder weitergeht: "Die Zahl der Betriebe in unserem Bereich ist so hoch, dass die Schule in den kommenden 20 bis 30 Jahren locker auszulasten wäre." Es geht allerdings um jeden Einzelnen und das mit persönlicher Ansprache und Betreuung, erklärt Roski: "Wir sind dschon abei, mit den Familien zu reden", in denen junge Frauen und Männer eine landwirtschaftliche Ausbildung absolvieren und anschließend an der Schule in Erding eineinhalb Jahre weiterlernen könnten.

Es gibt viele Gründe, warum derzeit die Landwirtschaftsschulen nicht so gefragt sind. Der Beruf des Landwirts erscheint den einen nicht attraktiv, andere studieren Landwirtschaft an einer Hochschule und wieder andere machen berufsbegleitende Aus- und Weiterbildungen. Bayernweit rechnet das Landwirtschaftsministerium langfristig nur noch mit jährlich 400 Studierenden, die die klassische Winterschule mit ihren zwei Winter- und einem Sommersemester absolvieren werden. Bei einer Jahrgangsstärke von 20 Studierenden "ergeben sich 20 Standorte für Landwirtschaftsschulen inklusive von zwei Öko-Fachschulen", heißt es in einer Presseerklärung. Das bedeutet bayerweit das Aus für sieben Schulen. Im Regierungsbezirk Oberbayern wird ihre Zahl auf acht auf fünf reduziert.

© SZ vom 14.07.2020

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