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Kommentar zur Schließung der Landwirtschaftsschule:Beruf des Bauers nicht mehr attraktiv

Dass kaum noch junge Menschen ein Interesse daran haben, sich zum Landwirt ausbilden zu lassen, hat auch mit der Politik der letzten Jahre zu tun

von Heike A. Batzer

Nicht einmal zehn Jahre nach ihrem Umzug in die neuen, modernen Räume ist die Landwirtschaftsschule Fürstenfeldbruck Geschichte. Das Ministerium teilt die Dinge neu ein, der Standort im ländlichen Fürstenfeldbrucker Stadtteil Puch gehört nicht dazu.

Dass nun alle derart überrascht wurden von der Mitteilung der Schließung, muss gleichsam wiederum überraschen. Denn dass so gar nichts von den Plänen des CSU-geführten Landwirtschaftsministeriums in die CSU-Außenäste dringt, ist ungewöhnlich oder zeugt zumindest von schlechter Kommunikation. Aber dass eine Schule auf Dauer erhalten wird, obwohl sie kaum mehr Schüler hat, davon durften nicht einmal die größten Optimisten ausgehen. Eine mögliche Schließung hatte im Landkreis dennoch offenbar niemand ins Kalkül gezogen.

Dass die Landwirtschaftsschule in Puch über die Jahre zu wenig Anziehungskraft hat, liegt wohl auch daran, dass der Beruf des Landwirts nicht mehr attraktiv ist. Selbst in Landwirtsfamilien gibt es kaum noch innerfamiliäre Übernahmen. Die Politik des "immer größer", des "Wachsen oder Weichen" hinterlässt ihre Spuren. Der kleine Bauer auf dem Land existiert nur noch im Bilderbuch. Die Landwirtschaft ist ein Industriezweig, mit allen negativen Begleiterscheinungen: Pestizideinsatz, Überdüngung, Umweltzerstörung, Massentierhaltung, schlechte Arbeitsbedingungen bis hin zur Gewaltanwendung an Tieren in den Schlachthöfen. Nein, in einem solchen Beruf mögen immer weniger Menschen arbeiten. Zumal auch das Einkommen der Bauern immer weiter sinkt.

Dabei gehört die Herstellung von Grundnahrungsmitteln zum wichtigsten Produktionszweig. Landwirtschaft müsste neu und anders gedacht werden, von der Regionalität her, vom Umweltschutz her. Doch es gibt keine Zeichen, dass ein Umdenken stattfindet. Die Grünen haben recht, wenn sie bemängeln, dass nun auch bei der Neueinteilung der verbleibenden Landwirtschaftsschulen zu wenig auf den Ökolandbau abgezielt wird. Wieder eine Chance vertan. Das Ergebnis des politischen Weiter-so sieht man jetzt - auch in Puch.

© SZ vom 11.07.2020
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