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Coronavirus im Landkreis:Gesundheitsamt wahrt den Überblick

Zugang zur Screeningstelle Dorfen

Auf eigene Faust kann man sich weder in Dorfen (Bild) noch in Erding testen lassen. Ein Arzt muss das Okay gegeben haben.

(Foto: Landratsamt Erding)

Bislang gibt es im Landkreis 23 Corona-Patienten. Jetzt wird eine dritte Screening-Stelle eingerichtet.

23 Menschen im Landkreis Erding haben sich bis Dienstag mit dem Coronavirus infiziert, diese Zahl hat Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Nach wie vor lasse sich bei den meisten nachvollziehen, wo sie sich angesteckt haben. Viele der positiv Getesteten kämen aus dem Urlaub in Tirol oder Südtirol, fügte Sibylle Borgo vom Gesundheitsamt an. Sie findet das "beeindruckend", wie sie sagte, wie gut sich die Ansteckungskette nachverfolgen ließe. Es seien "weniger als fünf", bei denen man nicht wisse, wo sie sich angesteckt hätten. Auf Hochtouren ermitteln die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Kontaktpersonen von Infizierten, um weitere Infektionen so gut wie möglich zu verhindern. Um Ansteckungsketten zu unterbrechen, werden auch die Maßnahmen der bayerischen und der Bundesregierung helfen, die das öffentliche Leben weitgehend zum Stillstand bringen, wie Bayerstorfer sagte.

Gute Dienste leisten in diesem Zusammenhang die beiden Screening-Stationen, die der Landkreis auf eigene Faust eingerichtet hat. Bis Mittwochmorgen sollen in Erding und Dorfen gut 600 Personen getestet worden sein. Die Stellen sind an sieben Tagen in der Woche von 9 bis 17 Uhr in Betrieb. Getestet werden allerdings nur jene, von denen der Hausarzt oder die Kassenärztliche Bereitschaftsdienst (Telefon 116117) die Daten übermittle. Wichtig zu wissen: Eine Rückmeldung der Screening-Stelle bekommen nur die positiv Getesteten, und zwar innerhalb der folgenden 72 Stunden. Bei wem nichts gefunden wird, der erhält keine Nachricht. Jetzt will Bayerstorfer noch eine dritte Station einrichten. Im nördlichen und östlichen Landkreis - "zwischen Wartenberg und Taufkirchen" - suche er derzeit nach geeigneten Räumen. Und das ist gar nicht so einfach: Sie müssen desinfiziert werden können, und sie brauchen alle möglichen Kommunikationsanschlüsse, zum Beispiel auch einen Faxanschluss, weil manche Ärzte laut Bayerstorfer nicht per E-Mail kommunizieren wollten. Gute Dienste leistet auch das Bürgertelefon, wie es am Dienstag hieß. Täglich zwischen 8 und 17 Uhr ist dort jemand unter der Nummer 08122/581770 erreichbar und berät die Bürger.

Noch ist die Lage entspannt im Landkreis Erding. Laut Borgo waren zwei Corona-Patienten im Klinikum, beide konnten schon wieder entlassen werden, sie befänden sich aber noch in Quarantäne. Die beiden seien zu keinem Zeitpunkt in einem kritischen Zustand gewesen. Weder ein Beatmungsgerät noch intensivmedizinische Maßnahmen seien erforderlich geworden.

Ob das alles auch so bleibt, das kann keiner vorhersagen. Ein exponentieller Verlauf der Erkrankungen sei durchaus zu erwarten. Dafür sieht Bayerstorfern den Landkreis gut gerüstet: Im Klinikum Erding ist ihm zufolge der gesamte zweite Stock mit 80 Betten dafür vorbereitet, Corona-Patienten aufzunehmen. Es stünden 22 Beatmungsgeräte zur Verfügung. Zusätzlich wurde im Gartengeschoss des Klinikums eine zweite Infektaufnahme geschaffen, um die Patientenströme zu trennen, wie Bayerstorfer sagte. Und auch Personal sei genügend vorhanden, wobei die Schließung der Krankenpflegeschule hierbei nützlich gewesen sei. Die Schüler seien angelernt worden. Alle nicht notwendigen Operationen wurden im Klinikum Erding abgesagt.

Um das Ansteckungsrisiko zu verringern, gilt ein generelles Besuchsverbot im Krankenhaus. Ausnahmen seine Angehörige von Sterbenden. Die Angehörigen müssten selber entscheiden, ob sie gesund seien. Auch werdende Väter dürfen in die Entbindungsstation, um ihren Partnerinnen beizustehen.

© SZ vom 18.03.2020
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