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Englischer Garten:Prominente Paten für einen Tunnel

Luftbild vom Englischen Garten in München, 2013

Der Isarring, der derzeit den Englischen Garten zerschneidet (links), soll in einem Tunnel verschwinden.

(Foto: lks)

Ein möglicher Tunnel unter dem Englischen Garten findet immer mehr Unterstützer. Nun will einer der einflussreichsten Münchner helfen: Franz von Bayern. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Wittelsbacher sich in die Stadtpolitik einmischt.

Von Alfred Dürr

Der Druck auf den Münchner Stadtrat, den Bau eines Straßentunnels unter dem Englischen Garten möglich zu machen, wächst. Sponsorenzusagen gibt es schon, mehrere Ministerien haben wohlwollende Unterstützung zugesagt, und nun stellt sich auch einer der prominentesten Münchner in den Dienst des Projektes: Franz Herzog von Bayern, Chef des Hauses Wittelsbach, setzt sich dafür ein, dass der durch eine Straßenschneise getrennte Park wiedervereinigt wird. "Das ist ein Projekt von allergrößtem Interesse, nicht nur für München, sondern auch für ganz Bayern", sagt er der SZ.

Obwohl der Wittelsbacher sich selbst stets im Hintergrund hält, hat er in München schon manchem Projekt als Wegbereiter zum Durchbruch verholfen, etwa dem Bau der Pinakothek der Moderne. Die Idee des Schwabinger Architektenpaares Hermann Grub und Petra Lejeune unterstützte er nun, weil dadurch die einmalige Chance bestehe, ein Naturdenkmal zu reparieren. "Es wäre ein Jahrhundertschritt, wenn man die Idee in die Tat umsetzen könnte", sagt Franz von Bayern.

Wie seine Unterstützung konkret aussieht, ist noch unklar: "Ich will demonstrieren, dass ich hinter dem Projekt stehe und erst einmal moralischen Rückhalt geben." Gefragt seien die öffentliche Hand und private Sponsoren. Es sei rechtlich aber nicht möglich, Geld aus der Stiftung Wittelsbacher Ausgleichsfonds zur Verfügung zu stellen. Tunnel-Initiator Hermann Grub sieht in dem Engagement des Wittelsbacher-Chefs einen wichtigen Impuls zur Realisierung des Bauwerks.

Auch Umweltminister Marcel Huber will Geldquellen erschließen

Noch kurz vor der Kommunalwahl im März hatte der Stadtrat das Baureferat und andere Dienststellen der Stadtverwaltung beauftragt, mit den Planungen für die Verlegung des Mittleren Rings im Abschnitt Englischer Gartens in einen Tunnel zu beginnen. Voraussetzung sei aber, dass der Freistaat als Eigentümer das Projekt "maßgeblich fördert" und Spenden von Privatpersonen und Unternehmen zur Finanzierung beitragen. Hermann Grub und Petra Lejeune rechnen mit Kosten von 70 Millionen Euro.

Diese Summe sei aufgrund "seriöser Fachgutachter" errechnet worden. Finanzminister Markus Söder, in dessen Ressort der Englische Garten fällt, und Innenminister Joachim Herrmann, der auch für Bauprojekte zuständig ist, haben bereits ihre Unterstützung bekundet. Auch Umweltminister Marcel Huber will Geldquellen erschließen. Verbindliche Zusagen über einen bestimmten Betrag gibt es bislang nur von der Allianz Umweltstiftung. Eine Million Euro wurde von dieser Seite schon vor einiger Zeit zur Verfügung gestellt.

Der Park als wichtiges Kunstwerk

Auch an Werbung für die Wiedervereinigung des Parks mangelt es nicht. Bekannte Persönlichkeiten haben sich für den Tunnelbau stark gemacht: Altoberbürgermeister Hans Jochen Vogel, die Schauspielerin Jutta Speidel, die Regisseurin Doris Dörrie oder der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger. Franz Herzog von Bayern spielt auch deshalb eine wichtige Rolle, weil das Haus Wittelsbach eng mit der Geschichte des Englischen Gartens verbunden ist.

Kurfürst Carl Theodor hatte 1789 bestimmt, ein Jagdgebiet entlang der Isar als Volksgarten anzulegen. Zu den wichtigsten Gartenbauern zählten Friedrich Ludwig von Sckell sowie Benjamin Thompson, der spätere Reichsgraf von Rumford, und von 17 98 an der Freiherr von Werneck.

Man könne die Bedeutung der innerstädtischen Grünflächen für die Menschen gar nicht hoch genug einschätzen, sagt Franz Herzog von Bayern. Der Park sei nicht nur ein gern besuchtes Erholungsgebiet, sondern auch ein wichtiges Kunstwerk, mit dem man pfleglich umgehen müsse.

Dass der ruhigere nördliche Teil nach einer Wiedervereinigung möglicherweise genauso überlaufen werden könnte wie der Südteil an prächtigen Sommertagen, befürchtet er nicht: "Da ist für alle genügend Platz." Verständnis hat er für die Anwohner an stark befahrenen Abschnitten des Mittleren Rings, die sich ebenfalls Tunnel wünschen: "Wir brauchen aber auch den Schutz der Natur und der Tiere, denn der kommt allen Menschen zugute."

© SZ vom 25.06.2014/amm

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