Premiere von "Der Fall Collini" Elyas M'Barek kann auch ernst

Elyas M'Barek spielt in der Verfilmung eines Buches von Ferdinand von Schirach den Anwalt eines Mörders.

(Foto: Getty Images for Constantin Film)

Nach Klamauk-Rollen wie in Fack ju Göhte spielt der 36-Jährige nun den Verteidiger eines Mörders. Bei der Premiere des Films dreht sich alles um ihn.

Von Philipp Crone

"Super, dass sie das mit Elyas besetzt haben", sagt Regisseur Simon Verhoeven ("Willkommen bei den Hartmanns"). Ein paar Meter weiter steht am Donnerstagabend im Mathäser-Kino Regie-Kollege Marc Rothemund und sagt, dass er sich sehr auf den Film freue, M'Barek habe seine Rollen sehr gut ausgewählt. Das Lob wundert erst einmal nicht so sehr, beide haben schon mit M'Barek gedreht, Rothemund den Film "Dieses bescheuerte Herz". Meist sind Regisseure von ihren Hauptdarstellern begeistert. Andererseits wissen sie genau, in welcher Lage M'Barek derzeit ist: Bekannt und zum derzeit größten deutschen Schauspielstar samt riesiger weiblicher Fan-Schar wurde er durch "Türkisch für Anfänger" - und vor allem durch die Rolle des Zeki Müller in der "Fack ju Göhte"-Reihe als herrlich schlagfertiger Proll-Lehrer. Nach drei Filmen als Klamauk-Kanake war die Frage: Kann er auch ernst? Die Frage stellt sich auch am Donnerstagabend.

Wenn Rothemund von einer guten Rollenauswahl spricht, meint er auch die in "Dieses bescheuerte Herz", in dem M'Barek einen jungen Mann spielt, der erst noch jugendlich überdreht, also zeki-artig durch die Welt driftet, dann aber ernst und nachdenklich wird. Nun spielt der 36-Jährige eine todernste Rolle in der Verfilmung des Buches von Ferdinand von Schirach: den Anwalt des Mörders Fabrizio Collini.

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Die Lockerheit, mit der M'Barek bei der Premiere von "Der Fall Collini" über den roten Teppich schlendert und Interviews gibt, kommt von seiner Premieren-Routine, aber auch daher, dass bei der Premiere in Berlin vor zwei Tagen die Resonanz so gut war. Viele Filmkollegen seien "sehr beeindruckt" gewesen von der Schauspielleistung, sagt Rothemund. Bevor sich die Münchner darüber ein Urteil bilden, sind aber zunächst viele weibliche Gäste beeindruckt von M'Barek.

Statt kreischender Teenies sind es mittlerweile schmachtende Twens, die den Teppich säumen. Zwei junge Frauen hauchen unisono ein "endsüß!", eine Dame, die sich hinter der Absperrung drängelt, fragt mit knurrendem Unterton, wer denn die junge blonde Frau neben M'Barek sei. Das ist Schauspielkollegin Pia Stutzenstein, im Film M'Bareks aufreizend leicht bekleidete Assistentin. Boulevardmedien spekulieren, ob sie seine neue Freundin sein könnte. Ist aber nur ein Gerücht. Die beiden posieren nicht direkt nebeneinander, es gibt also kein neues Klatsch-Futter.

"Ganz nett", sagt die junge Dame kurz angebunden zu Stutzenstein. Dann macht sie noch einmal 40 Handyfotos von M'Barek. Stilles Schwärmen. M'Barek schwärmt an diesem Abend auch, von Rom. Dort hat er seinen Kollegen Franco Nero, 77, besucht, der ihn gleich in sein Lieblingsrestaurant Assunta Madre geschleppt habe. Und wenn nun ein Nero, der mit Tarantino und Eastwood gedreht hat und das Geschäft seit knapp 60 Jahren kennt, "meine Arbeit mag", wie M'Barek sagt, dann ist das auch für einen Dauer-Umschwärmten ein besonderes Lob. Martin Moskowicz, Chef der Constantin, die den Film produziert hat, ist gleich so ergriffen, dass er eine für ihn ganz untypische Hymne ausspricht: "Elyas, du bist einer der großartigsten Menschen in der Branche und so unglaublich begabt." Kurz bevor alle endgültig im gegenseitigen und im Selbstlob versinken, startet der Film.

Da ist M'Barek als Verteidiger auf sich alleine gestellt. Nero als Angeklagter Collini redet zunächst gar nicht, später stockend, insgesamt exakt 24 Sätze. Seine Mimik allerdings spricht Bände. Gegen so eine Präsenz muss man sich als Hauptdarsteller erst einmal behaupten. Wie M'Barek das geschafft habe, findet Regisseur Verhoeven "gut", sagt er danach. Der Applaus der 800 Premierengäste ist ruhig, was am verstörenden Thema des Films liegt, der Verjährung von NS-Verbrechen. Das verhaltene Klatschen ist vielleicht das größte Lob für M'Barek in seiner ersten richtig ernsten Rolle.