Wohnen in München Verdient wird mit dem Wohnungsbau immer noch genug

Investoren brauchen bei Münchner Bauprojekten nicht um ihren Gewinn zu bangen.

(Foto: Florian Peljak)

Hinter dem Angebot der Investoren, mehr bezahlbaren Wohnraum im Eggarten in der Lerchenau zu schaffen, steckt kein Altruismus. Denn viel Gewinn machen sie trotzdem.

Kommentar von Sebastian Krass

Die immer weiter steigenden Grundstückspreise. Und dann die explodierenden Baukosten! Unterhält man sich mit Immobilieninvestoren, könnte man manchmal den Eindruck gewinnen, sie täten sich schwer, mit Wohnraum-Projekten in München überhaupt noch Geld zu verdienen. Das ist natürlich Quatsch. Im Nachsatz geben die Unternehmer zu, dass sie mit den Verkaufs- und Vermietungspreisen, die sie in dieser Stadt erzielen können, sehr gut über die Runden kommen. Dennoch sind ständig Warnungen der Hauseigentümerlobby und mancher Politiker zu hören: Zusätzliche Regulierungen würden die Investitionsbereitschaft und damit den Neubau von Wohnungen abwürgen.

Zumindest in München klingen die Warnungen hohl. Hier findet sich immer jemand, der baut. Und das trotz Kosten in Millionenhöhe, die für Investoren nach der sozialgerechten Bodennutzung (Sobon) anfallen: Wer neues Baurecht bekommt, muss geförderte und preisgedämpfte Wohnungen errichten und Straßen, Schulen und Grünflächen mitfinanzieren.

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Erst vor zwei Jahren haben sich Stadt und Immobilienwirtschaft auf eine Sobon-Reform geeinigt. Demnach darf dichter gebaut werden, dafür stieg der Anteil bezahlbarer Wohnungen von 30 auf 40 Prozent. Im Grunde dürften die Sobon-Abgaben sogar noch höher ausfallen, um ein paar mehr Menschen, die sich München eigentlich nicht mehr leisten können, eine Wohnung zu verschaffen. Aber eine nächste Reform steht nicht an.

Umso interessanter ist deshalb die Entwicklung am Eggarten im Münchner Norden. Dort haben große private Investoren sich mit Genossenschaften zusammengetan und machen der Stadt ein interessantes Angebot: Gebt uns mehr Baurecht, dann geben wir euch mehr bezahlbaren Wohnraum. Dahinter steckt kein Altruismus. Die Investoren verdienen immer noch genug, auch wenn sie Grundstücke an Genossenschaften abtreten. Sie betreiben politische Landschaftspflege. Während andere Entwickler versuchen, vor Gericht noch den letzten Quadratmeter Baurecht einzuklagen, haben die Eigentümer des Eggartens verstanden: Es wird beim nächsten Projekt nicht von Schaden sein, bei Stadträten und Verwaltung einen guten Ruf zu haben.

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