Sondersitzung in Zorneding:Verfahren im Verkehrskonzept

Sondersitzung in Zorneding: In welche Richtung geht es mit dem Zornedinger Verkehrskonzept? Diese Frage ist auch nach einer Sondersitzung des Gemeinderates nicht beantwortet.

In welche Richtung geht es mit dem Zornedinger Verkehrskonzept? Diese Frage ist auch nach einer Sondersitzung des Gemeinderates nicht beantwortet.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bereits seit zwei Jahren will die Gemeinde Zorneding den Verkehr am Ort in geregelte Bahnen lenken. Nun liegt dafür ein Maßnahmenkatalog vor, der allerdings für viel Ernüchterung sorgt.

Von Andreas Junkmann, Zorneding

Als Autofahrer tut man sich in der Gemeinde Zorneding schon allein wegen der überschaubaren Größe nicht sonderlich schwer. Ein Navigationsgerät hingegen hätten all jene Zuschauer gebraucht, die am Dienstagabend bei einer Sondersitzung des Gemeinderates versucht haben, die Debatte über ein örtliches Verkehrskonzept zu verfolgen. Denn diese nahm schon nach kurzer Zeit die Ausfahrt in Richtung "Chaos", wie es Gemeinderätin Stephanie Mannl (CSU) nannte. Dabei hatte das Gremium eigentlich einen ganzen Katalog an Maßnahmen auf dem Tisch, wie sich die Verkehrssituation vor Ort verbessern ließe. Bei der Diskussion über deren Umsetzung drohten sich die Gemeinderäte dann aber komplett zu verfahren.

Dabei war es am Dienstagabend nicht das erste Mal, dass sich ein Zornedinger Gremium mit dem Thema Verkehrskonzept beschäftigte. Seit das Projekt vor rund zwei Jahren initiiert worden ist, hat es insgesamt zehn Lenkungstreffen einer Arbeitsgruppe sowie einen Bürgerworkshop gegeben, zudem wurden eine Haushaltsbefragung und eine Verkehrszählung ausgeführt. Die Erkenntnisse daraus hat ein Planungsbüro in ein knapp 200 Seiten starkes Papier gegossen, in dem auch Maßnahmen definiert sind, wie sich die Verkehrsprobleme vor Ort lösen ließen. Rund 112 000 Euro hat die Gemeinde laut Bauamtsleiter Stefan Ballerstaller bisher für das Verkehrskonzept ausgegeben.

Das teure Verkehrskonzept sei "ein rechter Murks", sagt einer der Gemeinderäte

Manchen Reaktionen vom Dienstagabend nach zu schließen, war all die Mühe jedoch vergebens. "Wir sind uns doch alle einig, dass das Ding ein rechter Murks ist", sagte etwa Patrick Eichler (CSU) über den Ergebnisbericht des Planungsbüros. "Die haben uns etwas an die Hand gegeben, mit dem wir nichts anfangen können", kritisierte Martin Lenz (FWG) und Robert Strobl (CSU) sprach sogar davon, dass man 112 000 Euro einfach "in den Wind geschossen" habe.

Dieser Unmut kam auf, als Ballerstaller in einer Präsentation das weitere Vorgehen für die Gemeinde schilderte. Man habe nun zwar vom Planungsbüro einige Vorschläge geliefert bekommen, für deren rechtssichere Umsetzung sei aber die Gemeinde selbst zuständig. Dafür sei eine erneute Prüfung jeder einzelnen Maßnahme notwendig, um diese gegenüber dem Landratsamt vertreten zu können. In etwas einfacheren Worten formulierte es Rathaus-Geschäftsleiter Daniel Komnick: "Wenn wir ein rechtswidriges Verkehrsschild aufstellen und jemand baut einen Unfall, dann sind wir voll in der Haftung." Die Prüfung, ob die im Konzept aufgelisteten Ideen tatsächlich auch rechtssicher umzusetzen sind, hätten sich die Gemeinderäte allerdings bereits vom beauftragten Planungsbüro gewünscht. "Jetzt können wir wieder von vorn anfangen", lautete deshalb Patrick Eichlers ernüchterndes Fazit.

Ganz so schlimm stellt sich die Sache jedoch nicht dar, denn die Ideen, wie der Verkehr am Ort in geregelte Bahnen gelenkt werden kann, hat das Konzept ja aufgezeigt. Bürgermeister Piet Mayr (CSU) schlug deshalb vor, dass sich das Gremium aus dem Katalog jene Maßnahmen herauspicken soll, mit denen man in eine konkrete Prüfung gehen will. Nicht verhehlen wollte der Rathauschef allerdings, dass auch dieses Verfahren die Gemeinde nochmals eine Menge Geld kosten wird - "und das haben wir definitiv nicht im Haushalt".

Der "Ho-Chi-Minh-Pfad" soll für den Durchgangsverkehr gesperrt werden

Auch um die Erwartungen in der Zornedinger Bevölkerung zu befriedigen, die nun schon seit zwei Jahren auf die Umsetzung von konkreten Maßnahmen wartet, einigten sich die Gemeinderäte am Dienstag schließlich doch noch auf ein paar Punkte, die man nun möglichst zügig angehen will. Darunter fällt etwa ein temporäres Durchfahrtsverbot für die Eglhartinger Straße, den sogenannten Ho-Chi-Minh-Pfad, um Pöring vom Verkehr zu entlasten. Auch für die Anwohner in der Münchner-, Bucher- und Lärchenstraße soll es ruhiger werden, denn hier soll ein Fahrverbot für Schwerverkehr ab 3,5 Tonnen geprüft werden. Weiterhin fahren, aber deutlich langsamer, sollen hingegen alle Verkehrsteilnehmer in der Bahnhofstraße, der Münchner Straße, der Anzinger Straße sowie der Bucher Straße. Hier sprachen sich die Gemeinderäte jeweils für die Einrichtung von Tempo-30-Zonen aus.

Weitere Maßnahmen sollen etwa sein, den Fußweg zwischen der Lorenz-Stadler-Straße und der Lindenstraße für Radfahrer zu erweitern und die Einrichtung einer Fahrradstraße für die Schulstraße zu prüfen. Änderungen könnte es womöglich auch für den ruhenden Verkehr geben, denn das Gremium sprach sich ebenfalls mehrheitlich dafür aus, eine Parkzeitbeschränkung für das Bahnhofsumfeld einzuführen sowie generell Parkverbote für Lastwagen, Wohnmobile und Anhänger im innerörtlichen Bereich zu prüfen. Außerdem soll die gemeindliche Stellplatzsatzung künftig auch für Fahrräder gelten.

Was von all dem letztlich umgesetzt wird, hängt davon ab, wie die Angebote der Planungsbüros ausfallen. "Wir werden das jetzt prüfen und sehen dann, was es kostet", sagte Bürgermeister Mayr. Fest steht bisher also nur: Die Umsetzung des Zornedinger Verkehrskonzepts lässt weiter auf sich warten.

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