VHS Vaterstetten Preise beim ersten Jugend-Literaturwettbewerb für sieben Mädchen

Die glücklichen Gewinner und Veranstalter des Schreibwettbewerbs: Sabine Hartmann von der Kreissparkasse, Peter Lang von der VHS, Christine Vogl-Kordick für Alina, Amelie Schlieben, Gina-Sofia Kischel, Nina Tödter, Magdalena Grimm, Amelie Nikmond und Jurorin Juliane Breinl.

(Foto: Christian Endt)

Die Jury prämiert die besten "Netzgeschichten". Vor allem die Nachwuchs-Autorinnen überraschen mit hohem Niveau.

Von Franziska Spiecker, Vaterstetten

Die Ich-Erzählerin schaut in die blubbernden Blasen ihres Kakaos. "Heute hat Twitter Geburtstag", sagt sie, ohne eine Reaktion bei Elli hervorzurufen, kurz darauf postet sie als Geschenk eine Vermisstenanzeige für eine Katze in rosa Tutu und eine Boyfriend-Annonce: "keine Erfahrung auf dem Gebiet nötig". Ihr Kichern verrät, dass sie das wohl alles nicht so ernst meint, sich einen Spaß erlaubt oder lustig macht, doch wer sie ist und vor allem: wer Elli ist, die Person, deren Aufmerksamkeit sie so gerne hätte, und die sie doch nicht erreicht, da selbst tief in ihr Handy versunken, das alles bleibt offen.

Es sind Kurzgeschichten wie diese, in einem flüssigen Stil verfasst, mit authentisch gezeichneten Figuren, einem eigenen Plot und einer nachhaltigen Wirkung auf die Leserinnen und Leser, die am Dienstagabend bei der Preisverleihung des ersten Literaturwettbewerbs der VHS Vaterstetten und der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg für Jugendliche ausgezeichnet worden sind.

Der Titel lautete "Netzgeschichten", die Vorgabe drei bis sechs Seiten - heraus gekommen ist eine bunte Mischung an Themen und Perspektiven, die jedoch vor allem die Gefahren sozialer Medien wie Mobbing und Selbstinszenierung behandeln. Hätte sich der Wettbewerb nicht explizit an 13- bis 18-Jährige gerichtet, man hätte nicht ahnen können, aus welch jungen Federn die ausgewählten Texte stammten.

Kein Bub unter den Gewinnern

Doch das war nicht die einzige Überraschung, die der Abend bereithielt: "Das hier keine Jungs sitzen, liegt nicht am Wettbewerb", verkündete Peter Lang, Fachbereichsleiter für Sprachen an der VHS, bevor die Vergabe der von der Sparkasse gesponsorten Geldpreise losging. Zusammen mit Juliane Breinl, die freie Autorin ist und Kurse für kreatives Schreiben gibt, habe er die Texte anonymisiert bewertet:

"Wir wussten nicht, dass am Ende alle Gewinner Mädchen sind". Insgesamt habe es circa 35 Einsendungen gegeben, und da die meisten von jüngeren Teilnehmern stammten, habe es am Ende vier Auszeichnungen in der Klasse der 13- bis 15-Jährigen und nur drei bei den 16- bis 18-Jährigen gegeben.

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Dass es viel Potenzial gibt, hätten sie schon in den Schreibkursen für den Nachwuchs gemerkt, erzählte Lang, aber: "Sehr viele Sachen landen in Schubladen und bleiben da." Um diese ans Licht zu bringen, habe man den Wettbewerb initiiert. Breinl, die den Startschuss für ihre Karriere selbst einem Schreibwettbewerb zu verdanken hat, "weiß, dass das sehr viel bringt."

Während sie die Texte vorlas, konnten sich die Gewinnerinnen in der Kreissparkasse einfach zurücklehnen und gemeinsam mit ihren Elter zuhören, wie ein Profi den von ihnen erschaffenen Figuren Leben einhauchte. Dabei nahm Breinl gleich beim ersten der drei drittplatzierten Texte eine außergewöhnliche Perspektive ein: Darin geht es um Mobbing, wie bei so vielen Einsendungen, doch bei Sophie Jans' "Ins eigene Fleisch" lernt der Leser nicht das Gefühlsleben des Opfers, sondern das einer Cyber-Mobberin kennen.

Auch die zwei folgenden Texte behandeln die Schattenseiten des Netzes, sie beleuchten die Selbstinszenierung - jedoch mit unterschiedlichem Ausgang: Während die Ich-Erzählerin in Gina-Sofia Kischels "Freiheit" rechtzeitig ihre Selbstaufgabe erkennt, geht die Protagonistin in "Didn't know me" an dem Schmerz über die Lüge ihrer vorgetäuschten Identität zu Grunde. Dies war die emotionalste Geschichte des Wettbewerbs - und das, obwohl Amelie Nikmond sie "einfach so runtergeschrieben" hat. Sie schreibe am liebsten über Alltagssituationen, bei denen irgendetwas Inneres verhandelt werde, erklärte die 16-Jährige: "Weil ich mich für Psychologie interessiere."

Einen ganz anderen Zugang zum Thema fand Magdalena Grimm, die seit der fünften Klasse das Wahlfach "Kreatives Schreiben" belegt und sich als jüngste Teilnehmerin ausgerechnet in die Rolle einer alten, sich der Welt des Netzes öffnenden Dame versetzte. Inspiriert von ihrer Oma schrieb die 13-Jährige in "Happy Christal" eine Geschichte, die die einzig wirklich positive an diesem Abend bleiben sollte - es reichte für Platz zwei der Jüngeren.

Platz zwei der Älteren schnappte sich derweil Nina Tödter, die mit ihrer krimiähnlichen Erzählung "Verdächtige Snaps" von Beginn an Spannung aufbaut und ihr Publikum gekonnt hinters Licht führt. Zwar habe sie noch nie einen Schreibkurs besucht, erzählte die 17-Jährige, allerdings arbeite sie schon ewig an einem Roman über eine Zeitreise.

Und auch die beiden Erstplatzierten schreiben und lesen nach eigenen Angaben schon sehr lange sehr gerne: die 15-jährige Amelie Schlieben, die in ihrer Kurzgeschichte "Grau" geschickt zwei Zeitebenen miteinander verwebt, um die Entstehung von Angst und Scham eines gemobbten Mädchens zu vermitteln, und die 18-jährige Alina Kordick, deren eingangs umrissener Text "Elli" den Niedergang des miteinander Kommunizierens dokumentiert - und dabei genau das umsetzt, was Jurorin Breinl als zentral benannte: "Show, don't tell". Zeigen, nicht erzählen.

Zu den Geschichten der sieben Siegerinnen des Wettbewerbs geht's hier.

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