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Verzögerung in Forstinning:340 Bedenken

Die geplante Umgehungsstraße spaltet die Bürger von Forstinning seit Jahren in zwei Lager: Gegner und Befürworter.

(Foto: Christian Endt)

Gegen die geplante Umgehung von Forstinning sind viele Einwände eingegangen. Dadurch verzögert sich das Procedere.

Von Korbinian Eisenberger und Barbara Mooser, Forstinning /Rosenheim

Die Protestschilder in Forstinning wurden über die Jahre ausgetauscht. Neue Sätze werben nun entweder für den baldigen Bau dieser Straße - oder für die Verhinderung des Projekts. Im Kern hat sich am Zwist in Forstinning kaum etwas verändert. Nach wie vor ist ein Teil der Dorfbewohner strikt gegen die Umgehungsstraße, die am westlichen Ortsrand durch den Ebersberger Forst verlaufen soll. Die Anwohner der viel befahrenen und von ihnen als zu laut und zu gefährlich empfundenen Straße in Schwaberwegen und Moos wollen das Projekt hingegen lieber heute als morgen umgesetzt wissen. Neu sind nun die Zahlen, die das laufende Planfeststellungsverfahren ergeben hat.

Mehr als 300 Einwände sind gegen den geplanten Bau der Straße bei der Regierung von Oberbayern eingegangen, wie das Staatliche Bauamt mitteilt, die zuständige Behörde. "Es gab zirka 340 Einwendungen von Trägern öffentlicher Belange und privaten Einwendern", erklärte das Bauamt nun auf SZ-Nachfrage. Hierzu hatte die Behörde die Unterlagen zur Umgehung vom 12. September bis 11. Oktober 2019 in Forstinning öffentlich einsehbar ausgelegt. Betroffene hatten die Gelegenheit, bis 11. November 2019 Bedenken wegen des Projekts einzureichen. Die Regierung von Oberbayern forderte das Staatliche Bauamt Rosenheim am 16. Dezember 2019 auf, zu den Einwendungen Stellung zu nehmen. "Seitdem läuft die Bearbeitung der 340 Einwendungen am Staatlichen Bauamt."

Wie ist diese Zahl zu werten? Die Regierung von Oberbayern lässt hierzu wissen, dass es schwierig ist, allein aus der Zahl eine eindeutige Erklärung abzuleiten. In Oberbayern seien Projekte in Arbeit, bei denen es im Lauf des Planfeststellungsverfahren "viel mehr Einwendungen gibt", und andere Projekte, "da gibt es viel weniger", wie eine Sprecherin am Dienstag erklärt. Die Anzahl an Einwänden lasse aber den Rückschluss zu, "dass großes Interesse am Projekt in der Region" bestehe.

Neu ist auch, dass das Land seit knapp einem Jahr in einer Pandemie steckt. Dieser Umstand hat auch Auswirkungen auf Großprojekte wie nun in Forstinning. "In Teilbereichen haben die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie Auswirkungen auf die Bearbeitungsdauer einzelner Einwendungen", heißt es vom Bauamt. Eine grundlegende Überprüfung der Notwendigkeit des Projekts aufgrund der Corona-Pandemie sieht das Staatliche Bauamt Rosenheim derzeit nicht.

Parallel zum Planfeststellungsverfahren versucht das Staatliche Bauamt Rosenheim derzeit, Grundstücke zu kaufen. Diese braucht es, um dort die Straße zu bauen, die zum Teil über Felder und gut tausend Meter durch den Ebersberger Forst führen soll. Hierfür müsste eine gut 20 Meter breite Schneise durch den Wald geschlagen werden. "Wir versuchen dabei, zu einer einvernehmlichen Lösung mit dem jeweiligen Eigentümer zu kommen", so das Bauamt. Hinzu kommt, dass die Behörde Grundstücke "für erforderliche naturschutzfachliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen" sucht.

Die Gemeinde Forstinning lässt erahnen, wie der Zuzug von Mensch, Industrie und Gewerbe den Großraum München über die Jahrzehnte verändert hat. Früher war die Straße durchs Dorf ein besserer Weg, auf dem Pferdefuhrwerke Richtung Ebersberg unterwegs waren und wo Dorfkinder auf dem Kiesboden spielten. Mittlerweile ist das einstige Dorfstraßerl zu einer Hauptverbindung zwischen München und Südostbayern geworden. Und zum Kern eines Streits, der die Ortsteile Schwaberwegen und Moos seit Jahren spaltet.

Für den Ausgang dieses Streits ist der Ausgang des Planfeststellungsverfahrens mitentscheidend. Etwa, ob es einen Planfeststellungsbeschluss für das Projekt in seiner jetzigen Variante gibt, oder ob es Abwandlungen - in welcher Form auch immer - gibt. Wie lange das Planfeststellungsverfahren noch dauern wird? Laut einer Sprecherin des Bauamts ist diese Zeitspanne aktuell "nicht absehbar". Das Projekt in Schwaberwegen befindet sich "noch nicht im Status der öffentlichen Erörterungstermine", heißt es. "Dies ist der großen Anzahl an Einwendungen geschuldet."

© SZ vom 20.01.2021
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