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Auf Touren:Lehrreiches im Norden

Reuterpark Poing

Der kleine Weiher im Poinger Reuterpark in der Morgensonne.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die zweieinhalbstündige Wanderung führt in den wenig bekannten Poinger Reuterpark

In der Verlängerung der Purfinger Altmoräne erstreckt sich zwischen Neufarn und Poing eine etwas weniger bekannte Landschaft, die dennoch viele Reize hat. Am Rande von weiten Getreidefeldern ist eine große Streuobstwiese entstanden. Je nach Jahreszeit zeigt sie sich in ihrer herrlichen Blütenpracht oder mit ihrer Überfülle an Äpfeln und Birnen. Unweit davon bietet ein Wildbienenhotel mit seinen Schautafeln viel Informatives über Bienen und deren Lebensraum. Lehrreiche Infotafeln sind auch im Poinger Reuterpark angebracht. Bei einem kleinen Rundgang durch den alten Baumbestand lassen sich viele Details zu den meterhohen Laub- und Nadelbäumen erfahren. Am Ende der Wanderung belohnt auf dem Neufarner Berg ein herrlicher Blick auf die Landeshauptstadt.

In Neufarn am Gasthof Stangl und dem nahegelegenem Sonnenlanderlebnishof gibt es Parkmöglichkeiten am Rande der Münchner Straße. Man orientiert sich auf dem Lukasfeldweg in nördlicher Richtung und biegt an dessen Ende auf dem Feldweg nach rechts und dann nach links Richtung Autobahn ab. Am Ende des kleinen, manchmal auch etwas unwegsamen Grabens geht es auf der Bergstraße nach links über die Autobahnbrücke, dann aber gleich wieder nach rechts. Die nächsten Meter führen parallel zur Autobahn bis zum Ende der asphaltierten Straße. Dort hält man sich an der Gabelung links in nördlicher Richtung. Zwischen weiten Ackerflächen geht der Feldweg an der ersten Abzweigung nach links und führt am Waldrand leicht abwärts durch einen kleinen Graben, an dessen Ende man an der Gabelung dem Leitenfeldweg nach rechts folgt. Dieser Weg führt in nördlicher Richtung am Waldrand entlang auf die Waldstraße nach Poing. Der Ort ist durch seinen Wildpark sehr bekannt geworden. Auf einer Fläche von 57 Hektar bietet das Gelände ganzjährig die Möglichkeit, eine Vielzahl von einheimischen Vögeln, Fischen und Säugetieren aus der Nähe zu beobachten.

Zwischen Neufarn und Poing erstreckt sich eine etwas weniger bekannte Landschaft, die dennoch viele Reize hat - besonders aus historischer Sicht.

(Foto: Bayerische Vermessungsverwaltung)

Kurz hinter dem Ortsanfang wandert man an dem Parkweg - einem breiten Treppensteig - vorbei und erreicht nach wenigen Metern auf der rechten Seite den etwas weniger bekannten Reuterpark. Die Gemeinde hat 1989 das verwilderte Gelände erworben, das früher zu einer Villa gehörte, und fünf Jahre später der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Ein Baumlehrpfad bietet die Möglichkeit, sich über das Artenspektrum zu informieren. Dazu gehören Birke, Wildbirne, Walnussbaum, Vogelkirsche, Douglasie, Weiden, Tannen und auch ein Riesen-Lebensbaum, dessen Blätter einer Ananas ähnlichen aromatischen Geruch ausbreiten. Eine weitere Schautafel informiert über Insekten im toten Holz. An der Bank führt ein schmaler Weg Richtung Süden - leicht ansteigend - bis zum Ende des Treppensteigs auf den Parkweg, dann rechts auf die Prielmayerstraße und wenige Meter weiter links auf den Pfarrhofweg. Bei dem Straßenschild verläuft ein gepflasterter Weg im spitzen Winkel nach rechts. Dieser geht über in einen Schotterweg bis zu einer herrlichen Streuobstwiese, bepflanzt mit hochstämmigen robusten Obstbäumen. Ein Paradies für die kleine Tierwelt! Zur Obstbaumblüte finden Bienen, Hummeln und Schmetterlinge reichlich Nahrung. Faulende Früchte und unzählige Wiesenblumen locken viele Falter, Fliegen, Wespen und Käfer an. Worauf sich wiederum die insektenfressenden Vögel besonders freuen. An zehn verschiedenen Schautafeln wird das Thema "Bienen und ihr Lebensraum" sehr anschaulich beschrieben. Besondere Beachtung findet auch ein Wildbienenhaus des lokalen Imkervereins.

Es geht weiter geradeaus neben kleinen Waldabschnitten und weiten Ackerflächen, entlang der breiten Getreidefelder zwischen hohen Maisfeldern hindurch, in deren Nachbarschaft sich gerade in den Spätsommermonaten herrliche Sonnenblumen mit einer bunten Blumenvielfalt vermischt haben, auf denen sich kleine weiße Schmetterlinge mit den letzten Bienenschwärmen ein Stelldichein geben. Kurz hinter der Kuppe am Ende des Waldrandes trifft man auf den ersten Teilabschnitt unseres Wanderweges. Besonders unter blauem Himmel und bei klarer Sicht lässt sich der weite Blick nach Süden auf Neufarn und die Purfinger Endmoräne genießen. Nimmt man die Abkürzung rechts, reduziert das die Wanderung auf 5,9 Kilometer und führt nach der Autobahnbrücke rechts auf dem gleichen Weg wie beim Hinweg zurück zum Ausgangspunkt.

Für die ganze Tour geht man aber nicht rechts den Graben hinunter, sondern - jetzt auf einer asphaltierten Straße - geradeaus weiter nach Ranharting. Danach schlägt man die zweite Straße rechts durch Froschkern hindurch ein, bis man auf den Radweg parallel zur Kreisstraße 5 trifft. Sie verbindet Neufarn und Anzing - eine winzige Teilstrecke der alten Salzstraße zwischen Augsburg und Reichenhall. Auf diesen Wegen, die zum Teil schon von den Römern angelegt worden waren, wurde im Mittelalter das "weiße Gold" transportiert.

Man folgt dem leicht ansteigenden Weg bis zur Kuppe. Vor dem Wanderer liegt Neufarn mit Blick auf den Reiterhof Sonnenland, den Landgasthof Stangl und die Katholische Kirche St. Peter und Paul. Zwischen 1866 und 1868 wurde die heutige Kirche im neugotischen Stil erbaut. Sie trägt einen spitzhelmigen Flankenturm. Man nimmt den Feldweg nach rechts bis zu einem besonderen Aussichtspunkt an einem Marterl, eingerahmt von zwei Bänken. Darauf ist zu lesen: "gestiftet von Franz Xaver Weiller * Herbergerbauer von hier * zum Dank für glückliche Heimkehr aus dem 1. Weltkrieg 1914/1918 Anno 1920.". 80 Jahre hat es überdauert, bis es 2001 erneuert und feierlich geweiht wurde. Die letzten Meter bis zum 552 Meter hohen Neufarner Berg sollte man sich wegen des herrlichen Ausblicks auf die Landeshauptstadt nicht entgehen lassen. Nun ist die Wanderung fast zu Ende. Zurück geht es langsam abwärts immer noch auf dem Feldweg in westlicher Richtung bis zum Lukasfeldweg. Dort geht man links zurück zum Ausgangspunkt.

Die Tour zusammengestellt hat Jochen Hoepner, Naturfreund und Radlfahrer aus Baldham. Der gebürtige Laboeer publiziert seit 2016 Rad- und Wanderführer im Eigenverlag. Entnommen ist diese Tour dem Buch "Wandern durch die Jahreszeiten" im Landkreis Ebersberg, 1. Auflage, 2019, erhältlich zum Preis von 15 Euro bei allen lokalen Buchhändlern im Landkreis Ebersberg.

© SZ vom 11.08.2020

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