Kinderbetreuung in Vaterstetten:Neuer Partner gesucht

Kinderbetreuung in Vaterstetten: Für die Kita in der Carl-Orff-Straße wird ein neuer Träger gesucht. Die Gemeinde Vaterstetten trennt sich nach 27 Jahren von der Awo.

Für die Kita in der Carl-Orff-Straße wird ein neuer Träger gesucht. Die Gemeinde Vaterstetten trennt sich nach 27 Jahren von der Awo.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Nach 27 Jahren verliert die Awo die Trägerschaft für die Kita an der Carl-Orff-Straße. Die Einrichtung wird ab Herbst erst einmal ein Jahr lang saniert, dann soll ein neuer Träger weitermachen.

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Besseres findet. Diese alte Weisheit gilt offenbar auch für den Betrieb von Kitas - zumindest in Vaterstetten. Bei jener an der Carl-Orff-Straße gehen Gemeinde und der bisherige Träger Awo nach 27 Jahren getrennte Wege. Die Einrichtung selbst wird von Herbst an ein Jahr lang für eine Sanierung geschlossen sein, danach soll es mit einem neuen Träger weitergehen.

Für die Kinder, die dort derzeit betreut werden, soll die zeitweise Schließung der Einrichtung keine negativen Folgen haben, versicherte nun Jasmin Marussis-Kley, Leiterin des Amtes für Familie, Jugend und Bildung. Etwa 20 Kinder wechseln im Herbst ohnehin in die Schule, die restlichen 20 sollen in einer der beiden anderen Awo-Einrichtungen unterkommen. "Aktuell haben alle einen Platz", so die Amtsleiterin.

Seit mehr als einem Jahr ist die Kita wegen Personalmangels nur zur Hälfte belegt

Platz - genauer zu viel Platz - ist auch der Hintergrund, warum sich die Gemeinde von der Awo als Träger trennen möchte. So ist die Einrichtung an der Carl-Orff-Straße eigentlich für bis zu 89 Kinder ausgelegt, derzeit sind es aber nicht einmal die Hälfte. Dies sei im Übrigen auch schon seit Längerem der Fall, so Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) in der Sitzung des Gemeinderats.

Bereits vor gut einem Jahr habe es darum bereits ein Treffen zwischen Gemeinde und Träger gegeben, sagt der Bürgermeister auf Nachfrage. Dabei sei es darum gegangen, wie man die Belegung verbessern könnte. Dies geschehe auch bei anderen Trägern, wenn die Belegungszahlen einbrechen. Bei der Diakonie konnte man vor einigen Jahren das Problem lösen, bei der Awo sei es indes nicht gelungen. Bei einem erneuten Treffen im Januar habe die Awo ganz offen erklärt, dass sie keine Möglichkeit dafür sehe. Daraufhin seien beide Seiten übereingekommen, dass die Awo die Trägerschaft für die Kita Carl-Orff-Straße aufgibt.

Der Plan ist nun, dass die Awo das aktuelle Kindergartenjahr noch zu Ende bringt, dann wird die Kita erst einmal geschlossen und renoviert. Die Maßnahme war ohnehin bereits geplant, so muss unter anderem das Glasdach saniert werden, bislang sollte dies allerdings im laufenden Betrieb erledigt werden. Nun könnte etwas umfangreicher renoviert werden, man wolle einem neuen Träger das Gebäude "ordentlich herrichten", so Spitzauer. Wer das sein könnte, ist noch völlig offen. Man werde sowohl mit den bereits in der Gemeinde tätigen Trägern reden, als auch mit solchen, die noch nicht in Vaterstetten tätig sind.

Die integrativen Angebote sollen auch unter dem neuen Träger weitergehen

Grund für die schlechte Auslastung der Kita Carl-Orff-Straße ist laut Spitzauer, dass die Awo nicht genügend Personal findet. Auf eine Frage von Josef Mittermeier (SPD), wieso die Awo trotz des von der Gemeinde 2023 aufgelegten Förderprogramms in Höhe von 400.000 Euro pro Jahr für die Kitas ihre Auslastung nicht erreicht, wurde der Bürgermeister sehr deutlich: "Es fällt halt auf, dass die Awo keine München-Zulage zahlt." Dieser Zuschuss wird von den meisten Kommunen im Landkreis Ebersberg gezahlt, genau wie von der Kreisklinik und vielen Kita-Trägern - aber eben nicht von der Awo. Er verstehe, so Spitzauer, dass der Awo-Kreisverband allen Angestellten im Landkreis das gleiche Gehalt zahlen wolle "aber Vaterstetten läuft im Arbeitsmarkt von München mit".

Im Gemeinderat gab es ansonsten wenig Diskussionsbedarf. Zweite Bürgermeisterin Maria Wirnitzer (SPD) erkundigte sich, ob die Integrations-Kinder alle einen für sie passenden Platz gefunden hätten und ob in der Kita auch unter einem neuen Träger integrative Angebote weiterhin bestünden. Beides bestätigte Marussis-Kley, die derzeit in der Carl-Orff-Straße betreuten Integrations-Kinder kommen im knapp 150 Meter entfernten Offenen Haus der Awo unter. Bei der Ausschreibung für einen neuen Träger werde man das Integrationsangebot ausdrücklich zur Vorgabe machen, auch weil der Bedarf an Integrationsplätzen in Vaterstetten steige.

Dass die Gemeinde schon hinterher sei, die Kitas möglichst gut zu belegen, bestätigte Spitzauer auf eine Nachfrage von David Göhler (Grüne), ob die Awo von sich aus in der Kita nicht mehr weitermachen wollte. "Die Gemeinde hat zuvor schon Druck gemacht und gesagt, dass es so nicht weitergehen kann", sagte der Bürgermeister. Nicht zuletzt, nachdem es im vergangenen Frühjahr erhebliche Beschwerden von Eltern, wegen Problemen mit den Betreuungszeiten in den Kitas gegeben hatte. "Die Awo hat dann erklärt, sie kriegen es in absehbarer Zeit nicht hin", so Spitzauer weiter - weshalb man jetzt schaut, ob man etwas Besseres findet.

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