SZ-Adventskalender:Funktionierende Solidarität

Lesezeit: 3 min

Die Spendenaktion gibt es heuer bereits zum 73. Mal. Wie im Vorjahr steht sie auch diesmal wieder unter dem Eindruck der Pandemie

Von Alexandra Leuthner, Ebersberg

Symbolbild zu Jugendliche in der Corona-Pandemie

Kinder aus armen Familien sollen vom SZ-Adventskalender besonders bedacht werden.

(Foto: Paul Zinken/dpa)

Hatte man im vorigen Advent noch die Hoffnung haben können, die Corona-Pandemie würde ein Jahr später unter Kontrolle und ihre Auswirkungen nicht mehr allzu zu sehr spürbar sein, erfahren wir nun das Gegenteil. Auch der SZ-Adventskalender ist also zum zweiten Mal gezwungen, auf die besonderen Bedingungen zu reagieren, unter denen nicht nur, aber in besonderem Maße diejenigen leiden, denen es ohnehin schon schlechter geht als vielen anderen: Kindern aus armen Familien, Senioren mit geringer Rente oder Menschen mit Migrationshintergrund, denen die Integration in Coronazeiten noch schwerer fällt. Auch Eltern, die unter den Lockdowns gelitten haben, besonders diejenigen, die Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht haben, sollen im Fokus der Spendenaktion stehen.

Dass es trotz der außergewöhnlichen Umstände immer noch eine gewaltiges Solidaritätspotenzial in der Gesellschaft gibt, hat im Vorjahr einmal mehr das Spendenaufkommen gezeigt, 7,7 Millionen hat die 72. Spendenaktion der Süddeutschen Zeitung eingebracht, Geld, das ohne Abzüge weitergeleitet wurde an Institutionen, Hilfsorganisationen, soziale Verbände und direkt an jene Hilfsbedürftigen, die wir im Laufe der vier Adventswochen vorgestellt haben. Ein großer Dank geht in diesem Zusammenhang an jene Einrichtungen, die mit dem Adventskalender zusammenarbeiten und so dazu beitragen, dass Hilfen auf unbürokratischem Weg direkt zu jenen kommen, die sie nötig haben, exemplarisch genannt die Sozialpsychiatrischen Dienste Ebersberg, Sozialamt, Jobcenter und Caritas mit ihren Hilfsdiensten, die Behindertenarbeit der Awo, Einrichtungen wie das Haus an der Dorfstraße der Sozialen Dienste in Vaterstetten.

Zu den Folgen der Pandemie, die schon vor einem Jahr zu erkennen waren, gehörte, dass viele Hilfsbedürftige gar nicht erst den Weg zu jenen Einrichtungen gefunden hatten, die sie hätten unterstützen können. Viele scheuten sich auch, im Hinblick auf die Ansteckungsgefahren rauszugehen, was nicht heißt, dass es die Not, die etwa im Kontakt mit dem Ebersberger Jobcenter sichtbar wurde, nicht gab. Mit einer zweiten Hotline-Nummer und der Möglichkeit, Antragsformulare online herunterladen zu können, hat man dort darauf reagiert, dass die Telefone schon mit dem ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr heiß liefen. Solo-Selbständige, Künstler, Beschäftigte in der Gastronomie waren darunter, die von einem Tag auf den anderen ihre Einnahmen verloren hatten. Mit ihrem Geld konnten und können hier die Spender des Adventskalenders auf kurzem Wege helfen, sowie sie etwa Amira S. geholfen haben. Die gebürtige Marokkanerin hatte unserer Reporterin von ihrem Leben berichtet, in dem sie mit 13 an einen Fremden verheiratet, von ihm im Haus gehalten, geschlagen, vergewaltigt worden war, von jedem Kontakt nach draußen ebenso abgeschnitten wie von der Möglichkeit, sich zu bilden, bis sie ihm mit ihren drei Kindern entkommen konnte, über Spanien nach Deutschland geflüchtet war. Sie war im Landkreis Ebersberg gelandet, hatte dort einen Job angenommen, die Kinder kamen hier in die Schule, fanden Freunde. Dann kam Corona, Amira S. verlor die Stelle, stand wieder einmal vor dem Nichts. Einer Leserin ging das Schicksal der jungen Frau so zu Herzen, dass sie einen hohen Betrag spendete, ein dringend notwendiges Haushaltsgerät und Fahrräder für die Kinder, die auf den nur selten fahrenden Bus angewiesen waren, um zur Schule zu kommen, waren endlich wieder im Bereich des Möglichen.

Berichtet haben wir im Vorjahr auch über Helena P., (alle Namen geändert), die unter Narkolepsie leidet und alles stehen und liegen lassen muss, wenn die Müdigkeit sie überkommt, seit 25 Jahren. Ihre Ehe scheiterte, eine regelmäßige Arbeit kann sie nicht ausüben, schon die täglichen Erledigungen im Haushalt schafft sie kaum und wünschte sich, dass eine Entrümpelungsfirma endlich Ordnung schaffen solle in dem Chaos, mit dem sie nicht mehr zurecht kam. Bei Anna B. hatte eine Hormonbehandlung vor 20 Jahren eine Depression ausgelöst, Ängste und Panikattacken. Anna B. hat alles verloren, ihren Mann, ihr Heim, die Erwerbsunfähigkeitsrente reicht kaum für neue Kleidung. "Jetzt hab ich leider gar nichts mehr", erzählte sie. Ihr hat der Adventskalender ebenso geholfen wie Ludwig H., der seit 40 Jahren an Schizophrenie leidet, an Asthma, an Wirbelsäulenschäden, er musste in Frührente gehen, lebt in einer betreuten Einrichtung. Ganz große Anschaffungen brauchte der 65-Jährige nicht, aber ein bisschen Geld für einen guten Kaffee oder ein feines Essen, wofür sein Hartz IV-Gehalt nicht ausreicht, das hatte er sich gewünscht.

SZ-Adventskalender Logo
So können Sie spenden:

"Adventskalender für gute Werke

der Süddeutschen Zeitung e.V."

Stadtsparkasse München

IBAN: DE86 7015 0000 0000 600700

BIC: SSKMDEMMXXX

www.sz-adventskalender.de

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