Personalmangel bei den Helfern An der Leistungsgrenze

Drogenabhängige finden bei der Caritas-Suchtambulanz keine Hilfe mehr, weil die Kapazität ausgeschöpft ist. Bei der Erziehungsberatung gibt es bereits lange Wartezeiten

Von Karin Kampwerth

Landkreisbürger, die erkennen, dass sie ein Alkoholproblem haben oder von anderen Drogen abhängig sind, finden bei der Caritas keine Hilfe mehr. Dieses Armutszeugnis musste Caritas-Kreisgeschäftsführer Ludwig Mittermeier seiner Suchtambulanz ausstellen. "Wir sind bereits 2011 an unsere Kapazitätsgrenzen gekommen", sagte Mittermeier bei einem Pressegespräch zur Jahresbilanz des Caritas-Zentrums in Grafing.

Bis zu 800 Menschen mit Suchtproblemen oder einer Suchterkrankung werden seit drei Jahren konstant von den Mitarbeitern in der Suchtambulanz beraten und begleitet. "Mehr geht bei gleichbleibendem Personalstand nicht", so Mittermeier. Doch bei aller Frustration darüber, Hilfesuchende abweisen zu müssen - es fehlt an Geld, um den steigenden Bedarf finanzieren zu können. Für weitere Mitarbeiter erhalte die Hilfsorganisation keine Finanzierung von staatlicher Seite.

Bereits im vergangenen Jahr habe die Caritas 180 000 Euro an Eigenmitteln investiert, um die Versorgung aufrecht zu erhalten, sagte Mittermeier. In einigen Bereichen seien die Leistungsgrenzen auch überschritten worden. Etwa bei der Substitution von Drogenabhängigen mit Methadon oder anderen Ersatzstoffen. 50 bis 60 Patienten könnten von den beiden Substitutionsfachkräften und vier Substitutionsärzten eigentlich betreut werden, inzwischen seien es aber 90. "Dabei müssen wir die Intensität der Betreuung reduzieren", räumte Mittermeier ein.

Ebenfalls an ihre Leistungsgrenzen gestoßen ist dem Jahresbericht zufolge die Erziehungsberatung. Ratsuchende Eltern müssen bis zu vier Wochen Wartezeit einkalkulieren, bevor sie einen Termin bekommen, sagte Mittermeier. Auch hier ist das fehlende Personal Grund für die Engpässe in der Terminvergabe.

Aber auch Positives konnte der Caritas-Kreischef verkünden. So sei es gelungen, bei der Erziehungsberatung eine Fachkraft zu übernehmen, die sich im Auftrag des Jugendamtes um Kindeswohlgefährdungen kümmert. "Unser Team hat den höchsten Professionalisierungsgrad in diesem Bereich", betonte Mittermeier. Das Team sei Ansprechpartner für Kindertagesstätten, wenn Erzieher den Verdacht hegten, dass ein Kind zuhause misshandelt werden könnte. Im Oktober 2012 hätten sich Kitas deshalb zweimal an die Erziehungsberatung gewandt. Im ersten Quartal dieses Jahres verzeichne die Fachkraft drei Verdachtsfälle, davon habe sich der Verdacht zweimal erhärtet, sagte Mittermeier.

Der demografische Wandel und das Leben im Alter ist eines der zentralen Themen, denen sich die Caritas im Landkreis künftig schwerpunktmäßig widmen wird. Aus gutem Grund, denn die Nachfrage nach der Beratung für pflegende Angehörige etwa hat Mittermeier zufolge im Vorjahr erneut zugelegt. Acht Prozent mehr Beratungsgespräche haben die Mitarbeiter entweder in den Fachstellen in Markt Schwaben, Grafing und - neu - im Caritas-Büro im Ebersberger Familienzentrum oder bei 47 Hausbesuchen geführt. Darüber hinaus bietet die Caritas in Glonn und Markt Schwaben zwei Gesprächskreise für pflegende Angehörige an und es gibt drei Betreuungsgruppen für Demenzkranke. Die Fachstelle hat darüber hinaus Seminare zum Krankheitsbild Demenz veranstaltet.

Zu den wesentlichen Aufgaben des Caritas-Zentrums gehört nach wie vor die Sozialstation, die mit 47 Mitarbeitern in Voll- und Teilzeit sowie Aushilfen den größten Personalstamm bildet. Sie begleiten betreuen und pflegen Menschen in ihrem langjährigen Zuhause oder auch in Einrichtungen mit Angeboten zum betreuten Wohnen. Kreisgeschäftsführer Ludwig Mittermeier lobt in seinem Jahresbericht die hohe Fachkraftquote, die es möglich mache, den Anforderungen selbst von Schwerstkranken gerecht zu werden. Für die Zukunft will die Caritas eine Palliativschwester ausbilden, um Schwerkranke und Sterbende in Zusammenarbeit mit Angehörigen, Ärzten und dem Hospizverein bis zuletzt zuhause zu versorgen.