bedeckt München
vgwortpixel

Neutrale Marktgemeinde:Kirchseeoner Grüne verzichten auf Wahlempfehlung

Ortsverband befragt die Landratskandidaten stattdessen zu örtlichen Themen wie Bahnschwellenwerk und Umfahrung

Kirchseeons Grüne wollen ihren Wählern weder die Wahl des CSU-Kandidaten für das Landratsamt Robert Niedergesäß (links) noch seines Mitbewerbers Ernst Böhm von der SPD empfehlen. 

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Der Kirchseeoner Ortsverband der Grünen schließt sich der Wahlempfehlung seines Kreisverbandes für die Stichwahl um den Posten des Landrates am 28. April nicht an. Statt sich für den SPD-Bewerber Ernst Böhm auszusprechen, haben sich die Kirchseeoner entschieden, Böhm und seinen CSU-Gegenkandidaten Robert Niedergesäß um Stellungnahmen zu zwei lokalen Themen, dem ehemaligen Bahnschwellenwerk und der B304-Ortsumgehung, zu bitten. Aus der Erfahrung wechselnder politischer Gemeinsamkeiten in den vergangenen Jahren würden die Antworten aber weder kommentiert noch eine Wahlempfehlung abgegeben, schreiben die Ortsvorsitzenden Elisabeth Drosta und Lars Krüger in einer Pressemitteilung. Ohnehin gebe es ausreichend Informationsmöglichkeiten auch zu anderen Themen, mithilfe derer sich die Wähler ein eigenes Bild machen könnten.

Auf die werden Kirchseeons Grüne angewiesen sein, wenn es um die Haltung des SPD-Kandidaten Ernst Böhm geht. Wie er zu den beiden aktuell für den Bundesverkehrswegeplan angemeldeten B304-Umgehungsstraßen stehe, beantwortet er knapp: "Einer Umgehung im Süden stehe ich skeptisch gegenüber." Auf eine weitere Begründung verzichtet Böhm - im Gegensatz zu Niedergesäß, der sich deutlich wortreicher äußert. "Aus meiner bisherigen Befassung ist mir speziell die umstrittene Südumfahrung bekannt. Der Kreistag hat sich bisher nicht mit diesem Themenkomplex befasst", zitierten die Grünen den Vaterstettener Bürgermeister. Sicher sei seiner Ansicht nach, dass Kirchseeon eine Entlastung des B304-Verkehrs dringend benötige. "Die Tunnellösung hört sich grundsätzlich gut an", so Niedergesäß weiter. Er befürchte allerdings, dass diese langfristig nicht finanzierbar sei. Aufgrund des enormen Einschnittes einer Südtrasse in die Natur habe er mit der Bürgerinitiative zum Schutz des Kirchseeoner Südens eine Ortsbegehung vereinbart. Darüber hinaus setze er auf Dialog und schlägt vor, das Thema an einem "Runden Tisch" mit Mediatoren noch einmal von vorne aufzurollen. "Ein breiterer Konsens ist hier wichtig und Voraussetzung!"

Auch bei der zweiten kirchseeonspezifische Frage des Grünen-Ortsverbandes nach einer Sanierung des ehemaligen Bahnschwellenwerkes verzichtet SPD-Kandidat Böhm auf eine weitere Begründung seiner Antwort. "Eine Sanierung des Bahnschwellenwerkes halte ich für möglich.", wird er in der Pressemitteilung zitiert während der CSU-Bewerber Niedergesäß dazu ebenfalls weiter ausholt, wenngleich er einräumt, dazu "über zu wenig Detailkenntnisse" zu verfügen. "Daher möchte ich mir hier auch kein oberflächliches oder oberlehrerhafte Urteil anmaßen." Für die Komplexität der Angelegenheit spreche aber, dass sich schon mehrere Bürgermeister und Gemeinderäte damit befasst hätten. "Scheibchenweise" könne man die Sanierung des Areals keinesfalls angehen und auch nicht nur Sozialwohnungen darauf bauen, spielt er auf einen Vorschlag Böhms an. Niedergesäß regt deshalb an, dass der Landkreis mit seinen Fachbehörden unterstützend, moderierend und koordinierend wirken könne, weil dieser Altlastenfall nicht nur die Gemeinde Kirchseeon interessiere.