Nachhaltigkeit:Der Unverpackt-Laden in Zorneding steht vor dem Aus

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Nachhaltigkeit: Alexandra Skeide, eine der Initiatorinnen, im Zornedinger Unverpackt-Laden.

Alexandra Skeide, eine der Initiatorinnen, im Zornedinger Unverpackt-Laden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Ein Spendenaufruf soll jetzt für einen finanziellen Puffer sorgen.

Interview von Franziska Langhammer, Zorneding

Ausschließlich regionale und plastikfreie Ware anzubieten, mit diesem Ziel eröffnete im Februar 2020 der Unverpackt-Laden Zorneding. Nun steht das Geschäft, das von der Genossenschaft "Deine Alternative" getragen wird, vor dem Aus: In einem Spendenaufruf heißt es, die Kosten des Ladens können nicht mehr getragen werden. Wie sich Unsicherheiten in der Weltpolitik auf den Konsum des Einzelnen auswirken können, erklärt Alexandra Skeide von "Deine Alternative".

SZ: Vor erst zweieinhalb Jahren wurde der erste Unverpackt-Laden im Landkreis Ebersberg eröffnet, jetzt steht er vor der Pleite. Trifft das Konzept doch nicht den Zeitgeist?

Alexandra Skeide: Doch, den trifft es, mehr denn je. Ich glaube aber, dass die Außeneinflüsse derzeit den Menschen einfach aus seiner Mitte reißen. Wir hatten Corona, wir haben den Ukraine-Krieg, wir haben die Sorgen um die Energieversorgung: Werden wir frieren? Können wir die Miete zahlen? Große Firmen gehen insolvent. Das macht den Leuten Angst, und die Angst können wir ihnen nicht nehmen.

Diese Angst wirkt sich auf das Konsumverhalten der Menschen aus?

Wir haben beobachtet: Immer wenn - etwa über die Presse - Unsicherheiten kommuniziert werden, wirkt sich das darauf aus, was die Menschen einkaufen. Wir haben in Zorneding unsere Stammkunden, aber das reicht eben nicht. Das war ein schleichender Prozess, der zu unserer jetzigen Situation geführt hat.

Seit wann läuft es denn merklich schwieriger für Ihren Laden?

Seit Anfang des Jahres, das ging immer peu à peu. Die Genossen waren immer informiert.

Warum kommen immer weniger Menschen in den Unverpackt-Laden?

Weil wir mit unserem Konzept auf das Umstellen der ganzen Lebensart abzielen. In unsicheren Zeiten nehme ich eben lieber das, was schnell geht und was mir vertraut ist. Was noch dazu kommt: Um die Ecke hat ein großer Supermarkt aufgemacht. Das ist jetzt nicht unsere größte Zielgruppe. Aber zu diesem Zeitpunkt ging es gerade los mit der Ukraine-Krise, die ersten Preissteigerungen waren schon zu spüren. Und ich verstehe das auch: Jeder guckt erst mal auf sich. Viele haben ihren Öltank noch vollgemacht. Und dann wird geschaut: Wo kann ich was sparen?

Haben Sie auch von anderen Geschäften gehört, denen es ähnlich geht?

Auch Hofläden haben Umsatzeinbußen, andere Unverpackt-Läden, Bioläden, Bäckereien; die ganze Biobranche, wie Bundesminister Habeck festgestellt hat.

In der Spendenaktion sind 10 000 Euro angepeilt. Was soll mit dem Geld passieren?

Mit dem erreichten Spendenziel stellen wir den Laden wieder auf eine solide Basis. Zudem möchten wir mit der Aktion auf unseren Unverpackt-Laden aufmerksam machen und engagierte Kunden finden, die das gemütliche Ambiente und das freundliche Miteinander beim Einkauf schätzen.

Spendenaufrufe können aber keine langfristige Lösung sein.

Nein, aber sie bieten uns erst mal eine Stabilität, und wir können uns andere Gedanken machen. Das muss aber wachsen.

Wenn Sie das Spendenziel erreichen, wie lange kann der Laden noch weitermachen?

Wir hoffen, dass wir durch die geplanten Maßnahmen den Unverpackt-Laden in Zorneding langfristig halten können. Aber das muss aus der Gemeinschaft heraus passieren; wir sind ja eine Genossenschaft, kein Einzelunternehmen.

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