Energiewende im Landkreis:Rotoren am Waldrand

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Energiewende im Landkreis: Bekommt das derzeit einzige Windrad des Landkreises bald Gesellschaft? Die Stadt Ebersberg hat zumindest die Voraussetzung dafür geschaffen.

Bekommt das derzeit einzige Windrad des Landkreises bald Gesellschaft? Die Stadt Ebersberg hat zumindest die Voraussetzung dafür geschaffen.

(Foto: Christian Endt)

Die Stadt Ebersberg legt sich auf Flächen für die Windkraftnutzung fest. Damit wären theoretisch 33 Anlagen im Gemeindegebiet möglich - tatsächlich gebaut werden wohl sehr viel weniger.

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Die Kreisstadt schafft die Voraussetzungen für den Bau von Windrädern. Ohne Gegenstimmen verabschiedete der zuständige Ausschuss des Stadtrates ein Flächenkonzept, das festlegt, wo auf Ebersberger Gebiet Windräder aufgestellt werden können. Diese Potenzialflächen liegen vor allem ganz im Norden Richtung Forst und im Südosten. Das Gremium entschied sich damit für die umfassendste der vorgestellten Varianten. Insgesamt halten die Planer 33 Windrad-Standorte für möglich.

Was ausdrücklich nicht bedeutet, dass sich irgendwann tatsächlich 33 Windräder in der Umgebung der Kreisstadt drehen werden. Darauf hatte auch Stadtplaner Adrian Merdes vom Büro TB Markert, welches das Konzept erarbeitet hat, bereits bei früheren Beratungen zu dem Konzept hingewiesen. Das nun beschlossene sieht vor, dass sich die Abstände zwischen Windrad und nächstem Wohnhaus an der TA Lärm, einer Verwaltungsvorschrift zum Lärmschutz, orientieren.

Diese Variante war eine von mehreren Möglichkeiten, welche die Planer untersucht und erstmals im August im Ferienausschuss vorgestellt hatten. Etwas restriktiver als die nach der TA Lärm wäre eine Variante mit 3H gewesen, am wenigsten Platz für Windräder hätte es bei einem Standard-Abstand von 1000 Metern zum nächsten Wohnhaus gegeben. Von diesen beiden hatte sich der Ausschuss bereits in seiner Sitzung im September weitgehend verabschiedet und weitgehend Einigkeit für die Variante mit den größten Potenzialflächen erkennen lassen.

Konkret bedeutet das, dass zu reinen Wohngebieten ein Abstand von 900 Metern, zu allgemeinen Wohngebieten - dort ist auch Gewerbe wie Büros und Gastronomie zulässig - von 600 Metern eingehalten werden muss. Damit wären rund 564 Hektar oder 13,8 Prozent der Gemeindefläche potenzieller Windkraft-Standort. Darunter sind sowohl große, zusammenhängende Gebiete, wie eben jenes am Rand des Forstes, das nur von den Kreisstraßen und der Schafweide unterbrochen wird, wie auch sehr kleine und vereinzelte, etwa im Südwesten im Bereich der B304. Grundsätzlich, so die Planer, reichten nämlich rund 3000 Quadratmeter für ein Windrad aus.

Energiewende im Landkreis: In den auf der Karte grün eingezeichneten Gebieten könnten Windräder entstehen.

In den auf der Karte grün eingezeichneten Gebieten könnten Windräder entstehen.

(Foto: Stadt Ebersberg/oh)

Welche der potenziellen Standorte aber wirklich für den Bau von Windrädern tauglich sind, werde sich erst in der konkreten Planung herausstellen, so Merdes. Das war auch der Grund, warum man sich in der vorangegangenen Sitzung schon weitgehend auf das umfassendere Konzept verständigt hatte: Dies soll es ermöglichen, dass Standorte verschoben werden können, wenn die Einzelfallbewertung ergibt, dass eine Fläche nicht geeignet ist, etwa wenn der Untergrund für eine Bebauung untauglich ist. Außerdem geht es beispielsweise um Fragen des Artenschutzes, um Abstände zu Solaranlagen sowie um mögliche Einschränkungen wegen Radaranlagen.

Auch den Schatten- und Eiswurf sollte man mit aufnehmen, regte Hans Hilger (CSU) an, dies sei auch im Sinne der potenziellen Betreiber. Schließlich rentiere sich ein Windrad weniger, wenn es wegen Verschattung umliegender Ortschaften immer wieder stillstehen müsse. In dem Zusammenhang erneuerte Gerd Otter (Pro Ebersberg) seine Anregung, auch auf Sichtachsen in der Landschaft Rücksicht zu nehmen. Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos) gab zu bedenken, dass die Möglichkeiten dazu begrenzt seien: Die von Ebersberg ausgemachten Potenzialfächen würden sicher bald eine Entsprechung jenseits der Gemeindegrenzen finden, wenn die Nachbarn ebenfalls in die Windkraftplanung einsteigen.

Ebersberg ist die erste Landkreiskommune mit so einem Konzept, andere dürften bald folgen

Dass sie dies in nächster Zeit tun, ist zumindest nicht unwahrscheinlich. Zwar ist Ebersberg die bislang einzige Kommune im Landkreis, die in eine so konkrete Flächenplanung einsteigt. Allerdings dürfte das heuer verabschiedete "Windenergie-an-Land-Gesetz" des Bundes solche Planungen auch anderswo anschieben. Dieses sieht nämlich vor, dass Bayern in den kommenden zehn Jahren 1,8 Prozent der Landesfläche als Windenergiegebiete ausweist. Dafür zuständig ist der Regionale Planungsverband (RPV), der Bayerns Städte und Gemeinden bereits aufgefordert hat, entsprechende Flächen anzumelden. Wer dies nicht tut, riskiert, dass der Planungsverband selbst Flächen festlegt.

Die Ebersberger wollen dem RPV zunächst die Flächen im Norden, also im Bereich zwischen Gewerbegebiet, Schafweide und Forst, sowie jene im Südosten zwischen den Ortschaften Traxl, Rinding und Pollmoos melden. Zwar gibt es nach dem nun beschlossenen Konzept auch ganz im Südwesten theoretisch Potenzialflächen, diese gelten den Planern und der Verwaltung aber als schwierig. So seien diese Flächen sehr verstreut und klein, zudem erwartet man in dem Bereich eher Konflikte mit dem Naturschutz. Dieser Bereich soll daher als Priorität II eingestuft und nur entwickelt werden, wenn der Platz in den anderen Bereichen nicht ausreicht. An den RPV wird "Ebersberg Südwest" ebenfalls zunächst nicht gemeldet.

Ohne Gegenstimmen wurde sowohl das Konzept mit den Abständen von 900 beziehungsweise 600 Metern beschlossen, als auch die Priorisierung der Gebiete und die entsprechende Meldung an den RPV. In Kraft treten kann der Plan, wenn in der kommenden Woche auch der Stadtrat zustimmt. Angesichts des Ergebnisses im Ausschuss gilt das aber als Formalie. Das Konzept könnte auch schon relativ schnell zur Anwendung kommen. Im September wurde bekannt, dass mehrere Landwirte aus der Umgebung von Traxl Interesse am Bau eines Windrades haben. Laut Auskunft eines Beteiligten, könnte es bis 2025 in Betrieb gehen.

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