Bildung im Landkreis Ebersberg:Vaterstetten will gebrauchte Schule kaufen

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Bildung im Landkreis Ebersberg: Diesen Holzmodulbau für die Vorläuferklassen des neuen Putzbrunner Gymnasiums, hier bei der Eröffnung Mitte September, will Vaterstetten in einigen Jahren übernehmen.

Diesen Holzmodulbau für die Vorläuferklassen des neuen Putzbrunner Gymnasiums, hier bei der Eröffnung Mitte September, will Vaterstetten in einigen Jahren übernehmen.

(Foto: Claus Schunk)

Wegen Ganztag und Zuzug werden die Grundschulen in der Großgemeinde immer voller. Abhilfe könnte nun aus dem Nachbarlandkreis München kommen.

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Dass man beim Kauf gebrauchter Gegenständen Geld sparen kann, ist bekannt, etwa bei Autos, Fahrrädern und Kleidung - und offenbar auch bei Schulhäusern. Ein solches könnte die Gemeinde Vaterstetten in einigen Jahren erwerben, um die Raumnot an der Wendelsteinschule zu beheben.

Konkret geht es um ein dreistöckiges Gebäude aus Holzmodulen, das derzeit auf dem Pausenhof des Neubiberger Gymnasiums steht. Darin sind die sogenannten Vorläuferklassen des derzeit im Bau befindlichen Gymnasiums Putzbrunn untergebracht. Voraussichtlich zum Beginn des Schuljahres 2026/2027 könnten die Klassen dann in das richtige Gymnasiumsgebäude umziehen, so eine aktuelle Schätzung. Der Containerbau würde dann nicht mehr benötigt - er könnte zerlegt und in Vaterstetten wieder zusammengebaut werden.

In Vaterstetten wächst der Bevölkerungsanteil der Kinder und Jugendlichen besonders stark

Den Vorschlage machte nun in der jüngsten Gemeinderatssitzung Architekt Jan Weber-Ebnet vom Büro Bauwärts. Dieses hatte den Auftrag erhalten, zu untersuchen, welchen Platzbedarf es an den Vaterstettener Grundschulen in den kommenden Jahren gibt und wie sich diese gegebenenfalls erweitern lassen. Hintergrund ist, dass derzeit zwei Entwicklungen die Schulen in der Großgemeinde enger werden lassen. Zum einen ist das die steigende Nachfrage nach Ganztagesbetreuung - auf die es in vier Jahren dann auch einen Rechtsanspruch gibt. Zumindest dieser wird nach Auffassung der Fachleute in Vaterstetten keine großen Folgen mehr haben - im Durchschnitt nehmen 80 Prozent der Grundschulkinder irgendeine Form von Ganztagesangebot wahr. Was aber im Umkehrschluss bedeutet, dass Vaterstetten jetzt schon die Probleme hat, die auf andere Kommunen vielleicht erst in einigen Jahren zukommen.

Bildung im Landkreis Ebersberg: Bei der Grundschule Brunnenstraße sehen die Planer vor allem im Süden Erweiterungsmöglichkeiten.

Bei der Grundschule Brunnenstraße sehen die Planer vor allem im Süden Erweiterungsmöglichkeiten.

(Foto: Christian Endt)

Ebenfalls Auswirkungen auf die Schulen hat das vor allem durch Zuzug ausgelöste starke Bevölkerungswachstum in der Gemeinde. Dieses, so erwartet man es im Rathaus, dürfte auch ohne den Bau großer Wohngebiete stetig weitergehen, einerseits durch Verdichtung, andererseits durch den Generationswechsel bei älteren Siedlungen - wo dann oft gleichzeitig viele junge Familien zuziehen. Die der nun vorgestellten Schulplanung zugrundeliegende Prognose geht davon aus, dass bis 2030 mehr als 29 000 Menschen in Vaterstetten wohnen, zum Jahresbeginn 2021 waren es rund 25 000. Besonders hoch seit dabei der Zuwachs bei Kindern und Jugendlichen.

An zwei Schulstandorten ist eine Erweiterung um einen Zug möglich - wenn dort gebaut wird

Dieser betrifft vor allem die Sprengel der Schulen an der Brunnen- und an der Wendelsteinstraße. Beide sind aktuell dreizügig, eine davon müsste in den kommenden Jahren um einen Zug erweitert werden. Laut Planer Weber-Ebnet wäre dies an beiden Standorten theoretisch möglich - allerdings mit unterschiedlich großem Aufwand und unterschiedlich schwerer Störung des Schulbetriebes.

Die Brunnenschule ließe sich an zwei Stellen im Süden des Gebäudes erweitern. Mit eher kleinem Aufwand könne man die Richtung Brunnenstraße zeigende Schmalseite am Ende erweitern, statt drei Fachräumen und einem Klassenzimmer gäbe es dann vier Klassenzimmer und zwei Fachräume, der wegfallende könnte anstelle eines in den neuen Anbau verlegten Klassenzimmers entstehen.

Ebenfalls möglich wäre ein Neubau an der Südwestseite, hier sind zwei Varianten denkbar. Bei der kleineren entstünden auf zwei Stockwerken je fünf Räume, derzeit sind es insgesamt vier. Sollte aber ein zusätzlicher Zug in der Brunnenstraße eingerichtet werden, brächte es laut Planer einen größeren Anbau mit zweimal je neun Räumen plus die Erweiterung an der schmalen Seite des nebenliegenden Gebäudes.

Bildung im Landkreis Ebersberg: Die Turnhalle der Wendelsteinschule soll abgerissen werden, wenn der Neubau fertig ist. An der Stelle könnte die Gebrauchtschule aus Neubiberg aufgebaut werden.

Die Turnhalle der Wendelsteinschule soll abgerissen werden, wenn der Neubau fertig ist. An der Stelle könnte die Gebrauchtschule aus Neubiberg aufgebaut werden.

(Foto: Christian Endt)

Sollte dagegen die Wendelsteinschule vierzügig werden, schlägt das Büro einen Anbau an der Stelle vor, wo derzeit noch die Turnhalle steht. Für diese ist bereits ein Neubau samt zusätzlicher Plätze für den Hort beschlossen, wenn dieser fertig ist, könnte die alte Halle abgerissen werden. Richtung Alpspitzstraße könnte dann entweder ein zweistöckiges Gebäude mit insgesamt 16 zusätzlichen Räumen entstehen - oder eben man baut die Putzbrunner Schulcontainer dort auf.

Dass das so geschieht, ist laut Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) indes alles andere als sicher. Die Idee dazu sei zustande gekommen, weil das Büro, welches für Vaterstetten die neue Schulturnhalle entworfen hat, auch das Gymnasium Putzbrunn plant. Konkrete Pläne zur Versetzung der Gebrauchtschule in die Großgemeinde gebe es daher ebensowenig, wie Schätzungen zu den Kosten. Die allerdings wohl deutlich unter denen eines Neubaus liegen dürften - und ressourcenschonend sei der Gebrauchtbau auch: "Wenn uns das gelingt, bekommen wir den Nachhaltigkeitspreis", so Spitzauer.

Zumindest an der neuen Grund- und Mittelschule reicht der Platz aus

Nicht alle im Gremium waren von der Idee so angetan wie der Bürgermeister. Josef Mittermeier (SPD) bemängelte, dass - egal ob Neu- oder Gebrauchtbau - doch nur wieder "eine Notlösung" geschaffen werde. Er erinnerte an die vor einigen Jahren geführte Diskussion um einen kompletten Neubau der Schule, "das sollten wir nicht aufgeben". De facto habe man das aber schon, sagte Spitzauer: Indem man sich für den Bau der neuen Turnhalle auf dem jetzigen Schulgrundstück entschieden habe. Denn dadurch werde es unmöglich, wie bei der Grund- und Mittelschule, ein neues Gebäude an anderer Stelle zu bauen, während der Schulbetrieb im alten weiterläuft. Klaus Willenberg (FDP) mahnte an, auch bei Ausbau der Wendelsteinschule jene in der Brunnenstraße nicht zu vergessen. Denn selbst wenn diese nicht auf vier Züge erweitert werden sollte, Sanierungsbedarf bestehe trotzdem.

Wie es mit den Schulen weitergeht, soll in der Sitzung im November oder Dezember entschieden werden. Der Bürgermeister hatte zwar vorgeschlagen, sich bereits auf die Wendelsteinschule als diejenige festzulegen, die erweitert werden soll, auf Antrag Mittermeiers wurde diese Frage aber verschoben.

Einen Beschluss fasste der Gemeinderat zum Schluss noch: Da die Kapazitäten an der neuen Grund- und Mittelschule laut den Planern ausreichend sind, wurde der bereits beschlossene Neubau eines Hortes für die Schule wieder gestrichen.

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