Ukraine-Flüchtlinge:Miteinander statt gegeneinander

Lesezeit: 1 min

In der Ukraine-Krise zeigt sich in den zuständigen Behörden, zu welchen Leistungen ihre Mitarbeiter imstande sind. Was zählt ist der politische Wille.

Kommentar von Korbinian Eisenberger

Nicht geschimpft ist gelobt genug. Mit diesem Satz müssen sich manche Berufsgruppen mehr auseinandersetzen als andere. Zu ihnen zählen mit großer Sicherheit Schiedsrichter. Sehr sicher darf man aber auch Mitarbeiter von Behörden jeglicher Art zu ihnen zählen. Beamte sind so etwas wie die Schiedsrichter abseits des Sports. Sie sind die Schiedsrichter im Amtszimmer, deren Entscheidungen manchmal große Auswirkungen für einzelne Schicksale haben. Und weil nicht jede Entscheidung populär ist oder gerecht erscheint - sind Beamte nicht gerade Adressaten für Lobhudelei. Manchmal aber, bei besonders guten Leistungen, wird sogar mal ein Schiedsrichter gelobt.

Bei allem Schrecken des Ukraine-Kriegs sind die wenigen Lichtblicke umso willkommener. Dazu zählen in diesen Wochen und Monaten einerseits jene, die den Menschen aus den Kriegsgebieten Obdach gewähren und viel auf sich nehmen. Und jene, die dabei unterstützen: Dem Vernehmen nach leisten auch die Behörden seit Eintreffen der ersten Geflüchteten Anfang März Großes. Hört man sich unter Ehrenamtlichen um, arbeiten nicht wenige Mitarbeiter im Kreis Ebersberg nach Feierabend und am Wochenende. Und das, obwohl es sich um Beamte handelt.

Vorurteile bringen einen eben selten weiter. Zu einer seriösen Debatte gehört aber auch die Frage, warum die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Ehrenamtlichen und Betroffenen aktuell so gut ist - aber im Zuge der großen Fluchtbewegungen 2015 so verhältnismäßig schlecht verlief?

Ein Teil der Antwort ist, dass die Menschen aus der Ukraine bundesweit deutlich besser gestellt sind als so gut wie sämtliche Asylsuchenden in den Jahren 2015 bis 2021. Das macht es für alle Parteien einfacher. Oder besser: für alle Mithelfenden. Es wirkt im Sommer 2022 so, als würden Ehrenamtliche, Behörden, Betroffene miteinander statt gegeneinander arbeiten. So gut es eben geht, bei allen Abstrichen und ungelösten Problemen. Ermöglicht haben das verantwortliche Politiker in Brüssel, Berlin und München.

Als die Menschen vor sieben Jahren aus Asien und Afrika nach Deutschland kamen, gelang dies nicht annähend so gut. Und wie man es auch dreht und wendet, bleibt der Verdacht im Raum, dass die Helfer und Ämter es seinerzeit deutlich besser hätten lösen können. Wenn man die Schiedsrichtern schon damals mit einem guten Regelwerk ausgestattet hätte.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB