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Kommentar:Der Seilpartner ist zurück

Klettern für Behinderte, Verein: ich will da rauf. Kletterhalle Thalkirchen.

Symbolfoto.

(Foto: Florian Peljak)

Eine Weile sah es so aus, als ließe die Gemeinde den Markt Schwabener Alpenverein im Stich. Die Wende kommt gerade noch rechtzeitig.

Wenn die Absturz-Gefahr am größten ist, steigt der Überlebensinstinkt aufs höchste Level. Erfahrene Alpinisten sagen solche Sätze gerne, wenn sie über das Verhältnis von Konzentration und Leichtsinn sprechen. Man könnte damit aber auch die aktuellen Entwicklungen in Markt Schwaben beschreiben. Dort wähnte sich die örtliche Alpenvereinssektion wochenlang gefährlich nahe am Abgrund. Weil die Gemeinde ihnen vor einem Monat ohne Vorwarnung die Kletteranlage zusperrte, bangte so manches Vereinsmitglied um die Zukunft der Sektion. Als vor Ostern auch noch die offizielle Nutzungskündigung vom Bürgermeister kam, hing der Markt Schwabener DAV plötzlich ungesichert in der Steilwand. Der Absturz drohte, doch just in diesem Moment meldete sich der Seilpartner zurück.

Der Aufwand, den der Verein, das Landratsamt und die Gemeinde unter Federführung von Bürgermeister Georg Hohmann betrieben haben, wurde belohnt. Die Gemeinde zeigt dem zweitgrößten Verein im Ort nun doch, dass offenbar Wertschätzung für dessen Arbeit - gerade im Jugendbereich - besteht. So ist die Kletterhalle von 1. Mai an wieder geöffnet - und die ersten Schritte zum dauerhaften Fortbestand der Anlage sind eingeleitet. Die Mitglieder - 1700 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in und um Markt Schwaben - werden dankbar sein. Und sich wohl auch vor Überraschung die Augen reiben.

Es waren schließlich nicht gerade Galaauftritte, die der Gemeinderat und seine Verwaltung zuletzt hingelegt haben, zumindest wenn es um die Beziehung zum DAV ging: Die spontane Schließung der Anlage, die unglückliche lange Sitzung, auf der die Gemeinderäte ihre Gäste vom Alpenverein bis zum Schluss warten ließen. Und dann auch noch die fristlose Kündigung für die Anlage.

Solche Risse können eine Seilschaft entzweien. Stattdessen aber haben sich die Gemeinde und der DAV wieder zusammengerauft. Die Vereinsvorsitzenden sind diplomatisch und sachlich geblieben, die Gemeinde holte sich externe Beratung, und das Landratsamt sprang als Vermittler bei. Die Lösung erarbeiteten sie an einem runden Tisch. Und so ist es in Rathäusern manchmal wie am Berg. Wer den Alleingang meidet, erhöht die Chance, dass es nicht die letzte Tour war.

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