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Hohenlindener Sauschütt:"Ich hätte alle bisherigen Mitarbeiter übernommen"

36 Jahre lang war die Grafinger Brauerei Wildbräu Pächter des Gebäudes und der Anlage. Nun endet die Zusammenarbeit - die Zukunft ist ungewiss.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Dieter Häuslmann aus Ebersberg hat seine Wohnung gekündigt, 25.000 Euro investiert und Koch und Kellnern Zusagen gemacht: Nun ist klar: Seine Bewerbung als Wirt der Hohenlindener Sauschütt ist abgelehnt.

Die Waldgaststätte Hohenlindener Sauschütt bleibt vorerst geschlossen. Entgegen dem Vorhaben eines Gastronomen aus Ebersberg bekommt das Traditionslokal im Ebersberger Forst keinen neuen Wirt. Am Donnerstag wurde bekannt, dass Eigentümer, Pächter und Bewerber sich nicht auf einen Vertrag einigen konnten. Im Gegenteil: Die Bayerischen Staatsforsten, denen das Gebäude gehört, beenden nun die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit der Grafinger Brauerei Wildbräu, die das Lokal seit 1984 gepachtet hatte und von verschiedenen Wirten betreiben ließ. Seit 1956 war die Hohenlindener Sauschütt ohne Unterbrechung bewirtschaftet. Nun ist klar, dass es eine längere Pause gibt. Offen bleibt, wie lang.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung erklären sich der Forstbetrieb und Wildbräu knapp. In der Mitteilung wird der Geschäftsführer der Brauerei Gregor Max Schlederer zitiert. "Ich bin mit dieser Gaststätte groß geworden, mich verbindet sehr viel mit dieser Einrichtung." Heinz Utschig, der Leiter des Forstbetriebs, erklärt darin, dass er sich "ausdrücklich bei der Familie Wildbräu und der Familie Schlederer für das Engagement in diesen vielen Jahren" bedanke. Mit dem Rückzug der Brauerei "geht eine Ära zu Ende".

Warum das Ganze? Antworten gibt am Donnerstagnachmittag Heinz Utschig. Am Telefon erklärt er, dass das Konzept des Ebersberger Gastronomen Dieter Häuslmann und die Pläne der Brauerei Wildbräu "nicht zu unseren Vorstellungen gepasst" hätten. Etwa die Idee, dass die Wirtsleute im Obergeschosse hätten wohnen sollen. "Das ist so nicht umsetzbar", so Utschig. Ein Treffen zwischen Utschig und Schlederer, zu dem Gastronom Häuslmann nicht eingeladen war, führte diese Woche zum Rückzug der Brauerei. Utschig erklärt, auf die Trennung habe man sich "im Guten geeinigt". Wildbräu möchte sich dazu auf Nachfrage nicht äußern.

Alles andere als gut ist die Stimmungslage bei Dieter Häuslmann, der die Sauschütt nun doch nicht übernehmen darf. "Ich bin stocksauer", erklärt der Ebersberger am Donnerstag. Sein Problem: Bereits vor Monaten haben er und die Brauerei Wildbräu einen Vertrag über die Betriebsübernahme in der Sauschütt geschlossen, von März 2020 bis März 2021. Damals sei er noch im sicheren Glauben gewesen, dass das Pachtverhältnis zwischen Forst und Brauerei bestehen bleibt, so Häuslmann. Damals ahnte er nicht, wie sehr er sich täuschte.

Laut Forstbetrieb habe man sich "im Guten geeinigt". Wildbräu möchte sich dazu nicht äußern

Häuslmann berichtet, dass er nach der Vertragsunterzeichnung mit Wildbräu voller Tatendrang sein neues Projekt vorbereitete. Sein damaliges Konzept liegt der SZ vor: So sei für ihn "ein kleiner Streichelzoo" in dem angrenzenden Stall vorstellbar, "zum Beispiel mit Schafen, Enten, Gänsen, Hühnern und Hasen". Den Biergarten mit Selbstbedienung hätte er weiterführen wollen, an den Sonntagen sei ein Musikfrühstück mit Volksmusik oder etwa Jazz denkbar gewesen. Es kam ganz anders.

Im sicheren Glauben an das neue Projekt kündigte er die Wohnung der Familie in Ebersberg. Schließlich stand im Obergeschoss der Sauschütt eine Vierzimmer-Mietwohnung für ihn, seine Frau und seine Kinder bereit. So dachte Häuslmann. "So hat mir das der Wildbräu verkauft", sagt er. Häuslmann stellte bereits Personal ein, den künftigen Oberkellner zum Beispiel. "Ich hätte die ganzen bisherigen Mitarbeiter dort übernommen", sagt er, drei Bedienungen und den Koch. "Ich hätte sie alle fest angestellt." Anders als die bisherigen Wirtsleute hätte Häuslmann die Sauschütt "fünf bis sechs Tage die Woche geöffnet", sagt er. Zuletzt war das Lokal meist nur am Wochenende auf.

Die Folgen für seine Familie sind von erheblichem Ausmaß. Häuslmann unterschrieb nämlich noch einen zweiten Vertrag, diesmal mit den bisherigen Wirtsleuten: 25 000 Euro, so die Vereinbarung, werde er an Ablöse für das Inventar der Sauschütt - wie etwa die Vertäfelung oder die Bar - zahlen. 10 000 Euro habe er bereits überwiesen, so Häuslmann. Die Kündigung der Wohnung habe er "gottseidank rückgängig machen können", sagt er. Alle anderen Probleme sind ungelöst. Etwa, dass die Kellner nun doch nicht weiter beschäftigt werden. Und dass 25 000 Euro investiert sind.

Nachfrage bei der Brauerei Wildbräu, die sich am Donnerstagnachmittag auch zur Vertragsverhandlung wie -unterzeichnung mit Häuslmann nicht konkret äußern will. Nur so viel: Für Mittwoch nächste Woche sei ein Treffen der Brauerei mit Häuslmann geplant. Von Wildbräu heißt es: "Wir sind an der Problemlösung interessiert."

Wie geht es mit der Sauschütt weiter? Forstbetriebsleiter Utschig erklärt, dass noch im Frühjahr der Kinderspielplatz generalsaniert, dabei weiter in den Wald rücken und in den Lehrpfad integriert werden soll. Die Fassade und die Fensterrahmen der Sauschütt sind frisch gestrichen, dies hat die Brauerei noch übernommen. Wer die weiteren anstehen Renovierungen übernimmt, und wann, ist laut Forstbetrieb offen. Und wer wird der neue Wirt? "Unser Interesse ist, dass die Sauschütt nicht zu lange geschlossen ist", sagt Heinz Utschig. "Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung."

© SZ vom 17.01.2020/koei
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