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Naversorgung in Markt Schwaben:Der Kiosk ist tot - es lebe der Kiosk!

Aus nach 18 Jahren? Laut Bahn soll Markt Schwabens Bahnhofskiosk am 14. November wieder öffnen.

(Foto: Christian Endt)

Seit Ende Oktober war Markt Schwabens Bahnhofsladen geschlossen, jetzt sperrt ihn ein neuer Betreiber wieder auf. Nur beim Ticketverkauf ist Geduld gefragt.

2013 war er einmal in den Schlagzeilen, der Markt Schwabener Bahnhofskiosk, damals, Ende Februar kamen zwei Männer um kurz vor Mitternacht in den Laden und überfielen eine Mitarbeiterin. Tausend Euro haben sie erbeutet, das waren die Tageseinnahmen, dazu noch um die hundert MVV-Tickets, das konnte man vor knapp fünf Jahren bayernweit in den Zeitungen lesen. Dann wurde es wieder ruhig um den Markt Schwabener Kiosk, die Menschen besorgten sich ihre Fahrkarten wieder ohne Sturmhauben, holten sich Kaffee oder eine Breze und verschwanden irgendwann in einem Zug.

18 Jahre lang ging das so, dann kam der 26. Oktober 2017, und der Kiosk machte von einen Tag auf den anderen zu. Innerhalb weniger Tage war damit der zweite Bahnhofs-Kiosk hintereinander geschlossen worden, das Pendant in Grafing-Bahnhof hatte es ja gerade ebenfalls erwischt. Der Abgesang auf die landkreisweiten Bahnhofsläden und das schlimme Schicksal der Bahn-Pendler und Kiosk-Räuber wäre perfekt gewesen, würde mittlerweile nicht ein Zettel am Markt Schwabener Bahnhof hängen. Danach soll der dortige Kiosk in fünf Tagen wiedereröffnet werden. Derzeit werde umgebaut, man suche Personal, heißt es. Am Dienstag, 14. November, soll es dann wieder Kaffee und alles andere geben.

Warum die Pause? Nachfrage bei der Deutschen Bahn. Ein Sprecher erklärt am Mittwoch, dass im Kiosk der Betreiber wechselt. Bisher habe die Kiosk-Kette "Valora" (früher Lekkerland) den Laden an einen externen Betreiber vermietet, nun werde man dort eigenes Personal anstellen. Den Wechsel wolle man nun nutzen, um die Innengestaltung des Kiosks zu modernisieren, grundsätzlich werde sich für die Fahrgäste aber nicht viel ändern. Bücher, Zeitungen, Kaffee, Snacks und Süßkram sind von Dienstag an wie gehabt im Angebot. Eine Verzögerung, so der Sprecher, gebe es lediglich beim Fahrkartenverkauf. "Die Mitarbeiter müssen dafür noch geschult werden", heißt es. Bis 30. November gibt es die Fahrscheine am Markt Schwabener Bahnhof deswegen nur aus dem Automaten, danach auch wieder am Schalter.

Nicht nur Markt Schwabens Bahngäste stehen derzeit vor verschlossenen Türen - auch die Postfiliale am Bahnhof hat seit kurzem geschlossen. In der Ausschusssitzung am Dienstag verkündete Markt Schwabens Bürgermeister Georg Hohmann nun, dass die Post am Montag wieder öffnen wolle. Grund für die Schließung seien Krankheitsfälle gewesen, so habe er es bei der Post auf Nachfrage erfahren. Es sei, so Hohmann, "schade, dass wir über die Schließung nicht informiert wurden", die Gemeinde sei davon genauso überrascht worden wie die Kunden.

In Grafing und Markt Schwaben hatten viele Kunden erstaunt reagiert, darüber, dass plötzlich örtliche Institutionen wie die Post oder der Bahnhofskiosk ohne Vorwarnung zumachen. Einige fragten sich, warum niemand sie vorgewarnt habe, besonders ältere Fahrgäste störte, dass sie ihr Ticket nur noch vom Automaten bekommen, was ja - gerade wenn man es nicht gewohnt ist - eine Herausforderung sein kann. Die Bahn erklärt dazu, dass man zwar von der bevorstehenden Schließung der beiden Kioske wusste, die Betreiber hätten sie in beiden Fällen informiert. Eine Pressemitteilung dazu herauszugeben, halte man allerdings für überflüssig, erklärt ein Sprecher. "Bei über hundert Geschäften allein in München würde das unübersichtlich werden", heißt es.

Sei's drum, dürften sie sich in Markt Schwaben denken, der Kiosk ist tot, es lebe der Kiosk, zumindest hier. Für Grafing-Bahnhof, so der Bahn-Sprecher, gebe es keine neuen Infos, man sei weiter auf der Suche nach einem Nachmieter. Dieser Fall zeigt, dass Bahnhofsläden für Geschäftsleite nicht zwingend attraktiv sein müssen, entlang der S 4 gibt es zwar an einigen Stationen noch einen Kiosk, doch nirgendwo mehr einen Fahrkartenverkauf. Den gibt es im Landkreis Ebersberg nur noch an der S 2 - nämlich in Poing und bald auch wieder in Markt Schwaben.

© SZ vom 09.11.2017/koei

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