Programmvorschau 2024:Mutige Kulturoffensive

Programmvorschau 2024: "Kann man so nicht sagen" - so heißt das Programm, das Kabarettist Helmut Schleich in der Stadthalle spielen wird.

"Kann man so nicht sagen" - so heißt das Programm, das Kabarettist Helmut Schleich in der Stadthalle spielen wird.

(Foto: Oliver Hochkeppel)

In der Grafinger Stadthalle wird es im kommenden Jahr ein reichhaltiges Angebot geben: Das Publikum darf sich neben Kabarett und Unterhaltungsmusik freuen auf Klassik und Theater. Aber auch lokale Kleinkunst und Überraschungsshows stehen weiter auf dem Programm.

Von Anja Blum, Grafing

Wenn eine Kommune möchte, dass vor Ort Kultur passiert, hat sie zwei Möglichkeiten. Erstens: Sie kann hoffen, dass selbständige Veranstalter oder gar Ehrenamtliche ihr diesen Wunsch erfüllen. Zweitens: Sie kann das Thema selbst in die Hand nehmen und Profis dafür bezahlen, dass sie ein Programm auflegen. Das ist freilich die sicherere Variante - und bietet sich insbesondere dann an, wenn die Kommune selbst über Räumlichkeiten verfügt, die es zu bespielen gilt. So wie Grafing.

Dessen Stadthalle kostet im Unterhalt viel Geld - es wäre also nicht nur jammerschade, sondern auch ziemlich unvernünftig, das Gebäude den größten Teil des Jahres leer stehen zu lassen. Das hat man sich offenbar auch im Rathaus gedacht und nach dem Abgang des bisherigen Stadthallenchefs eine Kulturoffensive gestartet, die im kommenden Jahr noch mal an Fahrt aufnehmen wird: Zusätzlich zur neuen Kulturbeauftragten Theresa König und dem - in Grafing ebenfalls noch jungen - Kabarett-Musik-Programm der Ickinger Agentur "Brotzeit und Spiele" wird es 2024 zwei weitere Abo-Reihen geben, und zwar Klassik sowie Theater, angeboten ebenfalls von externen Dienstleistern. Die Veranstalter bekommen quasi ein Honorar für ihre Organisation, alle Ausgaben und Einnahmen wickelt das Rathaus ab.

Programmvorschau 2024: Das Team Stadthalle: Bürgermeister Christian Bauer, Theresa König, Adelheid Dürrer, Wolfgang Ramadan und Thomas Luft (per Handy zugeschaltet).

Das Team Stadthalle: Bürgermeister Christian Bauer, Theresa König, Adelheid Dürrer, Wolfgang Ramadan und Thomas Luft (per Handy zugeschaltet).

(Foto: Christian Endt)

Trotz Publikumsschwund in allen Sälen geht die Stadt Grafing also mutig nach vorn - wofür ihr alle Beteiligten Respekt zollen. Vor allem Wolfgang Ramadan, der mit seinen Kultur-Abos im kommenden Jahr an mehreren Orten in der Region pausieren muss, in Wasserburg zum Beispiel und in Siegertsbrunn. Eben gerade, weil das wirtschaftliche Risiko der Veranstaltungen dort nicht von der Kommune getragen wird, wie das in Grafing der Fall ist.

"Das ist ein drastischer Schritt für mich, denn ich war immer frei - und stolz darauf", sagt der Veranstalter bei der Vorstellung des Jahresprogramms in der Stadthalle. Doch angesichts steigender Kosten und abnehmender Zuschauerzahlen müsse er nun handeln, sprich: einen Förderantrag bei der bayerischen Staatsregierung stellen. "Aber ich bin zuversichtlich, dass das klappt." Davon abgesehen hat das Grafinger Kooperationsmodell für Ramadan durchaus Zukunft: "Diese Stadt ist ein Vorreiter - und andere ziehen schon nach."

Mit an Bord sind das Konzertbüro Dürrer aus Ebersberg und die Theaterlust aus Haag

Das Publikum darf sich also freuen auf ein besonders reichhaltiges und buntes Kulturjahr in Grafing. 24 Termine stehen auf der Liste, die König für 2024 erstellt hat. Neben Brotzeit und Spiele sind als weitere Dienstleister mit an Bord das Konzertbüro Dürrer aus Ebersberg und die Theaterlust aus Haag. Beide sind der Stadthalle ohnehin schon lange verbunden: Adelheid Dürrer zeichnet sich seit 15 Jahren für das Neujahrskonzert mit beliebten Operettenmelodien verantwortlich, und ihr Kollege Thomas Luft hat den Saal in der Vergangenheit immer wieder als Probenraum für seine Theaterensembles genutzt. "Da habe ich das Haus sehr zu schätzen gelernt." Jeweils vier Termine bieten die neuen Mitstreiter im Jahr 2024 an, die Brotzeit-und-Spiele-Saison beinhaltet sieben Abende. Die Abos für alle drei Reihen sind ab Freitag, 1. Dezember, erhältlich.

Programmvorschau 2024: "Der Gott des Gemetzels": Zwei Elternpaare treffen sich zu einer Aussprache - die gründlich in die Hose geht.

"Der Gott des Gemetzels": Zwei Elternpaare treffen sich zu einer Aussprache - die gründlich in die Hose geht.

(Foto: Veranstalter/oh)

Der Theaterreigen startet am Freitag, 23. Februar, mit dem weltbekannten Kammerspiel "Gott des Gemetzels", allerdings in einer ganz besonderen, weil bairischen Fassung. Nicht minder berühmt ist allerdings das nächste Stück, der französische Klassiker "Acht Frauen". Dieses mörderische Vergnügen präsentiert die Theaterlust am 19. April in einer eigenen Inszenierung. Und mit einem ebenfalls bereits verfilmten Stück geht es auch am 20. September weiter: In der Dramödie "Eingeschlossene Gesellschaft" kommt es zu einer Art Geiselnahme im Lehrerzimmer - während der sich haufenweise menschliche Abgründe offenbaren. Bestens bekannt sein dürften aber auch die Geschichten, die verdichtet wurden zu "Don Camillo zu dritt", dieses Stück ist am 8. November zu sehen.

Ein neues Format hat Dürrer für die Stadthalle ersonnen: die "Lampslight-Konzerte" in gemütlicher Atmosphäre. Dafür wird eine ebenerdige Bühne mit Stehlampen und Teppichen ausgestattet, das Publikum sitzt drumherum. Zu hören gibt es Popmusik in instrumentaler Form. Zwei Mal kann man das erleben: Am 27. April stehen Hits von Ed Sheeran auf dem Programm, am 26. Oktober ein "Best of Abba", jeweils dargeboten von vier Streichern und Schlagzeug. "Unser Ziel ist es, auch junge Menschen für klassische Musik zu begeistern, und dieses Ensemble ist mit diesem Angebot sehr erfolgreich", erklärt Dürrer. "Auch meine Enkelin war ganz begeistert." Obendrein gibt es am 26. Juli eine "Italienische Nacht" mit drei Opernsängern und Klavier, sie soll bei gutem Wetter draußen auf dem Vorplatz stattfinden. Und beschlossen wird die musikalische Saison dann am 1. Januar mit dem traditionellen Neujahrskonzert, diesmal darf man sich auf drei Tenöre freuen.

Programmvorschau 2024: Töne? Oder Worte? Roland Hefter liefert beides.

Töne? Oder Worte? Roland Hefter liefert beides.

(Foto: Veranstalter/oh)

Im Brotzeit-und-Spiele-Paket befinden sich wieder lauter Namen, die eigentlich keiner Erklärung bedürfen. Ramadan hat die Kabarettgrößen Stefan Otto (9. März), Stefan Kröll (25. April), Helmut Schleich (10. Oktober) und Luise Kinseher (30. November) nach Grafing eingeladen. Hinzu kommen der bayerische Liedermacher Roland Hefter (16. November), Wally Warning mit Reggae, Soul und Pop (7. Dezember) sowie Axel Zwingenberger, ein fantastischer Boogie-Woogie-Blues-Pianist (8. Juni).

Aber auch die Reihe "Katz im Sack" bietet Ramadan wieder an, die in Grafing sehr begehrte Überraschungsshow mit jeweils vier vorab geheim gehaltenen Künstlerinnen und Künstlern auf der Bühne der kleinen Turmstube. "Und in diesem Jahr wird es von der Musik wieder ein bisschen weg in Richtung Kabarett gehen", sagt Ramadan, der die Vorliebe seines Publikums für das Wort durchaus wahrgenommen hat. Diese sieben Termine finden immer donnerstags statt.

Darüber hinaus gibt es jene Veranstaltungen, die König selbst organisiert - hauptsächlich unter dem Motto "von Grafingern für Grafinger" immer am "Gra-Do" (Grafinger Donnerstag). "Es gibt so viele versteckte Talente hier in der Region - und es ist toll, sie alle zu entdecken!" Dafür geht die Kulturmanagerin auch immer wieder neue Kooperationen ein, zum Beispiel mit dem Allegria, wo am 25. Januar ein Krimidinner stattfinden wird, mit dem Grafinger Weinhaus oder mit der Volkshochschule. Aber auch ein Tribute-Konzert zu Pink Floyd hat König im Programm (1. März) sowie ein Freibadfestival mit Livemusik (2. August).

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