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Fahrschulen im Landkreis Ebersberg::Ein Jahr bis zum Führerschein

Fahrschulen im Südwesten fordern baldige Öffnung

Die Fahrschulautos stehen im Lockdown still. Die Schulen stehen vor enormen Problemen.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Monatelang hatten sie geschlossen, jetzt wird ihnen die Bude eingerannt: Ebersberger Fahrschulen haben derzeit eine Menge zu tun.

Von Franziska Langhammer, Ebersberg

"Gute Fahrschulen haben immer zu tun", sagt Mike Kliese, "und jetzt noch viel mehr." Kliese betreibt eine Fahrschule mit Filialen in Ebersberg und Kirchseeon und ist dieser Tage ein viel gefragter Mann. Mit dem 22. Februar dürfen auch die Fahrschulen wieder öffnen, und die lernwilligen Fahranfänger rennen ihm die Bude ein - Pkw- wie Motorradanwärter. "Die nächsten vier Wochen ist der Theorieunterricht in den Filialen Kirchseeon und Ebersberg komplett ausgebucht", sagt Kliese. Täglich kämen gut ein Dutzend Anmeldungen, "ein Wahnsinn", kommentiert er. Zum normalen Tagesgeschäft eines Fahrlehrers kommt bei Mike Kliese noch dazu, dass er Aufbauseminare für auffällig gewordene Fahranfänger gibt sowie Kurse zum Punkteabbau. Auch diese Anfragen kommen jetzt noch oben drauf.

Wegen des gebotenen Hygieneabstands können etwa in Ebersberg statt sonst 36 Personen derzeit nur zwölf in einem Raum unterrichtet werden, Maske und Handdesinfektion sind obligatorisch, auch das regelmäßige Lüften. Weil so viele Fahranfänger nun starten wollen, müssen sie sich darauf einstellen, dass es bis zur finalen Führerscheinprüfung noch etwas dauern kann.

Neue Fahrlehrer zu finden, ist sehr schwierig

"Normalerweise kann man die Prüfung nach drei bis vier Monaten ablegen", sagt Mike Kliese. Derzeit könne man schon mal sechs bis zwölf Monate dafür einplanen. Neben den Theorie- und Praxisübungen müssten für den Führerschein auch etwa Erste-Hilfe-Lehrgänge absolviert werden - auch da stauen sich momentan die Anfragen. "Es dauert, aber man kann es schaffen. Mit sehr viel Geduld", sagt Mike Kliese.

Ähnliches berichtet Rudolf Schmid, der seit 40 Jahren eine kleine Fahrschule in Baldham betreibt. "Man findet keine Fahrlehrer auf dem Markt", sagt er. "Fahrschulen haben extreme Nachwuchssorgen." Auch Schmid berichtet von einem großen Rückstau an Fahranfängern. "Wir sind in einer schwierigen Zeit. Von Seiten der Kunden braucht es gerade auch Verständnis", so Schmid. Als Fahrlehrer dürfe man nicht mehr als elf Stunden am Tag unterrichten, sechs Tage die Woche.

Als Appell an alle, die es kaum erwarten können, ihren Führerschein zu machen, jedoch noch nicht zum Zug kommen, sagt Rudolf Schmid: "Die Zeit bis zum Führerschein kann man auch sinnvoll nutzen." Er schlägt vor, etwa in Internet-Fahrschulen das Fahren zu praktizieren oder einfach Theorieübungen zu machen.

Ein Fahrschulbetreiber hat auf Online-Unterricht umgestellt, jetzt ist wieder Präsenzunterricht Pflicht

Dass der Präsenzunterricht in den Fahrschulen von nun an verpflichtend ist, findet Werner Schmidt nicht nachvollziehbar. Der Betreiber von "De Fahrschui" mit Filialen in Poing und Ebersberg hat Tausende von Euro investiert, um auch Online-Unterricht geben zu können. Seit zwei Wochen hat er die Genehmigung dazu, seit einer Woche läuft der digitale Theorie-Unterricht. "Das wird von den Schülern sehr gut angenommen", berichtet Schmidt. Die Schüler seien sehr diszipliniert und würden viele Fragen in schriftlicher Form stellen.

"Auf der einen Seite dürfen Schulen nicht in den Präsenzunterricht, aber Fahrschulen müssen in den Präsenzunterricht", sagt Schmidt. "Das ist sinnlos." Auch an die Landtags- und Bundesabgeordneten für den Landkreis Ebersberg habe er schon geschrieben, um weiterhin Online-Unterricht geben zu können. Auf eine endgültige Antwort wartet er noch. "Aber eigentlich ist das schon zu spät", sagt Werner Schmidt mit Blick auf den Unterrichtsbeginn am 22. Februar.

In "De Fahrschui" müssen erst einmal vor allem die Fahranwärter im Großfahrzeugbereich abgearbeitet werden - Gärtner, Bauarbeiter, Landwirte. "Die müssen ihren Führerschein möglichst noch vor Saisonbeginn machen", sagt Schmidt - also spätestens bis Ende März, wenn etwa die ersten Güllewagen auf die Felder gefahren werden.

Als weiteren Punkt nennt Werner Schmidt die Busfahrer, die ebenfalls in den vergangenen Monaten nicht ausgebildet werden durften. Mit dem schrittweisen Beginn des Präsenzunterrichts an Schulen müssen jedoch auch die Busfahrer an den Start. Viele der älteren Kollegen wollen sich schützen und können deshalb derzeit nicht arbeiten. Hier hatte Schmidt versucht, beim Landratsamt eine Ausnahmegenehmigung für Busfahrer zu erwirken - vergeblich.

In einer weiteren Sache hofft Werner Schmidt, noch eine Lösung zu finden: Eine seiner Fahrlehrerinnen ist Asthmatikerin und darf deshalb keine FFP2-Maske tragen, gesetzlich muss sie das aber. "Wir schauen, ob sie nicht zumindest zu einer medizinischen Maske wechseln darf", sagt er.

© SZ vom 22.02.2021
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