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Ebersberg:Mit dem Rollstuhl zum Dorffest

2021 soll der Landkreis Ebersberg eine mobile behindertengerechte Toilette bekommen

Von Johanna Feckl, Ebersberg

Beschlossene Sache ist es eigentlich schon seit drei Jahren: Der Landkreis Ebersberg möchte sich eine mobile barrierefreie Toilette zulegen. Bei der Umsetzung des Plans haperte es aber, einen entsprechenden Toilettenwagen gibt es bislang nicht. Nach einem erneuten Anlauf wird das Vorhaben aber nun aller Voraussicht nach im kommenden Jahr umgesetzt werden können. Einstimmig stimmten die Mitglieder des Kreistagsausschusses für Soziales, Familie, Bildung, Sport und Kultur (SFB) in seiner jüngsten Sitzung für die dafür notwendige Änderung des Beschlusses vom Oktober 2017.

Die Erfahrung habe gezeigt, dass Rollstuhlfahrer sowie bewegungseingeschränkte Menschen Feste und Veranstaltungen allein deshalb meiden, weil es für sie unmöglich sei, die dort aufgestellten üblichen Toilettenwägen mit Treppenaufstieg zu benutzen, so heißt es in der Sitzungsvorlage. Demnach würde es eine mobile barrierefreie Toilette auch diesem Personenkreis möglich machen, an Veranstaltungen teilzunehmen. Kommunen, Veranstalter oder Ausrichter könnten sich gegen eine Gebühr die Toilette für Events im Landkreis ausleihen, so der Vorschlag.

Im entsprechenden drei Jahre alten Beschluss heißt es, dass die Verwaltung eine solche Toilette in Kooperation mit Einrichtungen der Behindertenhilfe und externen Sponsoren erwerben sollte - vorausgesetzt, eine Gemeinde im Landkreis übernimmt die Verwaltung der Anschaffung. Denn der Landratsamt selber verfüge weder über einen geeigneten Stellplatz noch über die notwendige Transportvorrichtungen. Mit der Verwaltung verbunden wäre der Hin- und Rücktransport der Toilette zu Events, deren Entleerung, Reinigung sowie Aufbewahrung an einem trockenen Standort während der Wintermonate. Als Ausgleich für die dadurch entstehenden Kosten sollte die Gemeinde die Gebühren für die Entleihung einsetzen dürfen.

Soweit der ursprüngliche Plan. Drei Jahre später war allerdings immer noch keine Gemeinde gefunden, die sich in der Lage sah, die Verwaltung in dem geplanten Umfang zu übernehmen. Da das Landratsamt das Vorhaben aber als wichtiges Projekt im Sinne eines inklusiven Landkreises ansehe und auch klare Signale aus der Kreispolitik und seniorenpolitischen Vertretern der Landkreiskommunen gekommen seien, hat sich das Landratsamt dazu entschlossen, das Projekt erneut anzugehen - mit entsprechenden Anpassungen: Ein Plan B.

Im August haben erste Gespräche mit der Firma MS Verleih aus Steinhöring stattgefunden, die sich auf den Verleih von Toilettenwägen spezialisiert hat und sich bereit erklärte, die Verwaltung der mobilen Toilette im Landkreis Ebersberg zu übernehmen. Statt eines Wagens, der ausschließlich eine behindertengerechte Toilette umfasst, schlug die Firma vor, einen mobilen Wagen anzuschaffen, der sowohl herkömmliche Toiletten als auch eine behindertengerechte mit einer Rampe umfasst. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 41 000 Euro. Eine solche Variante biete den Vorteil, dass Veranstalter keine finanzielle Abwägung mehr treffen müssten, ob zusätzlich ein behindertengerechter Toilettenwagen gemietet werden soll, erklärte Jochen Specht, Leiter des Teams Demografie im Landratsamt, den Ausschussmitgliedern, denn diese wäre bei dem kombinierten Wagen automatisch mit dabei.

Nun sieht das konkrete Vorhaben so aus, dass der Landkreis nicht als Eigentümer des Wagens, sondern mit 25 000 Euro als Zuschussgeber auftreten wird. Eigentümer wäre der Einrichtungsverbund Steinhöring, der sich mit 10 000 Euro an den Kosten beteiligen würde. Die übrigen 6000 Euro sollen durch Spenden eingenommen werden - auch die Landkreiskommunen könnten sich daran beteiligen. Verwalten und betreiben würde den mobilen Toilettenwagen die Firma MS Verleih.

Ob statt des Kaufs eines kombinierten Toilettenwagens nicht auch das Mieten eines solchen in Frage käme, wollte Kreisrätin Sonja Ziegltrum-Teubner (CSU) wissen. Jochen Specht bejahte das zwar, wies aber mit Nachdruck darauf hin, dass die derzeit zu mietenden Wägen von deutlich niedrigerer Qualität seien als das im Raum stehende Angebot. Eine hohe Qualität sei in diesem Fall erstrebenswert, da man erreichen möchte, dass sich möglichst viele Veranstalter für die Ausleihe der Variante mit einer behindertengerechte Toilette entscheiden. Alle Ausschussmitglieder zeigten sich von dem geänderten Plan überzeugt und stimmten zu.

© SZ vom 09.11.2020
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