Nachwuchsdesigner:21-jähriger Ebersberger zeigt seine erste Kunstausstellung

Oscar Thiemt Ebersberg Mode und Kunst

Oscar Thiemt aus Ebersberg.

(Foto: privat)

Oscar Thiemt studiert Mode und widmet sich der Malerei. Seine Werke haben einen speziellen Look.

Von Anja Blum, Ebersberg

Es mag ein Vorurteil sein, ja, aber dass sich ein junger Mann für Mode und Kunst interessiert, ist wahrscheinlich tatsächlich eher selten. Doch wer eine solche Ausnahmeerscheinung treffen möchte, hat am Wochenende beim Ebersberger Kunstverein die Gelegenheit dazu: Oscar Thiemt, 21 Jahre alt und Modestudent, lädt dort zu seiner allerersten Ausstellung ein. Im Studio an der Rampe über dem Klosterbauhof zeigt der Ebersberger Gemälde seiner Serie "Process". Eröffnung ist am Samstag, 21. August, um 20 Uhr, am Sonntag, 22. August, kann die Schau von 10 bis 21 Uhr besichtigt werden.

Thiemt selbst ist freilich "ziemlich stolz" auf diesen Schritt in die Öffentlichkeit und hofft, auch Menschen jenseits seines Bekanntenkreises mit seiner Kunst ansprechen zu können. Schon lange sei er fasziniert von Malerei und Mode, erzählt der 21-Jährige, woran vermutlich die Oma großen Anteil habe. "Sie hat früher immer in ihrem Atelier unterm Dach mit uns gemalt, das hat total Spaß gemacht."

Oscar Thiemt Ebersberg Mode und Kunst

Bei der Malerei setzt Thiemt eher auf einen morbiden Chic.

(Foto: privat)

Dort erlebte der junge Oscar also eine Kreativität, die er später dann mit Sprühdosen an der Wand und auch auf seine Bekleidung anwandte: "Da ich noch nicht gut nähen konnte, habe ich halt T-Shirts und Schuhe angemalt." Ideen, die zunächst nur seinem Kopf existieren, möglichst präzise umsetzen zu können, also Realität werden zu lassen, das habe ihn jedenfalls schon immer gereizt, sei es in der Kunst oder der Mode, so der 21-Jährige. "Ich finde, da geht das besonders gut."

Diese besondere Leidenschaft umzusetzen, habe er sich jedoch lange nicht getraut, so Thiemt, der in Glonn aufgewachsen ist. "Dafür war ich nicht selbstbewusst genug." Erst nach dem Abitur am Kirchseeoner Gymnasium und einer einjährigen Reise habe er den Mut gefunden, seinen Traum zu verwirklichen und Mode zu studieren. Mittlerweile ist er an der Hochschule in Reutlingen im dritten Semester und schwer begeistert: Das Studium sei ein breit angelegter Mix aus Handwerk und Kreativität, man lerne viele Grundlagen, sei es beim Zeichnen, Nähen oder in Schnitttechnik. Außerdem sei die Ausbildung je nach Interesse durchaus individuell gestaltbar. Sogar zwei eigene Stücke seien schon entstanden und bei einer Fashionshow gezeigt worden.

"Mein Stil? Gehobene Streetware, würde ich sagen."

Oscar Thiemt Ebersberg Mode und Kunst

Als gehobene Streetware bezeichnet Oscar Thiemt (links) seine Mode. Am Wochenende stellt er erstmals aus, und zwar in der Galerie des Ebersberger Kunstvereins.

(Foto: privat)

Allerdings habe er festgestellt, dass man sich nicht nur auf das Studium verlassen dürfe: Wenn man richtig gut werden wolle, müsse man auch außerhalb viel Zeit in die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten investieren, so Thiemt. "Mein Stil? Gehobene Streetware, würde ich sagen", inspiriert von seinen Hobbys, Skaten und Basketball, und verbunden mit dem Anspruch luxuriöser Designerkleidung. Als Vorbilder dienten ihm aber keine Marken, erklärt Thiemt, sondern eher einzelne Künstler oder Kollektionen.

Was die Malerei angeht, habe ihn die Entschleunigung durch die Pandemie weit nach vorne gebracht, erzählt der Ebersberger. "Durch Corona hatte ich endlich die Zeit, mich intensiv mit meiner Kunst zu beschäftigen und das Thema ernsthaft anzupacken." Der junge Künstler beschreibt seine Arbeiten als "abstrakte, intuitiv kreierte Malerei mit dem Einsatz von Plastizität". Viele Techniken kämen da zum Einsatz, Acryl, Lackfarbe, Graffiti und Pastellkreiden.

Die Darstellungen reichen von abstrakten Kompositionen bis hin zu Gegenständlichem, auch was Farbe angeht, ist Thiemt ganz offen, manche Gemälde sind eher monochrom, andere wieder ziemlich bunt - auch das entscheide sich mehr oder weniger spontan. Das Wichtigste aber sei die Zeit, denn sein spezieller Look, den er anstrebe, entstehe erst durch das Warten: "Mit der Zeit nämlich verändert sich die Struktur des Bildes, es beginnt zu bröckeln." Deswegen habe er die aktuelle Serie eben auch "Process" genannt. "Man muss es selbst sehen", sagt er, "dann erklärt es sich eigentlich von selbst".

Den Ebersberger Kunstverein hatte Thiemt bislang nicht gekannt, erst durch die Suche nach einer Galerie sei er darauf gestoßen. Nun ist der 21-Jährige seit einer Woche Mitglied, vermutlich das derzeit jüngste - und sehr angetan. "Der Verein ist total cool, und ich kann mir gut vorstellen, dass er auch für viele Freunde von mir was wäre, die ebenfalls malen oder fotografieren."

Er werde jedenfalls künftig Werbung machen für den Verein, der seinen Mitgliedern eine so unkomplizierte wie günstige Ausstellungsmöglichkeit bietet. Wenn sich das nun beim Nachwuchs im Landkreis herumspricht, gibt es demnächst vielleicht öfter junge Ausnahmeerscheinungen zu bewundern. Das wäre schön.

Ausstellung von Oscar Thiemt im Studio an der Rampe in Ebersberg, Vernissage am Samstag, 21. August, um 20 Uhr, am Sonntag, 22. August, geöffnet von 10 bis 21 Uhr.

© SZ vom 19.08.2021/koei
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