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Im Landkreis Ebersberg:Rechtsextremes Gedenken

Aktive der Neonazi-Vereinigung "Der Dritte Weg" prahlen mit Aktionen in Ebersberg und Grafing.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

In Wunsiedel konnten sie dieses Jahr wegen der Corona-Auflagen nicht so aufmarschieren wie gewünscht, deshalb hat die Neonazi-Partei "Der Dritte Weg" zum Volkstrauertag zu dezentralen Veranstaltungen aufgerufen - zwei davon im Landkreis Ebersberg. Auf der Ebersberger Heldenallee, die an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erinnert, und an der Gedenkstätte für die Opfer des Zugunglücks bei Oberelkofen, bei dem 1945 viele deutsche Soldaten starben, stellten die Vertreter des Dritten Wegs Windlichter mit dem eigenen Logo auf. Auch auf der eigenen Internetseite prahlen die Aktivisten mit der Aktion. Es ist nicht das erste Mal, dass der Dritte Weg, eine Nachfolgeorganisation des 2014 verbotenen Netzwerks "Freies Netz Süd", in Ebersberg auffällig wird.

Schon mehrmals hatten Anhänger der Neonazi-Partei Flugblätter in Poing verteilt, teils direkt im Umfeld der Turnhallen, in denen damals Asylbewerber untergebracht waren. Auch am Karfreitag 2019 hatten viele Ebersberger Flugblätter vom Dritten Weg in ihren Briefkästen.

Die jährlichen Großveranstaltungen des Dritten Wegs in Bayern finden traditionell in Wunsiedel statt, wo ursprünglich Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß beerdigt war, dessen Grab inzwischen allerdings aufgelöst ist. Dennoch marschieren die Rechtsextremen dort jährlich am Vorabend des Volkstrauertags noch zum "Heldengedenken" auf, martialisch mit Fackeln und Uniformen. Heß' Name wird nicht mehr genannt, "aber jeder weiß, was gemeint ist", sagt Florian Rieder von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern, Büro Süd.

Dieses Jahr wäre wegen Corona nur eine Standkundgebung erlaubt gewesen, außerdem hätten auch andere Corona-Auflagen eingehalten werden müssen, daher sei "kein unseren Maßstäben entsprechendes Gedenken möglich" gewesen, wie die Aktivisten auf ihrer Homepage klagen, wo sie auch Bilder von ihren Ersatzveranstaltungen veröffentlicht haben. Zu sehen sind dort auch Fotos von brennenden Kerzen neben den Gedenkstätten in Ebersberg und Grafing sowie ein Bild von drei jungen Männern am Aussichtsturm, die auf ihren Jacken gut sichtbar das Logo des Dritten Wegs tragen.

Dass sich der Dritte Weg diese Gedenkstätten ausgesucht hat, könnte nach Einschätzung von Florian Rieder darauf schließen lassen, dass es sich um lokale Akteure handeln könnte. "Beide Orte sind überregional nicht so bedeutend. Für die Elkofener Gedenkstätte müsste man eigentlich Lokalwissen haben", sagt der Fachmann für Rechtsextremismus. Es sei schließlich bekannt, dass es eine aktive Neonaziszene in der Region gebe, immer wieder sei auch von entsprechenden Vorfällen berichtet worden, etwa von Angriffen auf das Ebersberger Jugendzentrum. Zwar gab es nach Einschätzung der Polizei in letzter Zeit weniger Vorfälle, Rieder geht aber nicht davon aus, dass sich die rechte Szene zurückgezogen hat. Durch Corona habe sich nur der Fokus verlagert - und teilweise seien die Rechten auch auf den Corona-Protest aufgesprungen.

Rechtlich werden die Aktionen in Ebersberg und Grafing voraussichtlich kein Nachspiel haben. Dem zuständigen Fachkommissariat bei der Kripo in Erding seien die Vorfälle bis zum Mittwoch nicht bekannt gewesen, so eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Wenn aber nur Grablichter aufgestellt worden seien, stelle das keine strafbare Handlung dar. Lange geleuchtet haben die Lichter der Neonazis allerdings nicht, Aktive des Bündnisses "Bunt statt Braun" gegen Rechtsradikalismus haben den Müll weggeräumt.

© SZ vom 19.11.2020

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