Mitten in Ebersberg:Winter-Wunder-Spezialisten

Mitten in Ebersberg: Wohl dem, der solche Nachbarn hat ...

Wohl dem, der solche Nachbarn hat ...

(Foto: Christian Endt)

Nun singen sie wieder ihr kratziges Lied, die Schneeschaufeln, die noch vor dem Morgengrauen über den Asphalt geschoben werden. Wem wohl die fleißigen Hände gehören, die das tun?

Kolumne von Michaela Pelz, Ebersberg

Gewisse Dinge können nur von spezialisiertem Fachpersonal erledigt werden. Das ist beileibe kein wohl gehütetes Geheimnis, sondern in vielen Familien merkwürdigerweise eine stillschweigende Übereinkunft. Neben ganzjährigen Tätigkeiten wie dem Befüllen und Entleeren der Spülmaschine sowie der Entsorgung des Biomülls und der (rechtzeitigen) Bereitstellung der Mülltonne am Straßenrand (am richtigen Wochentag) gehört auch eine Betätigung dazu, die jedes Jahr wieder völlig überraschend nach dem ersten Wintereinbruch relevant wird. Die Rede ist vom Schneeschippen.

Dazu bedarf es eines passenden Arbeitsgeräts (nicht zu empfehlen: Schieber mit Metall-Schaufel, die sich, wie erfahrene Bedienpersonen wissen, gerne mal vom Holzstab löst, der zudem bei längerer Anwendungsdauer für Blasen sorgt), eines passenden Schuhwerks (nein, Gummigartenclogs gehören nicht dazu, auch wenn sie gleich neben der Haustür stehen) und eines passenden Outfits (aktuelle Modetrends können vernachlässigt werden und es wird auch nicht kontrolliert, ob unter dem schnell übergeworfenen Schneeanzug von vor fünf Jahren, so er denn noch passt, ein Schlafanzug den noch bettwarmen Leib umhüllt).

Um der lästigen Pflicht zu entgehen, hat es sich in manchen Haushalten bewährt, einfach den Zustand vor der Eingangstür zu ignorieren, bis jemand anderes die Nerven verliert und beginnt, eine winzige begehbare Schneise freizuschaufeln. Wer sich jedoch mehr oder minder freiwillig noch im morgendlichen Dunkel vor die Tür begibt, der (oder doch die?) befindet sich meist in guter Gesellschaft. Denn auch in der Nachbarschaft sind ähnlich vermummte Personen (erstaunlicherweise auch dort immer dieselben) mit der Ausübung dieser winterlichen Form des Frühsports beschäftigt.

Manche aus purer Notwendigkeit, weil sonst ihr wohltemperiertes Fahrzeug die Garage nicht verlassen kann. Andere fühlen den Drang, den behördlichen Verordnungen Genüge zu tun, die besagen, dass bis zu einer bestimmten Uhrzeit die Gehwege von dem weißen Nass zu befreien sind, das meist nur Kinderaugen zum Leuchten bringt.

Wieder andere setzen alles daran, dem Einsatz der örtlichen Räumfahrzeuge zuvorzukommen, weil dann eine minimale Chance besteht, dass der Haufen, der sich in Ermangelung einer passenden Lagerfläche in der Kurve vor dem eigenen Grundstück angesammelt hat, mitgenommen und im nächstgelegenen Feld abgekippt wird.

Nun ist ja Bewegung an der frischen Luft grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings wäre man manchmal sehr froh, der in allen Bereichen beklagenswerte Fachkräftemangel würde sich nicht auch in dieser Hinsicht bemerkbar machen. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es allerdings. Die fröhlichen Kinderstimmen vor dem Fenster könnten einen Hinweis darauf liefern, dass der nachbarliche Nachwuchs, wie schon im Vorjahr, mit großem Eifer und kleiner Schaufel am Werk ist, die Erwachsenen bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Nun dürfen sie nur nie erfahren, dass Schneeschippen Spezialistensache ist.

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